Donnerstag, 31. Juli 2014

Bruder Klaus als guter Ratgeber...

Es war vor ziemlich genau neun Jahren, gerade zu dieser Zeit irgendwann im August 2005. Ich war in Fribourg am Vorbereiten der grossen Jahresprüfungen vom zweiten Studienjahr des Medizinstudiums, welche ab dem 6. September begonnen hätten. Es kam mir vor, als wäre Sand im Getriebe. Die immer grösser werdende Müdigkeit war nicht sehr hilfreich für die Vorbereitungszeit vor den Prüfungen. In Gedanken war ich auch nicht voll bei der Sache, da ich nicht sicher war, ob ich wirklich mit dem Medizinstudium weiter fahren sollte. Der Verstand meinte Ja, das Herz jedoch zweifelte an der Richtigkeit dieser Entscheidung. Der Mut zu einem Wechsel fehlte mir aber noch. Hätte ich klar (oder besser gesagt klarer) gespürt, dass es Zeit ist für den Wechsel, so hätte ich wohl nicht so lange gezögert. Das sollte sich aber bald ändern.

Obere und untere Ranftkapelle.
Immer wieder ertappte ich mich beim Lernen, dass ich mir vorstellte, selber Priester zu sein. In Gedanken stellte ich mir vor, dass ich in der Bruder-Klaus-Kapelle unserer Pfarrei, in der ich so viele Jahre als Messdiener tätig war, als Priester am Altar stehen würde. Irgendwie hatte ich aber auch etwas Angst oder besser gesagt Respekt vor dem Theologie-Studium. Mein Glaube war ein gelebter Glauben, ein Glaube des Herzens, des Gebetes. Ich fürchtete mich davor, diesen Glauben im Studium dem Intellekt auszusetzen, ihn zu diskutieren, in Frage zu stellen etc. Ich wusste nun wirklich nicht mehr, was ich tun sollte. Eine zielgerichtete Vorbereitung der anstehenden Prüfungen schien unter diesen Umständen nicht mehr so leicht möglich. Irgendwo in den Begleit-Dokumenten des Jahres für Geistliche Berufe las ich, dass eine Möglichkeit der Entscheidungsfindung eine Wallfahrt zu Bruder Klaus wäre. So machte ich mich am 16. August 2005 auf die Reise nach Sachseln.


In der oberen Ranftkapelle, in der ich mein
Leben Revue passieren lassen konnte.
In Flüeli Ranft angekommen blieb ich lange Zeit in der Kapelle. Ich liess mein ganzes Leben vor dem inneren Auge Revue passieren und erkannte länger je mehr, wie sehr mich Gott begleitet hatte und meinen Weg immer mehr auf sich ausgerichtet hat. Zwischendurch betete ich jeweils eine Zeile Rosenkranz. Immer wieder hoffte, ja suchte ich richtiggehend nach einem Zeichen, das Gott mir als Antwort auf meine drängende Frage geben würde. Ich lauschte ganz intensiv, ob ich nicht eine Stimme hören würde. Nichts! Ich schlug mehrmals die Bibel an einer x-beliebigen Stelle auf, in der Hoffnung auf einen klärenden Satz. Wieder nichts! Ich las im Gästebuch und suchte insgeheim nach einem Hinweis Gottes. Immer noch nichts. Schliesslich habe ich, wenn ich mich recht entsinne, ein paar Zeilen in das Buch geschrieben. Nach einiger Zeit machte ich mich wieder auf den Weg, ohne eine konkrete Antwort gefunden zu haben. Schritt für Schritt stieg ich den steilen Weg hinauf nach Flüeli und dachte noch, dass man im Leben besser voran kommt, wenn man langsam und in kleinen Schritten vorwärts geht.

Mit dem Bus und anschliessend mit dem Zug fuhr ich nach Luzern. Da ich am Morgen noch keinen Gottesdienst besucht hatte, wollte ich dies nun in Luzern nachholen. Denn ich fand es komisch, dass ich zuvor praktisch jeden Tag zur Messe gegangen war und gerade an diesem Tag, an dem ich eine Entscheidung so sehr herbeisehnte, noch keine Messe mitgefeiert hatte.

So stand ich etwas nach fünf Uhr in Luzern am Bahnhof und wusste nicht, wo an diesem Abend in Luzern eine Messe gefeiert wurde. Aus meiner Kindheit kannte ich die Jesuitenkirche an der Reuss. So begab ich mich zu dieser Kirche und fand hinten in der Kirche auch eine Tafel, auf welcher alle Gottesdienste in der Region aufgeführt waren. Da stand, dass um 18.15 Uhr (?) in der Kirche St. Leodegar ein Gottesdienst stattfinden werde. Ich hatte jedoch zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wo sich diese Kirche befand. Das war noch lange vor dem grossen Smartphone-Zeitalter, zumindest was mich betrifft. So spazierte ich gemächlich zurück zum Bahnhof und war auf der Suche nach einem Tourismus-Büro, um nach den Weg zu fragen.

Als ich wieder zum Luzerner Hafenbecken kam, da erklangen die Glocken einer Kirche. Es waren die Glocken von St. Leodegar! Dank dem Geläut dieser Glocken fand ich schliesslich den Weg in die Kirche St. Leodegar, wo eine Messe gefeiert wurde. Und während dieser Messe sollte ich die so lange ersehnte Antwort erhalten. Denn im Evangelium wurde eine Passage aus dem Matthäus-Evangelium vorgelesen, in welcher Jesus seinen Jüngern auf die Frage nach ihrem Lohn antwortet: „Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19,29) 

Dieser Satz hat bei mir wie ein Blitz eingeschlagen. Nun war für mich auf einen Schlag alles klar, der Schleier hatte sich gelegt und die Antwort strahlte mir wie die Sonne entgegen. Was hatte ich noch zu befürchten? Weshalb sollte ich auch noch einen einzigen Augenblick zögern, das Medizinstudium abzubrechen und einen neuen Weg zu wagen? Wenn Jesus damals seinen Jüngern diese Zusage machte, so galt sie sicher auch heute noch für alle, die IHM nachfolgen wollten.

Erst später wies mich ein Priester darauf hin, dass dieses Evangelium auch am Gedenktag des Heiligen Bruder Klaus (am 25. September) gelesen wird. Da hatte ich also meine Antwort. Bruder Klaus – ein guter Ratgeber, damals wie heute!