Freitag, 27. April 2012

Etwas fehlt mir…

Das Medizinstudium war für mich recht streng; der Stoff war zwar interessant aber zugleich auch anspruchsvoll. Für Erholung blieb hier nicht viel Zeit. An den Abenden war ich oft sehr müde und kaum fähig, die Vorlesungen zu verarbeiten. Schon nach dem ersten Semester des ersten Jahres merkte ich, dass mir in dieser recht schwierigen Situation etwas fehlte, nämlich die Zeit für Gott.

So suchte ich im Internet nach Möglichkeiten, eine Messe zu besuchen. Diese fand ich in der Pfarrei Christ-Roi. Ideal in der Nähe der Universität gelegen, besuchte ich ab diesem Zeitpunkt an falls irgendwie möglich täglich die Heilige Messe. Oft hatte ich den Eindruck, dass dies das einzig sinnvolle war, dass ich abends noch fähig war zu tun. Zeitlich gesehen war es natürlich gegen alle Vernunft, denn die Hausaufgaben und die Bücher stapelten sich in meinem Zimmer zur Genüge.

Da die Messen meist auf Französisch waren, kaufte ich mir ein Schott-Messbuch, wo ich die Lesungen inklusiv einer kleiner Einführung auf Deutsch nachlesen konnte. Diese Erfahrung des täglichen Gottesdienstes, der täglichen Begegnung mit Christus in der Eucharistie, mit jenem, der mir im Leiden nahe war, und das Lesen der Heiligen Schrift gaben mir die Kraft, jeden Tag wieder neu zu beginnen.

Durch dieses Bedürfnis, das Gott in mir geweckt hatte, führte er mich wieder einen Schritt näher zu sich und näher zum Priesterseminar. Übrigens findet morgen Samstag, den 28. April 2012 bei uns im Priesterseminar in Givisiez ein Tag der offenen Tür statt für jene, die gerne Priester werden möchten:

Tag-der-offenen-Tür

Einladung Tag der offenen Tür (gross)

Für Kurzentschlossene hat es sicher noch ein Plätzchen frei... Smiley Vermutlich werden die meisten von euch jedoch nicht daran teilnehmen. Deshalb hier noch eine Möglichkeit für alle, in gewissem Sinn dennoch „anwesend“ zu sein. Seit mehreren Jahren schreibt jedes Jahr einer der Seminaristen ein Berufungsgebet, das wir jeden Tag um 12.30 Uhr im Anschluss an das Mittagsgebet im Seminar beten. Hier nun das Gebet dieses Jahres:

Berufungsgebet

Berufungsgebet 2011/12 (gross)

Dienstag, 17. April 2012

Zufall – oder eben nicht?

Dem aufmerksamen Leser ist vielleicht schon aufgefallen, dass ich immer wieder einmal das Wort "Zufall" in Anführungszeichen setzte. Damit möchte ich zum Ausdruck bringen, dass ich hinter diesen "Zufällen" etwas anderes vermute. So oft habe ich in meinem Leben Situationen erlebt, in denen mein Leben durch eine kleine Begebenheit eine ganz neue Richtung erhielt oder sich ein neuer Sinn erschloss, dass ich mit der Zeit nicht mehr daran zweifelte, dass dort bewusst Gottes Hand am Werk war.

Das beginnt oft mit ganz kleinen, unscheinbaren Dingen, durchzieht dann aber das ganze Leben wie ein roter Faden. Vieles ist im Moment nicht klar als Fügung Gottes ersichtlich und lässt sich erst im Rückblick als solche entdecken. Oft ist aber die helfende Hand Gottes im Alltag direkt spürbar. So ist es mir beispielsweise schon oft passiert, dass ich einen Zug gerade noch erwischt habe weil er just an dem Tag ein paar Minuten Verspätung hatte. Bei einer anderen Gelegenheit habe ich mich dann geärgert, dass ich den Zug knapp verpasst habe. Durch "Zufall" habe ich dann aber einen guten Freund getroffen, den ich schon ewig lang nicht mehr gesehen hatte.

Klar kann man viele dieser kleinen Ereignisse wirklich als Zufall abstempeln, auch wenn es statistisch gesehen zumindest sehr auffällig ist. Spätestens wenn man sich dann einmal hinsetzt und sich die Zeit nimmt, das eigene Leben vor dem inneren Auge Revue passieren zu lassen, fallen einem dann auch grössere solcher "Zufälle" ins Auge. Bei mir beispielsweise hat es bereits damit begonnen, dass sich mein Lebensweg von Traumberuf des Piloten durch das Grounding der Swissair wieder abwandte, wie ich hier bereits berichtet habe. Als ich dann den Weg des Medizinstudiums eingeschlagen hatte und der Eintrittstest (Numerus Clausus) erfolgreich bestanden war, konnte ich nicht wie gewünscht in Bern beginnen, weil dort wegen des doppelten Maturajahrgangs in den umliegenden Kantonen zu viele Bewerber vorhanden waren. So wurde ich nach Fribourg umgeteilt, wo sich "zufälligerweise" auch unser diözesanes Priesterseminar befindet.

In den folgenden Jahren des Medizinstudiums sollten dann noch viele weitere "Zufälle" folgen, die mich wie von sanfter Hand geführt Schritt für Schritt auf den Weg führten, den ich heute gehe – eben der "Weg zum Priestertum". Davon werde ich in den nächsten Beiträgen noch etwas ausführlicher berichten...

Ich möchte hier nun aber auch nicht ins Gegenteil umschlagen und behaupten, dass alles was geschieht von Gott so gewollt und vorherbestimmt ist. Vielmehr nehme ich diese "Zufälle" an als kleine "Aufmerksamkeit" Gottes im Sinne eines kleinen Geschenkes, sozusagen als "Zeichen, dass Er an mich gedacht hat". So erinnern mich diese kleinen Ereignisse immer wieder daran, dass Gott wirklich präsent ist in meinem Leben und sich um mich kümmert – ganz im Gegensatz zum Bild des deistischen "Uhrmachergottes" (vgl. Descartes), der einst die Welt geschaffen hat und sie nun bloss wie ein Uhrwerk laufen lässt ohne einzugreifen.

Dabei akzeptiere ich auch gerne, dass ich vieles nicht direkt verstehen kann. Manchmal gilt es eben, Spannungen auszuhalten, Situationen zu akzeptieren, ohne den direkten Sinn verstehen zu können. Das erinnert mich an ein Zitat aus dem ersten Brief des Apostel Paulus an die Korinther:

"Jetzt schauen wir in einen Spiegel und sehen nur rätselhafte Umrisse, dann aber schauen wir von Angesicht zu Angesicht. Jetzt erkenne ich unvollkommen, dann aber werde ich durch und durch erkennen, so wie ich auch durch und durch erkannt worden bin." (1 Kor 13,12)

Bis ich eines Tages klar verstehen und erkennen werde, begnüge ich mich mit der Zusicherung Jesus aus dem Lukas-Evangelium:

"Verkauft man nicht fünf Spatzen für ein paar Pfennig? Und doch vergisst Gott nicht einen von ihnen. Bei euch aber sind sogar die Haare auf dem Kopf alle gezählt. Fürchtet euch nicht! Ihr seid mehr wert als viele Spatzen." (Lk 12,6-7)

Dienstag, 10. April 2012

Von der Freude, Gott weiter schenken zu können

Es gibt sie immer wieder, diese kurzen Momente, in denen die Zeit stehen zu bleiben scheint, in denen Gottes Nähe fast greifbar ist. Oft sind es von aussen betrachtet ganz unscheinbare Momente. Einen solchen Augenblick erlebte ich vor kurzem während den drei österlichen Tagen in meiner "Referenzpfarrei". Ich durfte zusammen mit dem Pfarrer die Kommunion austeilen. Da diese Liturgiefeier speziell auf Familien ausgerichtet war, waren auch erfreulich viele Kinder anwesend. Mit grosser Freude habe ich den jüngeren Kindern jeweils ein Kreuzchen auf die Stirn gemacht und dabei in strahlende Kinderaugen geschaut. Ein kleines Mädchen war besonders rührend. Es kam etwas schüchtern mit erhobenem Finger auf mich zu und sagte schon fast entschuldigend: "Ich habe leider noch keine Erstkommunion gehabt." Ich bückte mich zu ihr hinunter und antwortete ihr, dass dies nicht schlimm sei; Jesus habe sie fest lieb und segne sie, worauf ich ihr wie den anderen Kindern ein Kreuzchen auf die Stirn zeichnete. Sie schien darüber sehr glücklich zu sein und zog daraufhin mit der ebenfalls strahlenden Mutter an mir vorbei.

Beim Austeilen der Hl. Kommunion wird mir oft bewusst, was eigentlich in der Messfeier geschieht. Es erfüllt mich jedes Mal mit grosser Freude, wenn ich als beauftragter Akolyth (sozusagen "Helfer des Diakons und des Priesters", v.a. beim Dienst am Altar) den versammelten Gläubigen den "Leib Christi" weiterschenken darf. Wenn man sich bewusst wird, welch grosses Geschenk man den Mitmenschen als Stärkung mit in den Alltag geben kann, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Jesus Christus, der sich beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern hingegeben hat, der für uns am Kreuz gestorben ist und der an Ostern auferstanden ist, ist in dieser unscheinbaren, kleinen Hostie gegenwärtig (real präsent, was wir eben "Realpräsenz" nennen). Es sind diese unscheinbaren Momente wie hier beim Austeilen der Hl. Kommunion, in denen Gottes Gegenwart unglaublich direkt spürbar ist.

Dieses Gefühl hat auf meinem Berufungsweg auch eine nicht unscheinbare Rolle gespielt. Denn mehr oder weniger "per Zufall" habe ich in dem Jahr vor meinem Studienwechsel an einem Kommunionhelfer-Vorbereitungskurs teilgenommen. Und zwar hat mich der damalige Generalvikar (oder besser gesagt seine Sekretärin) gebeten, ihnen bei der Umstellung von klassischen Folien auf eine Powerpoint-Präsentation für diesen Kurs behilflich zu sein. Um auch beim Anschliessen des Beamers behilflich zu sein und bei allfälligen technischen Problemen direkt helfen zu können, habe ich ebenfalls an diesem Kurs teilgenommen und bin so Kommunionhelfer geworden.

Diese Gefühle und Erlebnisse beim Austeilen der Hl. Kommunion haben in mir das Verlangen geweckt, eines Tages selber als Priester die Wandlungsworte sprechen zu können, die im Rahmen des Hochgebets in der Eucharistiefeier ein Stück Brot in den Leib Christi zu verwandeln vermögen.

Dienstag, 3. April 2012

Im Gedenken an Papst Johannes Paul II.

So vieles gäbe es an dieser Stelle zu sagen. Ganze Bibliotheken könnte man wohl mit Geschichten und Anekdoten über den seligen Papst fühlen. Irgendwie fühle ich mich ganz klein im Gegensatz zu diesem grossen Diener Gottes. Und dennoch war es gerade dieser Papst, der sich immer wieder klein machte, um den Menschen nahe zu sein: Sei es durch seine unzähligen Reisen, durch seinen herzlichen Umgang mit den Kindern, die er immer wieder in die Arme schloss und segnete oder durch seine vielen Hirtenbriefe, Enzykliken, Predigten, Katechesen, Ansprachen usw.

Durch einen Film über Johannes Paul II. lernte ich sein Leben etwas genauer kennen. Ich war tief beeindruckt von diesem demütigen Diener Gottes. Im Juni 2004 erfreute ich mich sehr am Jugendtreffen in Bern. Mich hat dieser Mann zutiefst beeindruckt: Sein Vorbild, seine Liebe zu allen Menschen und sein tapferes und geduldiges Tragen des Kreuzes. Er hat sein Leben voll und ganz in den Dienst Gottes und der Menschen gestellt, bis zum letzten Atemzug. Trotz seiner Krankheit hat er sein Amt weitergeführt und die oft schwere Last tapfer bis ans Ende getragen. Zugleich strahlte er voller Glaube, Hoffnung und Liebe.

Als dann der geliebte Papst Johannes Paul II. am 2. April 2005 um 21.37 Uhr – also fast genau vor sieben Jahren – zum himmlischen Vater zurückkehrte, war ich eigentlich ganz im Gegensatz zu vielen Zeitgenossen nicht traurig, sondern eher glücklich und unendlich dankbar für das grosse Geschenk, dass Gott uns mit diesem Guten Hirten gegeben hat. Es war ein unbeschreibliches Gefühl, eine innere Leichtigkeit, ein Gefühl der Ausgewogenheit, wie wenn die Zeit still stehen würde, verbunden mit der tiefen Gewissheit, dass dieser Mann Gottes nun von seinem Leiden erlöst in den Himmel eintreten konnte. Das war es, was in mir Freude ausbrechen liesse anstelle der Trauer. Ich fühlte mich wie in diesem kurzen Moment vor dem Einschlafen, den man meistens nicht bewusst wahrnehmen kann, wenn man den Körper nicht mehr richtig spürt und sich ein wohliges Gefühl breit macht bevor man ins Reich der Träume abtaucht.

Irgendwie verspürte ich damals das tiefe Verlangen, meiner Dankbarkeit Ausdruck zu verleihen. Dies tat ich mit einer Angelegenheit, die mir schon lange am Herzen lag: Ich reichte in der Armee ein Gesuch ein, um in Zukunft meinen Dienst waffenlos zu absolvieren. Das Gesuch begründete ich dann auch vor allem religiös. Bei der Anhörung vor der Untersuchungskommission musste ich eigentlich fast zum ersten Mal in meinem Leben meine religiösen Überzeugungen "verteidigen" vor offiziellen Vertretern (Aushebungsoffizier, Arzt und Psychologe, wenn ich mich recht erinnere). Das Gesuch wurde bewilligt und ich war Gott – und meinem himmlischen Fürsprecher – für seine Hilfe sehr dankbar. Der Tod von Johannes Paul II. war wie ein Wendepunkt in meinem Leben.

Heute Abend, genau sieben Jahre nach dem Tod von Johannes Paul II. waren wir rund 15 Seminaristen zusammen mit einem der Direktoren des Seminars in der Kapelle versammelt, um Jesus Christus im Allerheiligsten anzubeten. Und da war es wieder, dieses Gefühl, das ich vor sieben Jahren schon spürte. Für einen kurzen Moment fühlte ich mich wieder frei von allen Sorgen, glücklich und zufrieden, innerlich mit Gott verbunden. Solche Momente sind es, die einem immer wieder die Kraft geben, auf dem Weg weiter zu gehen, auch wenn's nicht immer leicht ist. Sie sind wie Wegweiser, die plötzlich aus dem Nebel auftauchen und einem die Gewissheit geben, auf dem richtigen Weg zu sein. Sie bezeugen das, was der verstorbene Papst Johannes Paul II beim Jugendtreffen in Bern (2004) gesagt hat: "Liebe junge Menschen: Habt keine Angst vor Christus! Er nimmt nichts, und er gibt alles. Wer sich ihm gibt, der erhält alles hundertfach zurück!" Das kann ich von ganzem Herzen bezeugen!

Und zum Schluss noch diese kleine Anekdote: Die Anbetung beginnt bei uns üblicherweise um 20.30 Uhr und endet um 21.30 Uhr. Ich hatte mir heute vorgenommen, nach dem eucharistischen Segen noch ein paar Minuten in der Kapelle zu bleiben, um zum Todeszeitpunkt von Papst Johannes Paul II. (21.37 Uhr) speziell an diesen Seligen zu denken. Doch wie es der "Zufall" so wollte, gab es gegen Ende der Anbetung einige Verzögerungen, u.a. wegen dem Weihrauch. Ich warf einen diskreten Blick auf meine Armbanduhr: Der Priester erhob sich genau um 21 Uhr 36 und 55 Sekunden, trat an den Altar und spendete mit dem Allerheiligsten den eucharistischen Segen... Un petit clin d'œil !!!

Freitag, 30. März 2012

Vom Wunderwerk zum Schöpfer

Wie im vorletzten Beitrag beschrieben wählte ich also den Weg des Medizinstudiums. Ein kleines Hintertürchen hielt ich dennoch offen fürs Priesterseminar. Denn bekanntlich gibt's bei den zukünftigen Medizinern den gefürchteten "Numerus clausus", den Zulassungstest. Vielleicht könnte mir Gott ja hier das lang erwartete Zeichen geben. So sagte ich zu mir selbst: "Wenn ich den Test nicht bestehe, ist es sicher ein Zeichen, dass ich doch das Priesterseminar dem Medizinstudium vorziehen sollte." Aber – oh Wunder – ich bestand den Test und nahm dies als Beweis, dass mein Weg nicht ins Seminar führte. Dass Gott mich nicht vor vollendete Tatsachen stellen wollte, spricht doch eigentlich für ihn. J Wie schon in früher angemerkt, habe ich im Rückblick das Gefühl, dass er mir diese Zeit schenken wollte, um meine Entscheidung reifen zu lassen.

Sicherlich hat das Medizinstudium daneben auch viele positive Seiten, selbst für zukünftige Seelsorger. Das sollte ich später im Praktikum in der Spitalseelsorge noch zu spüren bekommen. Mir persönlich half es sehr, den "biologischen Menschen" ein bisschen besser zu verstehen. Ich fand es enorm spannend zu sehen, wie die einzelnen Systeme im Körper zusammen wirken. Wie bereits berichtet, hatte ich mich zuvor eher für Maschinen und Technik interessiert. Nun erfuhr ich, dass der Mensch noch viel komplexer ist als eine blosse Maschine. Vielmehr ist er ein ausgefeiltes, dynamisches System, manchmal sehr labil, teilweise sogar selbstheilend. Kurz: sehr spannend und überaus faszinierend.

Etwas vom Schwierigsten war für mich die Anatomie im Seziersaal. Bereits ab der vierten Woche im ersten Studienjahr standen wir mit Anatomie-Atlas und Skalpell bewaffnet in weissen Kitteln in diesem kühlen Raum und sollten uns an den leblosen Leichnamen weiterbilden. Ich brauchte oft eine recht grosse Überwindung, um diesen Saal zu betreten, die Leichenteile aus dem penetrant riechenden Konservierungsmittel zu heben und danach die Anatomie zu studieren. Die oft etwas herablassende und manchmal auf den ersten Blick pietätslose Art der Assistenten vermochte mir die Sache nicht unbedingt zu erleichtern. Was mir dagegen sehr half, war ein etwa ein Meter hohes Kruzifix an prominenter Stelle. Daneben war eine Tafel angebracht mit einem Zitatvon Niels Stenson (1638-1686, dänischer Arzt und Naturwissenschaftler, später katholischer Priester und Bischof, 1988 von Papst Johannes Paul II. seliggesprochen):

Für die Lateiner unter uns:

"Et hic verus Anatomes finis est,
ut per corporis stupendum artificium
in animae dignitatem et consequenter
per utrisque miracula in Authoris
notitiam et amorem spectatores
subleventur."

Und für alle "Nomalsterblichen" wie mich:

"Das ist der wahre Zweck der Anatomie,
die Zuschauer durch das erstaunenswerte Kunstwerk
des Leibes zur Seele und schliesslich durch das
Wunderbare in beiden zur Kenntnis und Liebe
des Schöpfers zu erheben."

Dieser Spruch, den ich damals in der Originalsprache auswendig lernte und mir immer wieder in Erinnerung rief beim Betreten des Präpariersaals, half mir sehr beim Überwinden meiner Hemmschwelle. In Gedanken wiederholte ich dieses Zitat unzählige Male und war mir gar nicht bewusst, wie diese Worte für mich zum Programm wurden.

Sonntag, 25. März 2012

Zum 100. Mal...

...wurde mein Blog seit seiner Erstellung aufgerufen! Wenn wir schon beim Thema Technik waren, hier deshalb aus aktuellem Anlass eine kleine Statistik:

Seitenaufrufe (Stand: 25. März 2012 um 18.30 Uhr)

Schweiz:

93

Vereinigte Staaten:

4

Polen:

2

Russische Föderation:

1

Total:

100

Meine eigenen Zugriffe aus Frankreich habe ich bewusst weggelassen. Und wie der aufmerksame Leser sicher schon gemerkt hat, wird der nächste Beitrag die Nummer 10 tragen... J

Einen guten Start in die neue Woche!

Technik und Geisteswissenschaften?

Soweit ich mich erinnern kann, war ich eigentlich immer von Maschinen und Technik begeistert. Aus diesem Grunde habe ich damals im Kollegium auch den Typus C (Mathematik und Naturwissenschaften gewählt). Als kleiner Junge träumte ich immer davon, Lokführer zu werden. Ich verbrachte in meiner Freizeit viele Stunden auf dem Bahnhof und mit der Modellbahn. Als ich mir dann auf dem "Bildungshügel" in Brig mühsam die Matura erkämpfte, wollte ich bereits im wahrsten Sinne des Wortes "höher hinaus" – als Pilot wohlbemerkt, was mir übrigens auch einige Bemerkungen in der Maturaagenda einbrachte... Ich hatte auch schon die erste Zulassungsprüfung zur fliegerischen Vorschulung erfolgreich hinter mich gebracht, als mich das Grounding der Swissair mit den damit verbundenen schlechten Berufsaussichten aus den gedanklichen Höhenflügen wieder auf den Boden der Wirklichkeit brachte.

So besuchte ich dann im Maturajahr verschiedene Universitäten und Hochschulen, wobei ich mit der ETH Zürich begann. Ich konnte mich aber nicht für eine bestimmte Studienrichtung entscheiden. Zudem wollte ich viel lieber mit Menschen zu tun haben als mit Maschinen. So entschied ich mich schlussendlich fürs Medizinstudium. Dies hatte für mich viele Vorteile: Ich war mit Menschen zusammen, konnte aber dennoch in den ersten beiden Jahren mein Interesse an den Naturwissenschaften vertiefen. Zudem spielt in der heutigen Medizin die Technik ebenfalls eine wichtige Rolle.

Wie sieht es aber denn in der Theologie oder der Seelsorge mit der Technik aus? Das Theologie-Studium gehört ja bekanntlich zu den Geisteswissenschaften. Zählen da für den zukünftigen Seelsorger nicht ganz andere Werte? Sicherlich, ein Priester sollte primär ganz andere Fähigkeiten und Eigenschaften aufweisen. Dass er dabei aber auch technisch begabt sein kann, habe ich schon bei vielen Priestern festgestellt. Ein kleines Beispiel gefällig?

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit alt-Pfarrer Alois Venetz (1931-2002), der damals nach seiner Pension in unserer Pfarrei regelmässig Gottesdienste übernahm. Ich staunte als junger Primarschüler und Ministrant nicht schlecht, als mir dieser "alte Mann" erzählte, wie er Computer-Programm schrieb, um beispielsweise den Sonnenauf- und untergang zu berechnen.

Seither habe ich noch viele andere Priester kennen gelernt, die ein spezielles "Flair" für die Technik haben. Hier im Seminar in Paris lebe ich mit mehreren diplomierten Ingenieuren zusammen, die sich nun für den Weg zum Priestertum entschieden haben. Die Technik hat auch in der Seelsorge ihren Platz gefunden – zur Freude oder zum Leid der Beteiligten. Denn ohne Technik geht heutzutage halt fast nichts mehr. Ein bisschen schmunzelt musste ich dann aber trotzdem, als ein "technophiler" Priester sein Handy liebevoll seinen "persönlichen Sklaventreiber" nannte...