Dienstag, 30. Oktober 2012

Geborgenheit in Gottes Arm...

Unser Glaube ist etwas Wunderbares. Oft sind wir uns dessen wahrscheinlich gar nicht so richtig bewusst. Je mehr wir selber die Erfahrung machen können, wie wertvoll uns dieser Glaube ist und wie spürbar nahe uns Gott ist, desto schwerer ist es zu verstehen, dass unsere Mitmenschen sich gar nicht mehr um ihren Glauben kümmern oder uns Christen sogar auslachen.

Was der Glaube bewirken kann, haben wir letzten Sonntag im Evangelium gehört: "Geh! Dein Glaube hat dir geholfen." – woraufhin der blinde Bartimäus seine Augen öffnet und wieder sehen kann. An einer anderen Stelle wird uns berichtet, dass der Glaube sogar Berge versetzen kann. Ja, der Glaube kann wahrlich viel bewirken. Der Glaubende ist sich bewusst, dass Gott allmächtig ist, d.h. dass er alle Kraft im Himmel und auf Erden hat. Er weiss auch, dass Gott wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter für uns sorgt und dass er uns hilft, wenn wir ihn darum bitten.

Ein junger Familienvater spazierte einmal mit seinem vierjährigen Sohn am Strand entlang. Plötzlich blieb der Junge stehen, blickte zu seinem Vater empor, strahlte ihn an und sagte: "Papa, Armji näh." Und der Vater nahm ihn auf den Arm und trug ihn nach Hause. — Diese Direktheit des Kindes zu seinem Vater mag uns als Beispiel dienen, wie wir zu Gott beten können. Er ist unser aller Vater, wie Jesus uns dies gelehrt hat.

Vielleicht war es auch diese Erfahrung der Geborgenheit in Gottes Arm, die mich vor mehr als sieben Jahren dazu brachte, ins Priesterseminar einzutreten. Damals hatte ich gerade drei Jahren Medizinstudium in Fribourg absolviert, als Gott mich Schritt für Schritt näher zu sich herangezogen hat. Einige von euch mögen sich sicherlich noch daran erinnern: 2005 war das Gebetsjahr für geistliche Berufe. Mich faszinierte das Motto dieses Jahres: "Gott und den Menschen nahe – Priester sein im Volk Gottes." Diese Mittlerfunktion zwischen Gott und den Menschen war in meinen Augen die schönste Aufgabe, die man sich vorstellen kann. Auch heute noch bin ich davon überzeugt und freue mich ungemein, dass ich nun nach Abschluss des Studiums den letzten Schritt auf dem Weg zum Priestertum in Angriff nehmen kann.

Ich stelle mir vor, dass es eine unglaublich grossartige Erfahrung sein muss, wenn man als Priester "in persona Christi", das heisst an der Stelle von Christus zusammen mit den Gläubigen die Eucharistie feiern kann. Und wenn dann durch die Wandlungsworte des Priesters die Hostie zu Christi Leib und der Wein zu Christi Blut wird und der allmächtige und grosse Gott in der Hostie ganz klein wird und so jedem einzelnen bei der Kommunion ganz nahe ist, so gibt es doch nichts Schöneres auf dieser Welt! Oder wenn der Priester im Sakrament der Beichte in Christi Namen den Menschen von allen Sünden lossprechen kann, was gibt es da noch Grösseres? Deshalb freue ich mich so sehr auf diese Tätigkeit als Priester im Volk Gottes.

Hebr 5,1-6 erinnert uns daran, dass es Gott ist, der die Menschen in seine besondere Nachfolge als Priester beruft. Nicht wir selber sind es, sondern Gottes Gnade kommt unsere Entscheidung für diesen Weg zuvor. Deshalb bin ich überzeugt, dass Gott unser Gebet um neue Priester sicher auch erhören wird. Er ist es, der die Herzen der Menschen bewegen kann.

Ja, der Glaube kann wahrlich Grosses vollbringen, wie das der blinde Bartimäus erfahren hat. Dieses Vertrauen auf die Hilfe Gottes hat mich in den letzten sieben Jahren Studium durch manche stürmischen Zeiten sicher geleitet. Diesen Glauben an den einen wahren Gott, der für uns wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter sorgt, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern von ganzem Herzen.

Montag, 24. September 2012

Bruder Klaus, unser Landespatron

Jedes Jahr am 25. September feiern wir unseren Landespatron, den Heiligen Bruder Klaus (1417-187). Wer kennt nicht sein berühmtes Gebet, das in wenigen Zeilen alles Wesentliche zum Ausdruck verbringen mag:

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.

Genauso schlicht wie diese Zeilen, war auch das Leben des Heiligen. Dabei war er stets für andere da, war ein guter Ratgeber und sogar Friedensstifter. Er hat sich so sehr aufs Wesentliche, auf Gott konzentriert, dass er sogar von der Heiligen Kommunion leben konnte und keine weiteren Nahrungsmittel mehr zu sich nahm. „Gott allein genügt“ – ähnlich, wie ich hier schon über die Heilige Theresa von Avila geschrieben habe.

Dieser heilige Mann, hat mein Leben mehr geprägt, als ich mir früher bewusst war. In meiner Heimatpfarrei gibt es eine Bruder-Klaus-Kapelle, in der wir zu meiner Primarschulzeit jede Woche die Schulmesse feiern konnten. Aber auch später noch durfte ich dort in den letzten rund 20 Jahren als Ministrant unzählige Male den Dienst am Altar verrichten.

So hat der Heilige Bruder Klaus wohl indirekt auch im Jahr vor meinem Wechsel vom Medizin- zum Theologiestudium viel zu dieser Entscheidung beigetragen. Denn in diesem Jahr – es war mittlerweile vor ziemlich genau acht Jahren – stellte ich mir in Gedanken während den Vorlesungen oft vor, wie ich selber als Priester in dieser Kapelle die Messe feiern würde. Als Messdiener kannte ich ja die Perspektive vom Altar aus sehr gut. Als Ministrantenleiter hatte ich auch einige Zeit lang mit den jungen Ministranten ihren Dienst eingeübt und dabei die Rolle des Priesters eingenommen. Ich traute mich jedoch nie, die Worte oder Gesten des Priesters zu verwenden, und beschränkte mich immer auf die „Regieanweisungen“ für die angehenden Messdiener.

Bruder-Klaus-Kapelle

Ich mag diesen liturgischen Raum sehr gerne. Vor allem seit der Kirchenrennovation Ende der Neunziger Jahre mit der verbesserten Beleuchtung hat die Kapelle nochmals an Charme gewonnen. Zugegeben, sie wirkt zwar im Gegensatz zu anderen „klassischen“ Kapellen etwas modern, ist aber dennoch meiner Ansicht nach ein sehr angenehmer Kirchenraum, der sogar über eine kleine Empore verfügt. Eigentlich ist es auch in gewissem Sinn eine Marien-Kapelle, denn die grossen farbigen Kirchenfenster hinter dem Chorraum zeigen Bruder Klaus, wie er mit Maria den Rosenkranz betet. In den beiden schmalen Teilen zu beiden Seiten des Hauptfensters sind die vier Marien-Wallfahrtsorte Lourdes, Fatima, La Salette und Paris dargestellt. An all diesen Orten war ich übrigens schon einmal. Denn auch Maria spielte in meiner Berufungsgeschichte eine besondere Rolle. Darüber, und wie Bruder Klaus auch bei mir ein guter Ratgeber war und sozusagen das letzte entscheidende Puzzle-Teilchen für meine Entscheidung lieferte, werde ich in einem späteren Beitrag berichte.

Wer Informationen zum Heiligen Bruder Klaus und dem Wallfahrtsort Flüeli Ranft sucht, findet unter http://www.bruderklaus.com/ viele hilfreiche Hinweise.

Montag, 27. August 2012

Hab‘ keine Angst, mit Gott zu sprechen

Rund einen Monat ist es nun her, dass ich den letzten Beitrag verfasst habe. Seither habe ich wieder sehr viel geschrieben – aber leider nicht für diesen Blog, sondern für meine letzten schriftlichen Arbeiten. Ja, das Studium neigt sich langsam dem Ende zu wie die Sonne, die immer tiefer ins geliebte Rhonetal sinkt, bis sie irgendwann hinter den Bergen verschwunden ist. Die goldenen Strahlen berühren sanft die Berge und Täler, die Weinberge und die Dörfer, bis dann irgendwann der Moment kommt und nur noch die Bergspitzen rötlich schimmern. Wer kann in solch‘ besinnlichen Augenblicken nicht an unseren Schöpfer denken und ihm von Herzen danken für alles, was er uns geschenkt hat?

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Ist es in solchen Situationen nicht naheliegend, dass wir zu Gott reden? Na ja, vielleicht nicht unbedingt mit ausgesprochenen Worten, aber zumindest innerlich. Und wie würden wir wohl erschrecken oder zumindest sehr erstaunt sein, wenn wir plötzlich seine Stimme hören könnten! Aber eigentlich, so absurd ist der Gedanke doch gar nicht. Wir Christen glauben ja fest daran, dass Gott uns hört, wenn wir zu ihm beten. Weshalb sollte er also nicht eines Tages antworten?

Auch wenn ich selber die Stimme Gottes so direkt noch nicht gehört habe, so bin ich dennoch überzeugt, dass Gott jeden Tag zu uns spricht. Genauso wie wir oft innerlich mit Gott reden, so antwortet er eben auch direkt in unser Herz. Deshalb hat der selige Papst Johannes Paul II in einer Ansprache zu Beginn seines Pontifikats am 22. Oktober 1978 gesagt: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus!“ Manchmal droht die Stimme Gottes wie ein leises Säuseln eben im Lärm unserer Zeit unterzugehen...

Weshalb ist es nun also so wichtig, Gott unser Herz zu öffnen, damit er zu uns sprechen kann? Hören wir dazu die Wort des seligen Papstes Johannes Paul II in seiner Ansprache:

„Heute weiss der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also – ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an –, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens, ja, des ewigen Lebens!“

Als ich noch im Medizinstudium war, habe ich eines Tages angefangen, persönliche Gebete aufzuschreiben. Meistens waren es spontane Gebete. Eben etwas, das ich Gott in dem Moment sagen wollte. Im Laufe der Jahre habe ich diese Gebete gesammelt. Und irgendwann kam mir dann die Idee, diese Gebete in einem Buch zu sammeln und zu veröffentlichen, was ich dann im Frühjahr 2009 auch getan habe. Die Gebete wollen dazu ermuntern, selbst mit einfachen Worten zu Gott zu sprechen.

Zum Abschluss und in gewissem Sinn auch als Rückblick auf die vergangenen Jahre möchte ich hier nun das letzte Gebet veröffentlichen, dass ich geschrieben habe:

Mein Vater, siehe, ich komme um Deinen Willen zu tun.
Ich weiss zwar noch nicht genau, was mich alles erwartet.
Aber eines bin ich mir sicher: dass Du immer bei mir bleiben wirst.
Deshalb nehme ich diesen Weg in Angriff und gehe mutig voraus,
in eine Zukunft, die ich nicht kenne.

Du aber, Herr, kennst alle meine Wege.
Du kanntest mich bereits, als ich noch nicht geschaffen war.
Was werde ich alles erleben auf meinem Weg?
Welche Hindernisse und Probleme werde ich antreffen?
Ich weiss es nicht.

Aber ich verspüre ein solch grosses Verlangen,
diesen Weg zu gehen,
dass ich nicht anders kann,
als vertrauensvoll einen Fuss vor den anderen zu setzen
und immer weiter voran zu gehen.

Je mehr ich über meine Berufung nachdenken,
desto mehr rede ich mir ein,
dass dies alles doch nicht wahr sein kann.
Warum ich? Weshalb hast Du einen solch schwachen,
hilflosen Menschen in Deine Nachfolge berufen?

Das wird wohl immer Dein Geheimnis bleiben,
bis ich Dich einst schauen werde
von Angesicht zu Angesicht.
Dann werde ich erkennen,
weshalb Du mich berufen hast.

Bis dahin traue ich Deiner Liebe,
die niemals trügt,
die so unendlich gross ist,
dass ich einfach nicht anders konnte,
als Deinem Ruf zu folgen.

Danke, Herr, Amen.

Sonntag, 22. Juli 2012

Mit meinem Gott überspringe ich Mauern...

Ja, lange ist's her, dass ich meinen letzten Beitrag geschrieben habe. Viele treue Leser haben sich vielleicht schon gefragt, ob mir wohl die Lust am Schreiben vergangen sei. Dem ist nicht so, doch andere Tätigkeiten haben mich in den letzten Wochen vom Schreiben abgehalten. Nach dem erfolgreichen Abschluss der Diplomarbeit standen bereits die Semesterprüfungen vor der Türe. Und als diese der Vergangenheit angehörten, wartete eine Philosophie-Arbeit darauf, endlich in Angriff genommen zu werden. Daneben hiess es langsam, die Koffer zu packen und meine "Zelte" in Paris abzubrechen. Als ich dann nach dem grossen Zügeln am letzten Juni-Wochenende wieder auf heimatlichem Boden stand, blieb mir kaum Zeit, um meine sieben Sachen zu packen, und in die "grünen Ferien" zu reisen. Diese Ferien hatten es in sich, denn sie fanden in Thun statt, genauer gesagt in der Kaserne des Waffenplatzes Thun... Und nun bin ich endlich wieder in der geliebten Heimat angekommen und kann mich ab nächster Woche frisch und erholt wieder in die Bücher vertiefen und über die Tasten meines Computers beugen, um die letzten schriftlichen Arbeiten zu vollenden – ganz nach dem Motto: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende... J

Gestern Samstag habe ich nun im WB mit grossem Interesse den Artikel von Pfarrer Eduard Imhof gelesen. Er spricht dort u.a. das Thema "Berufung" an, das ja auch eines der Hauptthemen dieses Blogs ist. In dem Text erwähnt er die Berufung des Elischa, welche ihn berührt und zum Nachdenken angeregt habe. Elischa, der alles stehen lässt und dem Ruf Gottes folgt, ist nicht der einzige, dem es so ergeht. Eine meiner Arbeiten, die ich in den nächsten Wochen noch beenden muss, handelt von der Berufung der ersten Jünger im fünften Kapitel des Evangeliums nach Lukas. Auch sie lassen die Boote und Netze am Strand liegen und folgen Jesus nach.

Nun könnte man erwidern, dass all diese Berufungsgeschichten schon sehr alt sind und heute alles anders ist. Ist dem wirklich so? Vielleicht ist eine Berufung nicht immer so spektakulär, wie man sich das manchmal vorstellt oder insgeheim erhofft. Vielleicht geht es einigen ähnlich wie mir (siehe dazu auch diesen Beitrag). Lange Zeit hatte ich auf ein klares Zeichen Gottes gewartet; etwas, das mir ganz klar gesagt hätte: "Komm' mit, Gott braucht Dich, er ernennt Dich zu seinem Mitarbeiter!" Oft kommt dieser Ruf aber nicht wie ein Sturm, mit viel Brausen und Getöse, sondern eher wie ein leises Säuseln, so wie bei Elija am Berg Horeb (vgl. 1 Kön 19). Er war eigentlich auf der Flucht, weil durch ihn Gottes Wirken und Macht offenbar geworden war, und man ihn nun töten wollte. Er war bereit, in der Wüste zu sterben. Müde und erschöpft, vielleicht auch deprimiert und ohne grosse Hoffnung legte er sich hin und schlief ein. Er wollte sein Leben in die Hände seines Schöpfers legen und sterben. Doch Gott schickte ihm einen Engel, der ihm Nahrung brachte für den weiteren Weg. So kam es dann auch zu dieser Begegnung mit Gott, der nicht im Sturm, Erdbeben oder Feuer kam, sondern im sanften, leisen Säuseln. Drei Dinge möchte ich hervorheben.

1) Elija war bereit, sein Leben in Gottes Hände zu legen. Gott lässt ihn nicht in der Wüste sterben, sondern schickt seinen Engel, der sich um ihn kümmert. Oft braucht es diesen Schritt, sein Leben vertrauensvoll in Gottes Hände zu legen, damit Gott Neues schaffen kann. Viele hundert Jahre nach Elija wird Jesus am Kreuz diese Worte sprechen: "Vater, in deine Hände lege ich meinen Geist." (Lk 23,46) Dieser Satz hat eine so grosse Bedeutung erhalten, dass er noch heute jeden Abend im Nachgebet der Kirche ("Komplet", vgl. Stundengebet) gebetet wird, damit er uns wirklich in Fleisch und Blut übergehen kann. Einige Jahre nach Christi Tod beschrieb Paulus im Brief an die Galater übrigens eine ähnliche Begebenheit, wie Elija sie erlebt hat: "Nicht mehr ich lebe, sondern Christus lebt in mir. Soweit ich aber jetzt noch in dieser Welt lebe, lebe ich im Glauben an den Sohn Gottes, der mich geliebt und sich für mich hingegeben hat." (Gal 2,20)

2) Wer sein Leben vertrauensvoll in Gottes Hände legt, der wird nicht enttäuscht werden; das kann ich aus eigener Erfahrung bezeugen. Oder anders ausgedrückt: "Gott ist treu", wie ich dies im letzten Beitrag beschrieben habe. Gott wird immer einen Engel schicken, der uns "Nahrung" gibt und uns auf unserem Lebensweg begleitet. Wenn wir diesen Engel auch nicht immer "sehen" oder er uns nicht immer vor unangenehmen Erfahrungen bewahrt, so können wir dennoch sicher sein, dass er sicher immer da ist. "Wir wissen, dass Gott bei denen, die ihn lieben, alles zum Guten führt, bei denen, die nach seinem ewigen Plan berufen sind." (Röm 8,28) So, wie ein kleines Kind eben erst lernen muss, dass es schmerzhaft sein kann, wenn man sich den Köpf stösst oder die Finger verbrennt. Wozu diese schmerzhafte Erfahrung gut sein soll, erkennt ein Kind in dem Moment wohl noch nicht. Aber auch bei grösseren Problemen im Alltag ist bedingungsloses Vertrauen in Gott Voraussetzung für gutes Gelingen. "Ich bin überzeugt, dass die Leiden der gegenwärtigen Zeit nichts bedeuten im Vergleich zu der Herrlichkeit, die an uns offenbar werden soll", (Röm 8,18) schreibt bereits der Hl. Paulus im Brief an die Gemeinde in Rom. Und er wird wohl wissen, wovon er spricht, wenn er schreibt: "Was kann uns scheiden von der Liebe Christi? Bedrängnis oder Not oder Verfolgung, Hunger oder Kälte, Gefahr oder Schwert?" (Röm 8,35) All dies hat er am eigenen Leib erlebt. Dennoch ist er Gott treu geblieben, denn er war sich ganz sicher: "Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn." (Röm 8,38-39)

3) Gott kommt im sanften, leisen Säuseln. Warum kommt er eigentlich nicht mit Pauken und Trompeten? Dann gäbe es vielleicht mehr Berufungen, oder vielleicht doch nicht? Ich bin eher der Ansicht, dass dieses bewusste Hören auf Gottes (leise) Stimme eine Voraussetzung ist, um auch später auf ihn zu hören. Denn auch nach der Berufung wird Gottes Stimme manchmal im Stress, in der Hektik, im Medienrummel und im Lärm der Welt unterzugehen drohen. "Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten." (Offb 3,20)

Auch ich habe lange Zeit gebraucht, um auf Gottes Stimme zu hören. Aber wie pflegt mein Spiritual gerne zu sagen: "Lieber eine lange Leitung als gar keine...!" Hätte mir jemand damals gesagt, dass es fast neun Jahre gehen würde bis zu meiner Priesterweihe, hätte ich sehr wahrscheinlich nicht den Mut gehabt, mich auf dieses Abenteuer einzulassen. Und dennoch habe ich es noch keine Sekunde bereut, diesen Weg eingeschlagen zu haben. Gott geht eben diesen Weg mit, und wenn es manchmal hart wird, so schenkt er immer wieder ein kleines Zeichen seiner Gegenwart.

An dieser Stelle möchte ich mich noch ganz herzlich bei allen bedanken, die mich in all den Jahren begleitet haben, sei dies durch aufmunternde Worte, durch freundliche Begegnungen oder durch Mittragen im Gebet. Nur so ist es möglich, diesen Weg zu gehen. Denn niemand wird Priester für sich selber, sondern immer für Gott und die Mitmenschen. "Gott und den Mitmenschen nahe – Priester sein im Volk Gottes" – dieses Motto des Gebetsjahres für geistliche Berufungen (2005) hat mich die letzten Jahre immer wieder begleitet. Und ich würde mich enorm freuen, wenn noch viele junge Männer diesen schönen Weg einschlagen würden, der zum Priestertum führt. Auch wenn der Weg manchmal mit Hindernissen gespickt ist, so bleibt doch immer die tiefe Überzeugung: "Mit dir erstürme ich Wälle, mit meinem Gott überspringe ich Mauern!!!" (Ps 18,30)

Mittwoch, 13. Juni 2012

Gott ist treu!

So vieles ist in den letzten Wochen geschehen – Erfreuliches und auch weniger Freudiges. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst: Gott ist treu – und bleibt uns immer treu, denn er kann gar nicht anders, wie wir im Timotheus-Brief nachlesen können:

"Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen." (2 Tim 2,11-13)

Das soll selbstverständlich kein Freibrief sein für jegliches Verhalten, sondern vielmehr eine aufmunternde und beruhigende Zusicherung des himmlischen Vaters. Das ist es, was das Leben so lebenswert macht trotz allen Problemen, Bedrängnissen und Schwierigkeiten. Wer sich entscheidet, Christus nachzufolgen – beispielsweise als Priesteramtskandidat, aber auch als Familienvater- oder Mutter, als Ordensfrau oder -mann oder auch als ledige Person – der kann nicht ein Leben in Saus und Braus erwarten. "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach." (Lk 9,23) Viele mögen davor zurückschrecken und kapitulieren. Ja, nach menschlichem Ermessen scheint die Last oft wahrlich zu schwer zu sein. Wer aber auf Gott vertraut, wird eine unglaubliche Kraft erhalten, um Schweres zu ertragen.

So ist es mir in den letzten Wochen ergangen. Was ich selber nicht für möglich gehalten hätte, habe ich durch Gottes Kraft und das Gebet vieler lieber Mitmenschen bereits ein stückweit geschafft. So habe ich beispielsweise meine rund achtzigseitige Diplomarbeit abgegeben und erfolgreich verteidigt. Seit heute gehören zwei mündliche Prüfungen ebenfalls der Vergangenheit an und wenn alles klappt, sind die letzten beiden Prüfungen nächste Woche ebenfalls überstanden.

Wer als Christ aber der Ansicht ist, wenn einmal eine Durststrecke überstanden sei, sei alles wieder in bester Ordnung, der wird wohl irgendwann entmutigt aufgeben. Wenn wir schon auf Erden den Himmel besitzen würden, wer möchte denn dann noch in den Himmel kommen? J Dies soll aber auch nicht ein blosses Vertrösten auf das Jenseits sein, denn wir leben im "Hier und Jetzt". Deshalb schenkt Gott uns auch die Kraft in diesem Leben, um unseren Weg weiter zu gehen, wenn wir auf ihn vertrauen. "Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Mt 28,20)

Der ehrwürdige Bruder Meinrad Eugster, ein Mönch des Klosters Einsiedeln, pflegte seine Mitbrüder mit folgendem Zitat zu ermutigen: "Oh habt nur Geduld, es geht alles vorüber, nur die Ewigkeit nicht." Die wenigsten wissen, dass dieser einfache Bruder, dessen Seligsprechungsprozess seit Jahren in Gang ist, meinem Leben ebenfalls eine entscheidende Wendung gab...

So bleibt mir für den Moment nur noch dieser eine Wunsch: "Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am grössten unter ihnen ist die Liebe." (1 Kor 13,13) Mögen diese drei unser Leben stets prägen und für andere so zum Zeichen werden für jenes Grössere, dass viele vergeblich in der Welt suchen und nicht finden.

Mittwoch, 23. Mai 2012

Wortwolke

Über so vieles möchte ich gerne schreiben, freudige Ereignisse aus der Vergangenheit teilen, in schönen Erinnerungen schwelgen. Aber momentan beherrscht nur eine einzige Datei all mein Denken und Tun: die Abschlussarbeit. In meinem Kopf ist es schon ganz wirr; da kommen auch mal die Wörter etwas durcheinander...

Dasselbe Phänomen habe ich vor einigen Wochen im Internet erlebt. Unter http://www.wordle.net/ kann der fündige Surfer und Künstler in spe sich richtig austoben und das Gewirr aus dem Kopf auf Papier, pardon, Bildschirm bringen. In einer freien Minute habe ich dies schon mal ausprobiert und aus den bisherigen Beiträgen dieses Blogs Wortwolken erstellen lassen. Was dabei herausgekommen ist, lässt sich hier begutachten. Ein Künstler bin ich leider nicht geworden, aber Spass macht’s allemal.

Obwohl die Anordnung der Wörter rein zufällig geschieht, widerspiegelt ihre Grösse die Häufigkeit ihres Vorkommens in den Beiträgen. Standardwörter werden übrigens vom Programm automatisch ausgefiltert. Ich bin jedenfalls froh, dass Gott auch in meinen Beiträgen an prominenter Stelle steht Smiley.

Wortwolke-1a

Wortwolke-1b

Wortwolke-2a

Wortwolke-2b

Donnerstag, 10. Mai 2012

Über Berge und Täler

Das Leben eines Seminaristen hat eigentlich sehr viel mit dem Wallis zu tun: Genauso wie in diesem schönen Bergkanton gibt es im Leben eines Seminaristen Höhen und Tiefen, Berge und Täler. Viele Bergsteiger berichten, dass sie in den Bergen und auf den Gipfeln das Gefühl haben, die Sorgen und Nöte unter sich zu lassen und Gott ein Stückchen näher zu sein.

Auch in der Bibel begegnen die Menschen Gott oft auf Bergen. Mose steigt auf den Berg, um mit Gott zu reden und Jesus zieht sich ebenfalls in die Berge zurück um zu beten. Die berühmte Verklärung des Herrn, bei der Jesus den drei Jüngern Petrus, Jakobus und Johannes in leuchtendem Licht erscheint, fand ebenfalls auf einem Berge statt: dem Tabor (vgl. Mt 17,1-13).

Wer einmal auf einem Berg war, der weiss, dass man auch auf dem schönsten Berg mit der allerschönsten Aussicht nicht ewig bleiben kann. Auch der beeindruckendste Sonnenauf- oder -untergang ist irgendwann einmal vorbei und die Zeit kommt, um wieder ins Tal hinunter zu steigen. "Der Alltag hat uns wieder", und damit beginnen oft die Sorgen und Probleme von neuem, die man beim Aufstieg hinter sich zu lassen glaubte. Hatte man eben noch einen wunderbaren Aus- und Überblick, wird der Weitblick bald einmal wieder durch die Berge versperrt.

Oft geht es mir im Leben ähnlich. Es braucht zwar immer wieder Überwindung, um die schöne Aussicht auf dem Gipfel gegen die Alltagssorgen einzutauschen. Und doch war mir bereits beim Aufstieg bewusst, dass es mir vergönnt sein wird, ewig auf dem Gipfel zu bleiben. So gilt es, die Zeit auf dem Gipfel zu geniessen. Gestärkt durch die eindrückliche Gipfelerfahrung fällt es mir dann einfacher, die Schwierigkeiten im Alltag durchzustehen.

Wer nun beim Lesen gedacht hat, ich spreche aus eigener Erfahrung von echten, hohen Bergen, die ich bezwungen habe, der überschätzt leider meine sportlichen Fähigkeiten. Dennoch gibt es auch in meinem Leben solche "spirituellen Gipfelerlebnisse", bei denen ich das Gefühl hatte, Gott ganz nahe zu sein. Wer nun denkt, ein Seminarist oder gar ein Priester schwebe immer "auf Wolke sieben", den muss ich leider auf den Boden der Realität zurückholen. Nein, auch wir sind ganz "normale Menschen" (wenn man überhaupt von "normal" sprechen kann, wenn jemand in der heutigen Zeit noch diesen Weg einschlägt J). Dennoch geben mir diese Gipfelerfahrungen immer wieder die Kraft, meinen Weg weiter zu gehen, denn sie sind für mich wie ein kleiner Vorgeschmack vom Himmel. Da lässt es sich auch leichter ertragen, wenn nach dem hohen Gipfel einmal ein finsteres Tal folgt, denn wie heisst es so schön im Psalm 23:

Muss ich auch wandern in finsterer Schlucht, ich fürchte kein Unheil; denn du bist bei mir, dein Stock und dein Stab geben mir Zuversicht. (Ps 23,4).

Von diesen Gipfelerfahrungen in meinem Leben möchte ich in den nächsten Beiträgen wieder einiges berichten...