Sonntag, 31. März 2013

Auch der beste Osterhasen wird vergehen...

Nun ist es wieder da, das lang ersehnte Osterfest. Nach den langen vierzig Tagen der Fastenzeit sind wir nun mitten in der österlichen Freudenzeit. Das Osternest wurde gefunden, die Ostereier gegessen und der Osterhase zumindest schon angeknabbert. In den Geschäften werden die letzten süssen Ostergeschenke bald schon zu Rabattpreisen angeboten und demnächst ganz verschwinden, bis zum nächsten Jahr. Damit wäre dieses Kapitel wieder einmal abgehakt für die nächsten rund 10 Monate – oder etwa doch nicht?
Im Christentum dauert die Osterzeit noch länger an. Ein Tag oder gar eine Woche reichen nicht, um dieses grosse Ereignis richtig zu erfassen und gebührend zu feiern. So feiert die Kirche sieben mal sieben plus einen Tag Ostern. Die Osterzeit endet damit mit dem Pfingstfest, auf griechisch „pentekoste“ („fünfzigster Tag“). Insgesamt dauert die Freude von Ostern also länger als die gesamte Fastenzeit! Und auch dies scheint noch nicht genug zu sein, denn jeden Sonntag während des ganzen Jahres wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, jeweils wie ein kleines „Wochenostern“. Weshalb wird denn diesem Osterfest eine solch grosse Bedeutung zugemessen?
Das ist eine berechtigte Frage. Die Antwort dazu betrifft den Kern unseres christlichen Glaubens. Was wäre wohl passiert, wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden wäre? Vermutlich wäre der christliche Glaube früher oder später sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden. Nun existiert das Christentum aber seit mehr als 2'000 Jahren und wird wohl nicht so schnell untergehen. Denn die Auferstehung von den Toten ist nicht bloss ein frommes Märchen, eine Legende oder Erzählung, sondern eine Realität, die alles übersteigt, was hier auf Erden existiert. Die Auferstehung ist gleichsam eine Türe zur Ewigkeit, ein direkter Zugang zu Gott selbst.
Wenn wir nun Ostern feiern, so geschieht dies in der Vorfreude auf das ewige Leben bei Gott. Ostern ist für mich, wie wenn man durch die leicht geöffnete Türe des Himmels einen Blick auf die ewige Glückseligkeit werfen kann – ein Glück, das auf dieser Welt nicht zu finden ist.
Dieses Wissen um das ewige Leben bei Gott, um das Wiedersehen mit unseren lieben verstorbenen Angehörigen, um ein Leben in einer Welt voller Liebe und Frieden vermag so viel Kraft und Mut zu schenken, dass Menschen bereit waren, ihr Leben als Märtyrer für diese Glaubensüberzeugungen zu opfern. Jetzt wird vielleicht auch verständlich, weshalb die Kirche diesem Osterfest so viel Gewicht verleiht.
Vor fast acht Jahren war ich bei einem religiösen Jugendfestival. Eines Abends wurde das Leben Jesu von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Musical aufgeführt. Das berührte mich ganz besonders. Nicht nur, weil sie ihre Aufgabe sehr gut verrichteten, sondern weil mir bewusst wurde: Alles, was uns hier präsentiert wird, ist mehr oder weniger vor 2'000 Jahren so geschehen. Das war für mich ein weiterer wichtiger Meilenstein in dem ereignisreichen Jahr 2005, als Gott mich durch viele kleinere und grössere Ereignisse länger je mehr zu sich hin zog, bis ich schliesslich mit ganzem Herzen ein freies und herzliches "Ja" zu meiner Berufung sagen konnte.
Die Osterhasen werden vergehen, die Osterdekorationen wieder verschwinden. Hoffentlich bleibt jedoch etwas von dieser grossartigen Erfahrung in unseren Herzen zurück, ein kleiner Einblick in die himmlische Welt, der uns im Alltag wieder neue Kraft und neuen Mut zu schenken vermag.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine frohe und gesegnete Osterzeit!!