Das Medizinstudium war für mich recht streng; der Stoff war zwar interessant aber zugleich auch anspruchsvoll. Für Erholung blieb hier nicht viel Zeit. An den Abenden war ich oft sehr müde und kaum fähig, die Vorlesungen zu verarbeiten. Schon nach dem ersten Semester des ersten Jahres merkte ich, dass mir in dieser recht schwierigen Situation etwas fehlte, nämlich die Zeit für Gott.
So suchte ich im Internet nach Möglichkeiten, eine Messe zu besuchen. Diese fand ich in der Pfarrei Christ-Roi. Ideal in der Nähe der Universität gelegen, besuchte ich ab diesem Zeitpunkt an falls irgendwie möglich täglich die Heilige Messe. Oft hatte ich den Eindruck, dass dies das einzig sinnvolle war, dass ich abends noch fähig war zu tun. Zeitlich gesehen war es natürlich gegen alle Vernunft, denn die Hausaufgaben und die Bücher stapelten sich in meinem Zimmer zur Genüge.
Da die Messen meist auf Französisch waren, kaufte ich mir ein Schott-Messbuch, wo ich die Lesungen inklusiv einer kleiner Einführung auf Deutsch nachlesen konnte. Diese Erfahrung des täglichen Gottesdienstes, der täglichen Begegnung mit Christus in der Eucharistie, mit jenem, der mir im Leiden nahe war, und das Lesen der Heiligen Schrift gaben mir die Kraft, jeden Tag wieder neu zu beginnen.
Durch dieses Bedürfnis, das Gott in mir geweckt hatte, führte er mich wieder einen Schritt näher zu sich und näher zum Priesterseminar. Übrigens findet morgen Samstag, den 28. April 2012 bei uns im Priesterseminar in Givisiez ein Tag der offenen Tür statt für jene, die gerne Priester werden möchten:
Einladung Tag der offenen Tür (gross)
Für Kurzentschlossene hat es sicher noch ein Plätzchen frei... Vermutlich werden die meisten von euch jedoch nicht daran teilnehmen. Deshalb hier noch eine Möglichkeit für alle, in gewissem Sinn dennoch „anwesend“ zu sein. Seit mehreren Jahren schreibt jedes Jahr einer der Seminaristen ein Berufungsgebet, das wir jeden Tag um 12.30 Uhr im Anschluss an das Mittagsgebet im Seminar beten. Hier nun das Gebet dieses Jahres:
Berufungsgebet 2011/12 (gross)