Es gibt sie immer wieder, diese kurzen Momente, in denen die Zeit stehen zu bleiben scheint, in denen Gottes Nähe fast greifbar ist. Oft sind es von aussen betrachtet ganz unscheinbare Momente. Einen solchen Augenblick erlebte ich vor kurzem während den drei österlichen Tagen in meiner "Referenzpfarrei". Ich durfte zusammen mit dem Pfarrer die Kommunion austeilen. Da diese Liturgiefeier speziell auf Familien ausgerichtet war, waren auch erfreulich viele Kinder anwesend. Mit grosser Freude habe ich den jüngeren Kindern jeweils ein Kreuzchen auf die Stirn gemacht und dabei in strahlende Kinderaugen geschaut. Ein kleines Mädchen war besonders rührend. Es kam etwas schüchtern mit erhobenem Finger auf mich zu und sagte schon fast entschuldigend: "Ich habe leider noch keine Erstkommunion gehabt." Ich bückte mich zu ihr hinunter und antwortete ihr, dass dies nicht schlimm sei; Jesus habe sie fest lieb und segne sie, worauf ich ihr wie den anderen Kindern ein Kreuzchen auf die Stirn zeichnete. Sie schien darüber sehr glücklich zu sein und zog daraufhin mit der ebenfalls strahlenden Mutter an mir vorbei.
Beim Austeilen der Hl. Kommunion wird mir oft bewusst, was eigentlich in der Messfeier geschieht. Es erfüllt mich jedes Mal mit grosser Freude, wenn ich als beauftragter Akolyth (sozusagen "Helfer des Diakons und des Priesters", v.a. beim Dienst am Altar) den versammelten Gläubigen den "Leib Christi" weiterschenken darf. Wenn man sich bewusst wird, welch grosses Geschenk man den Mitmenschen als Stärkung mit in den Alltag geben kann, ist das ein unbeschreibliches Gefühl. Jesus Christus, der sich beim Letzten Abendmahl seinen Jüngern hingegeben hat, der für uns am Kreuz gestorben ist und der an Ostern auferstanden ist, ist in dieser unscheinbaren, kleinen Hostie gegenwärtig (real präsent, was wir eben "Realpräsenz" nennen). Es sind diese unscheinbaren Momente wie hier beim Austeilen der Hl. Kommunion, in denen Gottes Gegenwart unglaublich direkt spürbar ist.
Dieses Gefühl hat auf meinem Berufungsweg auch eine nicht unscheinbare Rolle gespielt. Denn mehr oder weniger "per Zufall" habe ich in dem Jahr vor meinem Studienwechsel an einem Kommunionhelfer-Vorbereitungskurs teilgenommen. Und zwar hat mich der damalige Generalvikar (oder besser gesagt seine Sekretärin) gebeten, ihnen bei der Umstellung von klassischen Folien auf eine Powerpoint-Präsentation für diesen Kurs behilflich zu sein. Um auch beim Anschliessen des Beamers behilflich zu sein und bei allfälligen technischen Problemen direkt helfen zu können, habe ich ebenfalls an diesem Kurs teilgenommen und bin so Kommunionhelfer geworden.
Diese Gefühle und Erlebnisse beim Austeilen der Hl. Kommunion haben in mir das Verlangen geweckt, eines Tages selber als Priester die Wandlungsworte sprechen zu können, die im Rahmen des Hochgebets in der Eucharistiefeier ein Stück Brot in den Leib Christi zu verwandeln vermögen.
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