Unser Glaube ist etwas Wunderbares. Oft sind wir uns dessen wahrscheinlich gar nicht so richtig bewusst. Je mehr wir selber die Erfahrung machen können, wie wertvoll uns dieser Glaube ist und wie spürbar nahe uns Gott ist, desto schwerer ist es zu verstehen, dass unsere Mitmenschen sich gar nicht mehr um ihren Glauben kümmern oder uns Christen sogar auslachen.
Was der Glaube bewirken kann, haben wir letzten Sonntag im Evangelium gehört: "Geh! Dein Glaube hat dir geholfen." – woraufhin der blinde Bartimäus seine Augen öffnet und wieder sehen kann. An einer anderen Stelle wird uns berichtet, dass der Glaube sogar Berge versetzen kann. Ja, der Glaube kann wahrlich viel bewirken. Der Glaubende ist sich bewusst, dass Gott allmächtig ist, d.h. dass er alle Kraft im Himmel und auf Erden hat. Er weiss auch, dass Gott wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter für uns sorgt und dass er uns hilft, wenn wir ihn darum bitten.
Ein junger Familienvater spazierte einmal mit seinem vierjährigen Sohn am Strand entlang. Plötzlich blieb der Junge stehen, blickte zu seinem Vater empor, strahlte ihn an und sagte: "Papa, Armji näh." Und der Vater nahm ihn auf den Arm und trug ihn nach Hause. — Diese Direktheit des Kindes zu seinem Vater mag uns als Beispiel dienen, wie wir zu Gott beten können. Er ist unser aller Vater, wie Jesus uns dies gelehrt hat.
Vielleicht war es auch diese Erfahrung der Geborgenheit in Gottes Arm, die mich vor mehr als sieben Jahren dazu brachte, ins Priesterseminar einzutreten. Damals hatte ich gerade drei Jahren Medizinstudium in Fribourg absolviert, als Gott mich Schritt für Schritt näher zu sich herangezogen hat. Einige von euch mögen sich sicherlich noch daran erinnern: 2005 war das Gebetsjahr für geistliche Berufe. Mich faszinierte das Motto dieses Jahres: "Gott und den Menschen nahe – Priester sein im Volk Gottes." Diese Mittlerfunktion zwischen Gott und den Menschen war in meinen Augen die schönste Aufgabe, die man sich vorstellen kann. Auch heute noch bin ich davon überzeugt und freue mich ungemein, dass ich nun nach Abschluss des Studiums den letzten Schritt auf dem Weg zum Priestertum in Angriff nehmen kann.
Ich stelle mir vor, dass es eine unglaublich grossartige Erfahrung sein muss, wenn man als Priester "in persona Christi", das heisst an der Stelle von Christus zusammen mit den Gläubigen die Eucharistie feiern kann. Und wenn dann durch die Wandlungsworte des Priesters die Hostie zu Christi Leib und der Wein zu Christi Blut wird und der allmächtige und grosse Gott in der Hostie ganz klein wird und so jedem einzelnen bei der Kommunion ganz nahe ist, so gibt es doch nichts Schöneres auf dieser Welt! Oder wenn der Priester im Sakrament der Beichte in Christi Namen den Menschen von allen Sünden lossprechen kann, was gibt es da noch Grösseres? Deshalb freue ich mich so sehr auf diese Tätigkeit als Priester im Volk Gottes.
Hebr 5,1-6 erinnert uns daran, dass es Gott ist, der die Menschen in seine besondere Nachfolge als Priester beruft. Nicht wir selber sind es, sondern Gottes Gnade kommt unsere Entscheidung für diesen Weg zuvor. Deshalb bin ich überzeugt, dass Gott unser Gebet um neue Priester sicher auch erhören wird. Er ist es, der die Herzen der Menschen bewegen kann.
Ja, der Glaube kann wahrlich Grosses vollbringen, wie das der blinde Bartimäus erfahren hat. Dieses Vertrauen auf die Hilfe Gottes hat mich in den letzten sieben Jahren Studium durch manche stürmischen Zeiten sicher geleitet. Diesen Glauben an den einen wahren Gott, der für uns wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter sorgt, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern von ganzem Herzen.