Samstag, 31. Mai 2014

Wind kannst Du nicht sehen...

„1. Wind kannst Du nicht sehen;
ihn spürt nur das Ohr
flüstern oder brausen wie ein mächt’ger Chor.

2. Geist kannst du nicht sehen;
doch hör, wie er spricht,
tief im Herzen Worte voller Trost und Licht.

3. Wind kannst du nicht sehen;
aber, was er tut:
Felder wogen, Wellen wandern in der Flut.“
(KG 231)

Wind kann man nicht sehen, aber die Auswirkungen des Windes, so wie im Gewitter in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Wind kann man nur „sehen“ wenn beispielsweise die Bäume schwanken, oder wenn man den Wind im Gesicht spürt.

So ist es auch mit dem Heiligen Geist. Ich habe in meinem Leben oft das Wirken des Heiligen Geistes gespürt, besonders bei den Prüfungen an der Universität. Es ist praktisch immer alles gut gegangen. Mit gutem Gewissen und ganz ehrlich kann ich aber dazu sagen, dass dies oft zu einem grossen Teil nicht mein eigener Verdienst gewesen ist.

Einmal lag ich in der Woche vor den Prüfungen vier Tage mit Grippe im Bett und konnte nur sehr wenig vorbereiten. Am Tag vor der Prüfung entstand noch ein organisatorisches Problem; Da verlor ich nochmals wertvolle Vorbereitunszeit. Doch irgendwie war mein Vertrauen auf Gottes liebende Hilfe dadurch noch gewachsen.

In den mündlichen Prüfungen spürte ich dann ganz intensiv das Wirken des Heiligen Geistes. In der ersten Prüfung zog ich aus 6 Fragekarten genau jene, die ich am besten vorbereitet hatte. In der zweiten Prüfung liess mich der Professor zum Teil gar nicht aussprechen und stellte recht hektisch immer wieder neue Fragen. Ich war ganz erstaunt, wie schnell ich sprechen konnte. Obwohl ich gar noch nicht wusste, was ich sagen wollte, fiel mir nach ein paar allgemeinen Einleitungssätzen jeweils genau das ein, was der Professor hören wollte. Im Lukasevangelium steht der schöne Satz: „Denn der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen müsst.“ (Lk 12,12) Genauso ist es mir ergangen.

In der dritten Prüfung hätte ich ein Buch von ca. 180 Seiten lesen sollen, was mir zeitlich nicht reichte. Ich hatte nur ein paar Seiten Zusammenfassung von einem Kollegen und die Hälfte der Kapitel gelesen. Bei der Prüfung hätte ich eigentlich 7 min über die Vorlesung und 7 min über das Buch reden sollen. Über das Buch hätte ich aber maximal 2 min sprechen können, da ich ja nur die Hälfte gelesen hatte. Der Professor stelle aber dann bis kurz vor Schluss der Prüfung nur Fragen zur Vorlesung, nicht aber zum Buch. Ich weiss heute noch nicht, ob er den zweiten Teil der Prüfung einfach vergessen hatte oder ob da zünftig der Heilige Geist am Werk war. Ich denke, es war wohl der Heilige Geist ;-) Auch bei den weiteren Prüfungen ging es immer wieder ähnlich wie bei diesen hier.

So hat Gott mir immer wieder gezeigt, dass ich nicht auf mich alleine vertrauen muss. Ich war Gott für seine Hilfe von ganzem Herzen dankbar, denn sonst würde ich wohl jetzt nicht als Priester vor euch stehen. Durch so viele Ereignisse zeigte Gott mir, dass er mich auf diesem Weg haben wollte und dass er mich begleitete. Was gibt es da Schöneres, als freudig diesen Weg weiter zu gehen, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Eine meiner Lieblingsstellen aus der Bibel ist ein Zitat des Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer. Er schreibt über allerlei Nöte, wie Verfolgung, Hunger und Tod. Dazu sagt er: „Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,37-39)

Wenn ich heute jemanden antreffen würde, er zu mir sagen würden: „Spinnst Du eigentlich, heute noch Priester zu werden?! Es gibt doch gar keinen Gott!“ So würde ich ihn in vermutlich nur liebevoll anlächen und sagen: „Doch, es gibt einen Gott; ich bin ihm schon begegnet.“ Denn nach allem, was ich in meinem Leben bisher erlebt habe, kann ich nicht anders, als an Gott zu glauben. Nicht an irgendein fernes Geschöpf weit weg im Himmel, sondern an den lebendigen Gott, der Himmel, Erde und Menschen erschaffen hat, uns durch den Tod und Auferstehung seines Sohnes erlöst hat und der uns den Heiligen Geist als Beistand schenkt. Gott ist da – bitte verdrängt ihn nicht aus eurem Leben! Lass ihm zumindest einen kleinen Platz übrig! Dann kann der Heilige Geist auch in euch wirken.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Vorbereitung auf das Pfingstfest, an dem wir auf besondere Weise die Aussendung des Heiligen Geistes feiern.