Montag, 26. November 2012

Gottes Spuren in unserem Leben...

Vor einigen Tagen war ich gerade damit beschäftigt, einen Text für die Zeitschrift unseres Priesterseminars zu übersetzen. Da wurde mir wieder einmal so richtig bewusst, wie sehr unser Leben in Gottes Händen liegt, wenn wir das zulassen. Manchmal erscheint uns unser Leben wie eine Achterbahnfahrt, voller Tempo und mit unzähligen Wechseln zwischen Hochs und Tiefs; manchmal rauscht unser Leben im Eilzugtempo vorbei, und wir sind uns gar nicht bewusst, wie schnell sich alles ändert...

"Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben", sagt ein altes Sprichwort. Das ist mir beim Übersetzen dieses Textes wieder in den Sinn gekommen. Beim genannten Text handelt es um den Lebenslauf eines Mitseminaristen, der nun Anfang Dezember zum Diakon geweiht wird. Ich war so beeindruckt und gerührt, dass sich eine kleine Freudenträne löste. Es ist einfach wunderbar, wenn man an seinen Mitmenschen so deutlich das Handeln Gottes spürt und zugleich in ihnen die Bereitschaft erkennt, Gottes führende Hand zu ergreifen, um ihr Leben ganz in den Dienst Gottes und der Mitmenschen zu stellen.

Schön ist es, zusammen mit solchen Mitbrüdern den Weg zu Gott und den Menschen hin zu wagen. Sie sind für mich Bruder und Vorbild. Zugleich sind sie wie ein Spiegelbild, das mir sagt, dass auch ich auf diesem Weg bin, und Gott auch auf meinen krummen Linien gerade schreiben kann! Daran habe ich mich wieder erinnert, als ich vor ein paar Tagen auf Pilgerreise durch die Zentralschweiz war. Denn dort war für mich vor über sieben Jahren der entscheidende Moment auf meinem Berufungsweg, sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bis zu diesem Zeitpunkt verging damals aber noch einige Zeit.

Während dem oft sehr stressigen Medizinstudium wurde mir immer mehr klar, dass mir etwas fehlte. Neben dem täglichen Besuch der Messe, von dem ich hier vor ein paar Monaten bereits geschrieben habe, suchte ich ebenfalls nach Gebeten für den Alltag. Also begab ich mich in die theologische Buchhandlung und suchte dort nach Gebetsbüchern. Irgendwie bin ich dann auf das "Kleine Stundenbuch" gestossen und habe mir dieses Buch gekauft. Dies entspricht einer etwas "abgespeckten" Version des Breviergebets, das die Priester und Ordensleute, aber auch viele engagierte Laien täglich beten. Das war mir zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewusst. Aber ich hatte gefunden, wonach ich suchte: Ein Buch mit Gebeten für jeden Tag.

So versuchte ich in den folgenden Tag, mich in diesen Gebeten zurecht zu finden, was sich nicht immer als so einfach herausstellte. Da gab es Hymnen, Psalmen, Cantica, Antiphone, Orationen und vieles mehr. Und irgendwie schien das Gebet für den Samstag Abend zu fehlen, dafür gab es zwei für den Sonntag Abend?! Wer sich ein bisschen mit dem Brevier auskennt, wir sich beim Lesen dieser Zeilen ein Lächeln wohl nicht verkneifen können. Wer zuvor aber noch nie ein Brevier in den Händen gehabt hat und nun alleine versucht, sich zu orientieren, der kann mir vielleicht ein bisschen nachfühlen...

Irgendwie klappte es trotz regelmässigem Gebrauch nicht so richtig mit dem Brevier, bis ich eines Tages nach einer Wallfahrt nach Einsiedeln beim Hinausgehen einen Blick auf den Zeitschriftenständer warf. Dort erblickte ich ein kleines Büchlein mit dem Titel "Magnificat – Das Stundenbuch", das sofort meine Aufmerksamkeit zu wecken vermochte, denn ich kannte ja bereits das "Kleine Stundenbuch". Ich habe mir dieses Büchlein genauer angeschaut und wurde mir bewusst, dass dies genau das war, was ich immer gesucht hatte: Ein Gebetsbuch für jeden Tag, immer wieder mit neuen Texten, einfach zu beten und mit Erklärungen zu den Lesungen der Messfeier. Sofort habe ich mir dieses monatlich erscheinende Gebetsbuch abonniert und damit gebetet, bis ich später im Priesterseminar das "grosse" Stundenbuch benutzt habe.

So hat Gott in mir immer wieder das Bedürfnis nach ihm geweckt – und immer wieder Wege gezeigt, wie ich dieses Bedürfnis stillen konnte. Was gibt's schöneres, als ein liebender Gott, der auf solch' liebenswürdige und sanfte Art und Weise uns immer näher zu sich zieht, um uns eines Tages voll und ganz in seine liebenden Arme aufzunehmen?!