Sonntag, 29. Dezember 2013

Die Herberge unseres Herzens

Es ist schon eine Zeit her, dass ich mich hier letztmals zu Wort gemeldet habe. Inzwischen war einiges los und ich kam nicht so sehr zum Schreiben. Nach der Priesterweihe und der Primiz am zweiten respektive dritten Adventssonntag habe ich am vierten Adventssonntag meine erste Stelle als Vikar angetreten. An Weihnachten habe ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit alleine - d.h. ohne Konzelebranten - die Messe gefeiert. Am Anfang ist es schon etwas ungewohnt. Vor allem, weil ich nun sozusagen in eine neue Rolle geschlüpft bin: Denn angefangen habe ich vor fast zwanzig Jahren als Messdiener. Später war ich als Lektor und Kommunionhelfer tätig und im letzten halben Jahr verrichtete ich meinen Dienst in der Liturgie als Diakon.

Gerade die Weihnachtsmesse war für mich ganz speziell und sehr eindrücklich. Wenn ich mir vorstelle, dass ich Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, in jeder Messfeier in der Hand halten kann und den Gläubigen in der Kommunion austeilen darf, so ist das etwas grossartiges. Ich freute mich sehr, mit so vielen Gläubigen die Messe feiern zu dürfen.

Zugleich fühle ich mich aber oft auch etwas wehmütig an diesen grossen Festtagen. Denn viele dieser Gläubigen werde ich vermutlich im Laufe des Jahres nicht mehr sehr oft sehen. Ich erinnere mich dann häufig an den Bibelvers aus dem Buch der Offenbarung: "Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir." (Off 3,20) Das kleine Jesuskind in der Krippe wartet sozusagen vor der Türe unseres Herzens und möchte bei uns eintreten. Werden wir ihm öffnen, damit es einen Platz bekommen kann bei uns, in unseren Herzen, auch nach Weihnachten?

Ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, damit wir auch während dem Jahr die Türen geöffnet halten für Gott und die Mitmenschen. "Aprite le porte a Cristo" - dieses Motto, das ich für meine Primiz gewählt habe, möge auch noch im Laufe des neuen Jahres wie ein Echo in den Herzen der Gläubigen widerhallen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern von ganzem Herzen ein frohes und gesegnetes neues Jahr, gute Gesundheit, viel Glück und Freude und viele schöne Stunden und segensreiche Begegnungen!!


Montag, 9. Dezember 2013

Das erste Mal...

Lange habe ich mich darauf vorbereitet, nun gehört der grosse Tag der Priesterweihe bereits der Vergangenheit an. Für mich war es eine unglaublich tiefe und emotionale Erfahrung. Ich glaube, wenn mir nun auf der Strasse jemand begegnen würde und sagen würde, dass es gar keinen Gott gibt, so würde ich ihm vermutlich nur mit einem sanften Lächeln antworten: "Doch, ich bin ihm begegnet...!!"

Gestern in der Priesterweihe habe ich zum ersten Mal an der Seite des Bischofs am Altar die Wandlungsworte gesprochen. Nächsten Sonntag werde ich dann in meiner Heimatgemeinde die Primiz - das heisst die erste Messfeier, welcher ich als Hauptzelebrant vorsteht - feiern. Spezielle liturgische Vorgaben gibt es im Gegensatz zum Weihegottesdienst für die Primiz eigentlich nicht. Im Laufe der Jahre haben sich jedoch lokal verschieden Bräuche und Traditionen gebildet.

So beginnt die Feier meistens mit einem festlichen Kirchenzug vom Elternhaus zur Pfarrkirche oder zu dem Ort, wo die Messe gefeiert wird. Es folgte der Festgottesdienst, der im wahrsten Sinne des Wortes „Eucharistie“ sein soll, das heisst übersetzt „Danksagung“. Das gemeinsame eucharistische Mahl soll die Verbundenheit und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Der Priester ist ja nicht Priester für sich selbst, sondern für seine Mitmenschen.

Üblicherweise predigt der Neupriester in der Primiz nicht selber, sondern überlässt diese Aufgabe einem Priester, der in seiner Berufungsgeschichte eine wichtige Rolle spielte oder der ihn während seiner Ausbildung begleitet hat.

Die Eucharistiefeier endet mit dem feierlichen Primizsegen, für den einige Gläubige einen weiten Weg auf sich genommen haben. Denn eine alte Volksweisheit sagt: „Eine Primiz ist es wert, dafür ein Paar Schuhsohlen durchzulaufen.“

Die Festlichkeiten im Anschluss der Eucharistiefeier finden ihren Abschluss am späteren Nachmittag in einer Dankesandacht, die oft in Form eines Abendgebets (Vesper) mit einer kurzen Anbetung und Spendung des eucharistisches Segens endet.

Samstag, 7. Dezember 2013

Priesterweihe

Ich kann es immer noch kaum glauben, dass ich morgen Sonntag zum Priester geweiht werde. Ich freue mich riesig darauf. Zugleich macht sich länger je mehr auch eine gewisse Nervosität breit. Werde ich den kommenden Anforderungen gerecht werden? Wie werde ich meine Aufgaben erfüllen können? Weshalb hat Gott genau mich ausgewählt, wenn er doch objektiv betrachtet so viele besser geeignete Leute zur Verfügung hätte?

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Apostel damals ähnliche Fragen gestellt haben. Es wird wohl für uns Menschen immer ein Geheimnis bleiben, weshalb Jesus beispielsweise den einfachen Fischer Simon Petrus als Apostel ausgewählt hat. Und doch können wir darauf vertrauen, dass Jesus genau wusste, wen er sich ausgewählt hat. Das gibt auch mir Mut für die Zukunft. Denn Gott wird schon wissen, weshalb er mich in seine Nachfolge berufen hat.

So ist es mir eine Freude, euch alle morgen Sonntag, den 8. Dezember 2013 um 15.00 Uhr in der Kathedrale von Sitten ganz herzlich zur Priesterweihe und zum anschliessenden Apéro einzuladen!