Mittwoch, 23. Mai 2012

Wortwolke

Über so vieles möchte ich gerne schreiben, freudige Ereignisse aus der Vergangenheit teilen, in schönen Erinnerungen schwelgen. Aber momentan beherrscht nur eine einzige Datei all mein Denken und Tun: die Abschlussarbeit. In meinem Kopf ist es schon ganz wirr; da kommen auch mal die Wörter etwas durcheinander...

Dasselbe Phänomen habe ich vor einigen Wochen im Internet erlebt. Unter http://www.wordle.net/ kann der fündige Surfer und Künstler in spe sich richtig austoben und das Gewirr aus dem Kopf auf Papier, pardon, Bildschirm bringen. In einer freien Minute habe ich dies schon mal ausprobiert und aus den bisherigen Beiträgen dieses Blogs Wortwolken erstellen lassen. Was dabei herausgekommen ist, lässt sich hier begutachten. Ein Künstler bin ich leider nicht geworden, aber Spass macht’s allemal.

Obwohl die Anordnung der Wörter rein zufällig geschieht, widerspiegelt ihre Grösse die Häufigkeit ihres Vorkommens in den Beiträgen. Standardwörter werden übrigens vom Programm automatisch ausgefiltert. Ich bin jedenfalls froh, dass Gott auch in meinen Beiträgen an prominenter Stelle steht Smiley.

Wortwolke-1a

Wortwolke-1b

Wortwolke-2a

Wortwolke-2b

Donnerstag, 10. Mai 2012

Über Berge und Täler

Das Leben eines Seminaristen hat eigentlich sehr viel mit dem Wallis zu tun: Genauso wie in diesem schönen Bergkanton gibt es im Leben eines Seminaristen Höhen und Tiefen, Berge und Täler. Viele Bergsteiger berichten, dass sie in den Bergen und auf den Gipfeln das Gefühl haben, die Sorgen und Nöte unter sich zu lassen und Gott ein Stückchen näher zu sein.

Auch in der Bibel begegnen die Menschen Gott oft auf Bergen. Mose steigt auf den Berg, um mit Gott zu reden und Jesus zieht sich ebenfalls in die Berge zurück um zu beten. Die berühmte Verklärung des Herrn, bei der Jesus den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes in leuchtendem Licht erscheint, fand ebenfalls auf einem Berge statt: dem Tabor (vgl. Mt 17,1-13).

Wer einmal auf einem Berg war, der weiss, dass man auch auf dem schönsten Berg mit der allerschönsten Aussicht nicht ewig bleiben kann. Auch der beeindruckendste Sonnenauf- oder -untergang ist irgendwann einmal vorbei und die Zeit kommt, um wieder ins Tal hinunter zu steigen. "Der Alltag hat uns wieder", und damit beginnen oft die Sorgen und Probleme von neuem, die man beim Aufstieg hinter sich zu lassen glaubte. Hatte man eben noch einen wunderbaren Aus- und Überblick, wird der Weitblick bald einmal wieder durch die Berge versperrt.

Oft geht es mir im Leben ähnlich. Es braucht zwar immer wieder Überwindung, um die schöne Aussicht auf dem Gipfel gegen die Alltagssorgen einzutauschen. Und doch war mir bereits beim Aufstieg bewusst, dass es mir vergönnt sein wird, ewig auf dem Gipfel zu bleiben. So gilt es, die Zeit auf dem Gipfel zu geniessen. Gestärkt durch die eindrückliche Gipfelerfahrung fällt es mir dann einfacher, die Schwierigkeiten im Alltag durchzustehen.

Wer nun beim Lesen gedacht hat, ich spreche aus eigener Erfahrung von echten, hohen Bergen, die ich bezwungen habe, der überschätzt leider meine sportlichen Fähigkeiten. Dennoch gibt es auch in meinem Leben solche "spirituellen Gipfelerlebnisse", bei denen ich das Gefühl hatte, Gott ganz nahe zu sein. Wer nun denkt, ein Seminarist oder gar ein Priester schwebe immer "auf Wolke sieben", den muss ich leider auf den Boden der Realität zurückholen. Nein, auch wir sind ganz "normale Menschen" (wenn man überhaupt von "normal" sprechen kann, wenn jemand in der heutigen Zeit noch diesen Weg einschlägt J). Dennoch geben mir diese Gipfelerfahrungen immer wieder die Kraft, meinen Weg weiter zu gehen, denn sie sind für mich wie ein kleiner Vorgeschmack vom Himmel. Da lässt es sich auch leichter ertragen, wenn nach dem hohen Gipfel einmal ein finsteres Tal folgt, denn wie heisst es so schön im Psalm 23:

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. (Ps 23,4).

Von diesen Gipfelerfahrungen in meinem Leben möchte ich in den nächsten Beiträgen wieder einiges berichten...

Samstag, 5. Mai 2012

„Gott allein genügt...“

Die Heilige Theresia schreibt es (in ihrer Muttersprache Spanisch) folgendermassen:

Nada te turbe
nada te espante
quien a Dios tiene
nada le falta
Solo Dios basta.

Was auf Deutsch übersetzt heisst:

Lass Dich nicht ängstigen
lass Dich nicht quälen
Wer sich an Gott hält
dem wird nichts fehlen.
Gott allein genügt.

Ja, Gott allein genügt, um ein Leben zu erfüllen. Diese einfache Feststellung der Heiligen Teresa von Ávila scheint in der heutigen Zeit länger je weniger glaubwürdig zu sein. Wir sind mittlerweilen darauf spezialisiert, unser Leben auf alle möglichen Art und Weisen auszufüllen. Arbeit, Termine, ja sogar die Freizeit muss irgendwie ausgefüllt werden. In der Wirtschaft wird alles "hochgezüchtet" und auf Leistung optimiert. Wer nicht auf den fahrenden Zug der Zeit aufspringt, der bleibt tatenlos auf dem Bahnsteig stehen und kann nur noch den Rücklichtern des abfahrenden Zuges nachschauen.

Um einigermassen angenehm durchs Leben zu kommen, werden wir immer mehr zu "Konsumenten", welche im "Supermarkt des Lebens" nach Herzenslust einkaufen. In der Werbung werden unsere Bedürfnisse bewusst angesprochen und nach Möglichkeit hervorgehoben. So viele Dinge versprechen uns im Leben Genuss, Zufriedenheit, Genugtuung.

Ja, allzu oft habe ich diese Erfahrungen am eigenen Leib erlebt. Und zugleich bin ich immer wieder fasziniert von dieser radikalen Einfachheit der Hl. Theresia: "Gott allein genügt" – wie unendlich befreiend kann diese Erkenntnis für einen modernen Menschen sein! Die Wirklichkeit ist so komplex geworden, dass ich persönlich oft Mühe habe, alles "im Griff" zu behalten. Die modernen Kommunikationsmittel haben vieles vereinfacht, das ist unbestritten. Aber zugleich werden wir täglich von einer solchen Flut von Informationen überschwemmt, dass wir darin zu ertrinken drohen. "Gott allein genügt" – Das haben nehmen sich auch in unserer Zeit einige Menschen ganz besonders zu Herzen und treten in eine religiöse Gemeinschaft ein. Diesen Gemeinschaften leben oft nach der Regel der Armut. Sie wollen frei sein von den irdischen Dingen, um sich ganz dem geistlichen Leben hinzugeben. Sicherlich, das ist nicht jedem von uns so gegeben. Aber es kann uns zumindest nachdenklich stimmen. Was brauchen wir wirklich in unserem Leben. Was ist uns wichtig? Was benötigen wir, um glücklich zu sein?

Und vielleicht kommen einige wie Theresia von Avila zur Erkenntnis: "Solo Dios basta – Gott allein genügt." Vor allem wenn es so stressig zu und her geht wie jetzt gerade kurz vor Studienabschluss, versuche ich mir diese Worte bewusst zu Herzen zu nehmen. Ob es mir auch gelingt, sie im Alltag umzusetzen? Sicher nicht in dem Ausmass, wie ich es gerne möchte. Wenn ich dann am Abend merke, dass es wieder einmal nicht ganz so toll geklappt hat mit den guten Vorsätzen, erinnere ich mich an folgende Gedanken von Edith Stein:

Wenn die Nacht kommt und der Rückblick zeigt,
dass alles nur Stückwerk war
und vieles ungetan geblieben ist;
wenn so manches tiefe Beschämung und Reue weckt:
dann alles nehmen, wie es ist,
es in Gottes Hände legen und ihm überlassen.
So wird man in ihm ruhen können,
wirklich ruhen,
und den neuen Tag wie ein neues Leben beginnen.

Hl. Teresia Benedicta vom Kreuz (= Edith Stein)