Sonntag, 25. März 2012

Technik und Geisteswissenschaften?

Soweit ich mich erinnern kann, war ich eigentlich immer von Maschinen und Technik begeistert. Aus diesem Grunde habe ich damals im Kollegium auch den Typus C (Mathematik und Naturwissenschaften gewählt). Als kleiner Junge träumte ich immer davon, Lokführer zu werden. Ich verbrachte in meiner Freizeit viele Stunden auf dem Bahnhof und mit der Modellbahn. Als ich mir dann auf dem "Bildungshügel" in Brig mühsam die Matura erkämpfte, wollte ich bereits im wahrsten Sinne des Wortes "höher hinaus" – als Pilot wohlbemerkt, was mir übrigens auch einige Bemerkungen in der Maturaagenda einbrachte... Ich hatte auch schon die erste Zulassungsprüfung zur fliegerischen Vorschulung erfolgreich hinter mich gebracht, als mich das Grounding der Swissair mit den damit verbundenen schlechten Berufsaussichten aus den gedanklichen Höhenflügen wieder auf den Boden der Wirklichkeit brachte.

So besuchte ich dann im Maturajahr verschiedene Universitäten und Hochschulen, wobei ich mit der ETH Zürich begann. Ich konnte mich aber nicht für eine bestimmte Studienrichtung entscheiden. Zudem wollte ich viel lieber mit Menschen zu tun haben als mit Maschinen. So entschied ich mich schlussendlich fürs Medizinstudium. Dies hatte für mich viele Vorteile: Ich war mit Menschen zusammen, konnte aber dennoch in den ersten beiden Jahren mein Interesse an den Naturwissenschaften vertiefen. Zudem spielt in der heutigen Medizin die Technik ebenfalls eine wichtige Rolle.

Wie sieht es aber denn in der Theologie oder der Seelsorge mit der Technik aus? Das Theologie-Studium gehört ja bekanntlich zu den Geisteswissenschaften. Zählen da für den zukünftigen Seelsorger nicht ganz andere Werte? Sicherlich, ein Priester sollte primär ganz andere Fähigkeiten und Eigenschaften aufweisen. Dass er dabei aber auch technisch begabt sein kann, habe ich schon bei vielen Priestern festgestellt. Ein kleines Beispiel gefällig?

Ich erinnere mich noch gut an ein Gespräch mit alt-Pfarrer Alois Venetz (1931-2002), der damals nach seiner Pension in unserer Pfarrei regelmässig Gottesdienste übernahm. Ich staunte als junger Primarschüler und Ministrant nicht schlecht, als mir dieser "alte Mann" erzählte, wie er Computer-Programm schrieb, um beispielsweise den Sonnenauf- und untergang zu berechnen.

Seither habe ich noch viele andere Priester kennen gelernt, die ein spezielles "Flair" für die Technik haben. Hier im Seminar in Paris lebe ich mit mehreren diplomierten Ingenieuren zusammen, die sich nun für den Weg zum Priestertum entschieden haben. Die Technik hat auch in der Seelsorge ihren Platz gefunden – zur Freude oder zum Leid der Beteiligten. Denn ohne Technik geht heutzutage halt fast nichts mehr. Ein bisschen schmunzelt musste ich dann aber trotzdem, als ein "technophiler" Priester sein Handy liebevoll seinen "persönlichen Sklaventreiber" nannte...

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