Nun ist es wieder da, das lang ersehnte Osterfest. Nach den langen
vierzig Tagen der Fastenzeit sind wir nun mitten in der österlichen
Freudenzeit. Das Osternest wurde gefunden, die Ostereier gegessen und der
Osterhase zumindest schon angeknabbert. In den Geschäften werden die letzten
süssen Ostergeschenke bald schon zu Rabattpreisen angeboten und demnächst ganz
verschwinden, bis zum nächsten Jahr. Damit wäre dieses Kapitel wieder einmal
abgehakt für die nächsten rund 10 Monate – oder etwa doch nicht?
Im Christentum dauert die Osterzeit noch länger an. Ein Tag oder gar
eine Woche reichen nicht, um dieses grosse Ereignis richtig zu erfassen und
gebührend zu feiern. So feiert die Kirche sieben mal sieben plus einen Tag
Ostern. Die Osterzeit endet damit mit dem Pfingstfest, auf griechisch „pentekoste“ („fünfzigster Tag“).
Insgesamt dauert die Freude von Ostern also länger als die gesamte Fastenzeit! Und
auch dies scheint noch nicht genug zu sein, denn jeden Sonntag während des
ganzen Jahres wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, jeweils wie ein
kleines „Wochenostern“. Weshalb wird denn diesem Osterfest eine solch grosse
Bedeutung zugemessen?
Das ist eine berechtigte Frage. Die Antwort dazu betrifft den Kern
unseres christlichen Glaubens. Was wäre wohl passiert, wenn Jesus nicht von den
Toten auferstanden wäre? Vermutlich wäre der christliche Glaube früher oder
später sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden. Nun existiert das
Christentum aber seit mehr als 2'000 Jahren und wird wohl nicht so schnell
untergehen. Denn die Auferstehung von den Toten ist nicht bloss ein frommes
Märchen, eine Legende oder Erzählung, sondern eine Realität, die alles
übersteigt, was hier auf Erden existiert. Die Auferstehung ist gleichsam eine
Türe zur Ewigkeit, ein direkter Zugang zu Gott selbst.
Wenn wir nun Ostern feiern, so geschieht dies in der Vorfreude auf
das ewige Leben bei Gott. Ostern ist für mich, wie wenn man durch die leicht
geöffnete Türe des Himmels einen Blick auf die ewige Glückseligkeit werfen kann
– ein Glück, das auf dieser Welt nicht zu finden ist.
Dieses Wissen um das ewige Leben bei Gott, um das Wiedersehen mit
unseren lieben verstorbenen Angehörigen, um ein Leben in einer Welt voller
Liebe und Frieden vermag so viel Kraft und Mut zu schenken, dass Menschen
bereit waren, ihr Leben als Märtyrer für diese Glaubensüberzeugungen zu opfern.
Jetzt wird vielleicht auch verständlich, weshalb die Kirche diesem Osterfest so
viel Gewicht verleiht.
Vor fast acht Jahren war ich bei einem religiösen Jugendfestival. Eines Abends wurde das Leben Jesu von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Musical aufgeführt. Das berührte mich ganz besonders. Nicht nur, weil sie ihre Aufgabe sehr gut verrichteten, sondern weil mir bewusst wurde: Alles, was uns hier präsentiert wird, ist mehr oder weniger vor 2'000 Jahren so geschehen. Das war für mich ein weiterer wichtiger Meilenstein in dem ereignisreichen Jahr 2005, als Gott mich durch viele kleinere und grössere Ereignisse länger je mehr zu sich hin zog, bis ich schliesslich mit ganzem Herzen ein freies und herzliches "Ja" zu meiner Berufung sagen konnte.
Die Osterhasen werden vergehen, die Osterdekorationen wieder
verschwinden. Hoffentlich bleibt jedoch etwas von dieser grossartigen Erfahrung
in unseren Herzen zurück, ein kleiner Einblick in die himmlische Welt, der uns
im Alltag wieder neue Kraft und neuen Mut zu schenken vermag.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine frohe und gesegnete
Osterzeit!!