Nun ist er also gekommen, der grosse der Tag der Heiligsprechung der
beiden Päpste, Johannes XXIII und Johannes Paul II. Mir bedeutete dieser Tag
viel, denn das Ende der irdischen Pilgerschaft von Johannes Paul II am 2. April
2005 um 21.37 Uhr war gleichsam der Beginn meiner Berufung, wie ich hier
schon einmal beschrieben habe.
Neun Jahre später war ich nun endlich Priester, wie ich mir das
schon so lange gewünscht hatte. Wie konnte ich diesen besonderen Tag der
Heiligsprechung besser würdigen als dadurch, dass ich genau das tat, was ganz
wesentlich zum Priesteramt gehört? So feierte ich am Vormittag in zwei verschiedenen
Pfarreien mit den Gläubigen die Heilige Messe. Und am Nachmittag beschenkte
mich der Heilige Papst, der den Barmherzigkeitssonntag eingeführt hatte, ganz
besonders im Beichtstuhl. Es waren so ergreifende Momente.
Jedes Mal, wenn ich im Namen Gottes die Lossprechungsformel sprach,
musste ich aufpassen, dass es mir nicht die Stimme verschlug. „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den
Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den
Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden.“ – Das war es, was ich eine
Woche zuvor (zum ersten Mal als Priester mit den Gläubigen) an den drei
Heiligen Tagen feiern konnte.
„Durch den Dienst der
Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche dich los von deinen
Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“
Wenn ich daran dachte, dass Gott den Beichtenden nun wirklich all
ihre Sünden verziehen hatte, die sie vor ihn gebracht hatten, und ihnen so
wieder einen Neuanfang schenkte, so kamen mir fast die Freudentränen. Und oft
spürte ich richtig, wie diese Personen dann erleichtert den Beichtstuhl
verliessen. Welch’ grosses Geschenk! Es ist so schön, in solchen Momenten
Werkzeug Gottes zu sein. Nicht, dass die Vergebung mein Werk wäre, aber ich
darf dabei sein bei diesem wunderbaren Geschehen Gottes – der Offenbarung
seiner Barmherzigkeit.