Samstag, 30. August 2014

Gott und den Menschen nahe...

... Priester sein im Volk Gottes! - Das war das Motto vom Gebetsjahr für Geistliche Berufe anno 2005, als ich mich entschied, ins Priesterseminar einzutreten. Wenn ich heute gefragt würde, was das Besondere am Priestersein ist, so würde ich vermutlich mit diesem Zitat antworten: Gott und den Menschen nahe zu sein!

Das gilt zwar nicht exklusiv für den Priesterberuf, jedoch in ganz besonderer Weise. Den Menschen nahe sein können alle, die das wollen. Auch viele soziale Berufe sind dazu prädestiniert. So ich denke da besonders auch an die Pflegeberufe und alle, die in irgendeiner Art und Weise im Dienst der Mitmenschen stehen.

Auch Gott nahe sein können nicht nur wir Priester. Denn viele Heilige waren ganz "gewöhnliche" Gläubige. Die Kirche könnte wohl ohne die Hilfe vieler Helfer nicht bestehen. Ich würde auch niemals behaupten, dass ich Gott näher bin, als jemand anders. Aber es ist dennoch eine so ganz besondere Erfahrung, wenn ich Jesus Christus in den Händen halten kann, ja wenn er durch die Feier der Eucharistie mitten unter uns gegenwärtig wird!

Bei meiner Arbeit werde ich mir jeden Tag bewusst, dass ich nicht Priester für mich selber bin. Ich bin es nicht, um ein Selbstdarsteller zu sein; ich bin es nicht um meine eigenen Bedürfnisse zu decken, sondern ich bin es im Auftrag Christi und der Kirche für die Menschen. Deshalb fühle ich mich auch irgendwie wie ein Bindeglied zwischen Gott und den Menschen. Nicht, dass Gott nicht direkt zu den Menschen sprechen könnte. Aber er tut es in besonderer Weise durch uns Priester, denn in uns möchte er den Menschen nahe sein, irgendwie "greifbar" sein.

Ich hoffe jeden Tag, dass ich immer mehr in diesen Auftrag hineinwachsen kann, damit ich wirklich zum Bindeglied zwischen Gott und den Menschen werden kann und nicht ein Hindernis in deren Beziehung darstelle. In diesem Sinne möchte ich mit dem Heiligen Franz von Assisi beten:

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht; dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt; dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten: nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen, und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.