Sonntag, 11. März 2012

Eine Gemeinschaft die trägt

Bevor ich in den nächsten Beiträgen meinen Weg zum Priestertum von Beginn an noch einmal Revue passieren lasse werde, möchte ich aus aktuellem Anlass diesen Beitrag vorziehen. Im WB von vergangenem Freitag, den 9. März 2012 war auf Seite 11 ein Bericht über den Pastoralbesuch unseres Bischofs im Priesterseminar zu lesen. Darin schreibt er unter anderem, dass er in Givisiez eine "kleine, aber sehr sympathische Gemeinschaft" angetroffen habe. Mir ist es genau gleich ergangen, denn auch ich war "nur zu Besuch" in Givisiez, obwohl ich mich schon ab dem ersten Augenblick an wieder wie "zu Hause" fühlte. Denn wie einige vielleicht wissen, studiere ich zurzeit am Institut Catholique de Paris und wohne im Séminaire des Carmes, nachdem ich fast fünf Jahre lang in Givisiez war. Ich freue mich jedoch immer wieder von neuem auf ein Wiedersehen.

Wie wertvoll diese Gemeinschaft ist, habe ich in den letzten Jahren erfahren, als nicht immer alles rund lief. Die Wege zu Gott hin sind eben nicht immer breite Autobahnen, auf denen wir mit Höchstgeschwindigkeit Gott entgegen eilen können. Vielmehr sind Gottes Wege oft steinig, steil und beschwerlich. Denn wie heisst es im Lukas-Evangelium: "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach." (Lk 9,23). Und in diesen Zeiten ist es schön, "geistige Brüder" zu haben, die denselben Weg gehen, die einander wo immer es geht unterstützen, füreinander beten und Freud und Leid miteinander teilen. Ein Priester ist nie alleine Priester, sondern immer in Gemeinschaft (Communio) mit den anderen Priestern. Genauso sind Seminaristen trotz der geringen Anzahl nicht Einzelkämpfer auf verlorenem Posten. Vielmehr bietet das Seminar die wertvolle Gelegenheit einer Lebensgemeinschaft, die sich eben aus allen Bewohnern des Seminars zusammensetzt, "angefangen vom Regens bis hin zur Köchin und Hausfrau", wie Bischof Norbert Brunner im Artikel schreibt.

Schlussendlich zählt nicht nur die Gemeinschaft innerhalb des Seminars, denn wir leben dort ja nicht in einer "abgeschlossenen, geschützten und weltfremden" Umgebung. Vielmehr ist es auch wertvoll, mit den anderen zukünftigen Mitarbeitern des Bistums zusammen die Ausbildung an der Universität in Angriff zu nehmen. Nicht zuletzt durch die verschiedenen Praktika und durch den Kontakt mit der jedem Seminaristen zugeteilten Referenzpfarrei erleben wir bereits während dem Studium hautnah, was uns später im Alltag alles erwartet. Oft werden ich bei diesen Gelegenheiten von Pfarreiangehörigen angesprochen, die mir ihr Gebet zusichern – auch wieder eine Art Gemeinschaft die sich dadurch bildet und die wirklich trägt.

Der pastorale Besuch des Bischofs im Seminar zählt sicherlich zu den Höhenpunkten im Studienjahr. Denn bei dieser Gelegenheit teilt der Bischof während drei Tagen mit uns das Leben im Seminar, nimmt sich Zeit für Gespräche, ermuntert uns auf unserem Weg und erzählt uns aus seinem Alltag. Ein schönes Zeichen der Verbundenheit, womit sich der Kreis der Gemeinschaft(en) wieder schliesst. Ein Kreis, der in der kleinen Gemeinschaft des Seminars beginnt, übers Studium den Kontakt mit zukünftigen Mitarbeitern ermöglicht, über die Praktika und die Referenzpfarreien den Kontakt zu den Gläubigen und den Seelsorgern des Bistums führt und durch den Besuch des "Hirten unseres Bistums" wieder geschlossen wird. Wahrlich, eine Gemeinschaft die trägt!

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