Dienstag, 13. März 2012

Vom Ministrant zum Seminarist

Wenn ich mich recht erinnere, so bin ich in der vierten Primarschulklasse den Ministranten unserer Pfarrei beigetreten. Ich freute mich jeweils sehr auf diesen besonderen Dienst, den ich während der Messe ausüben durfte. Auch wenn ich damals den tieferen Sinn der verschiedenen Elemente der Messfeier nicht ganz verstand, übte die Liturgie auf mich eine besondere Faszination aus. Sie hat etwas Erhabenes, Festliches, Rhythmisches und Beruhigendes, ja vielleicht sogar etwas Zeremonielles an sich. Dabei ist sie dennoch kein Theater, keine blosse Schau, sondern eine tiefe innere Begegnung mit unserem Gott – dem grossen Gott, der sich klein macht, um im Leib und Blut Christi den Menschen ganz nahe zu sein. Natürlich würde sich hier nun theologisch eine ganze Abhandlung über die Eucharistiefeier aufdrängen, die jedoch dem eigentlichen Charakter dieser besonderen Liturgie nicht gerecht werden würde.

Diese Faszination für die Messfeier hat mich über die Jahre hinweg immer begleitet. So war ich insgesamt zehn Jahre im aktiven Ministrantendienst, die letzen drei als Leiter der Ministranten. Auch später habe ich immer wieder mit viel Freude aushilfsweise das Ministrantenkleid übergestreift. Im Herbst 2006 bat mich das Leiterteam, ein Vorwort für den "Ministranten Kurier" (unser Vereinsjournal) zu schreiben. Dieser Bitte kam ich gerne nach. Hier ein Ausschnitt aus dem Text:

"Liebe junge Freunde

Vor knapp 14 Jahren bin ich in die Ministranten eingetreten und habe diesen Schritt seither nie bereut. Im Gegenteil, damals hat mich das ‚Virus' befallen, dasselbe ‚Virus', das mich nun dazu gebracht hat, ins Priesterseminar einzutreten. Ich habe in meinem Leben gemerkt, wie nahe mir Gott ist.

Auch ihr seid Gott nahe. Wenn ihr am Altar steht und euren Dienst verrichtet, so seid ihr ganz nahe bei Gott. Und wenn ihr während der Wandlung vor dem Altar kniet, so erlebt ihr in jeder Messe ein grosses Wunder: die Hostie – das Brot – wird zum Leib von Christus, und der Wein wird zum Blut von Christus. Und wenn ihr dann die Kommunion empfangt, so ist Jesus in jedem von euch. Seht ihr, so seid auch ihr alle Jesus sehr nahe und er ist euch nahe. […]

Ich danke euch allen herzlich für euren Dienst und wünsche euch ebenso viel Freude, wie ich immer hatte, wenn ich am Altar dienen konnte!"

Viele Pfarreiangehörige und auch einige Mitglieder des Seelsorgeteams hatten wohl gehofft, dass dieser junge, fleissige Ministrant eines Tages ins Priesterseminar eintreten würde. Weshalb ich mich damals direkt nach der Matura nicht zu dieser Entscheidung durchringen konnte, werde ich in einem der nächsten Beiträge erläutern.

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