Mittwoch, 13. Juni 2012

Gott ist treu!

So vieles ist in den letzten Wochen geschehen – Erfreuliches und auch weniger Freudiges. Dabei wurde mir wieder einmal bewusst: Gott ist treu – und bleibt uns immer treu, denn er kann gar nicht anders, wie wir im Timotheus-Brief nachlesen können:

"Das Wort ist glaubwürdig: Wenn wir mit Christus gestorben sind, werden wir auch mit ihm leben; wenn wir standhaft bleiben, werden wir auch mit ihm herrschen; wenn wir ihn verleugnen, wird auch er uns verleugnen. Wenn wir untreu sind, bleibt er doch treu, denn er kann sich selbst nicht verleugnen." (2 Tim 2,11-13)

Das soll selbstverständlich kein Freibrief sein für jegliches Verhalten, sondern vielmehr eine aufmunternde und beruhigende Zusicherung des himmlischen Vaters. Das ist es, was das Leben so lebenswert macht trotz allen Problemen, Bedrängnissen und Schwierigkeiten. Wer sich entscheidet, Christus nachzufolgen – beispielsweise als Priesteramtskandidat, aber auch als Familienvater- oder Mutter, als Ordensfrau oder -mann oder auch als ledige Person – der kann nicht ein Leben in Saus und Braus erwarten. "Wer mein Jünger sein will, der verleugne sich selbst, nehme täglich sein Kreuz auf sich und folge mir nach." (Lk 9,23) Viele mögen davor zurückschrecken und kapitulieren. Ja, nach menschlichem Ermessen scheint die Last oft wahrlich zu schwer zu sein. Wer aber auf Gott vertraut, wird eine unglaubliche Kraft erhalten, um Schweres zu ertragen.

So ist es mir in den letzten Wochen ergangen. Was ich selber nicht für möglich gehalten hätte, habe ich durch Gottes Kraft und das Gebet vieler lieber Mitmenschen bereits ein stückweit geschafft. So habe ich beispielsweise meine rund achtzigseitige Diplomarbeit abgegeben und erfolgreich verteidigt. Seit heute gehören zwei mündliche Prüfungen ebenfalls der Vergangenheit an und wenn alles klappt, sind die letzten beiden Prüfungen nächste Woche ebenfalls überstanden.

Wer als Christ aber der Ansicht ist, wenn einmal eine Durststrecke überstanden sei, sei alles wieder in bester Ordnung, der wird wohl irgendwann entmutigt aufgeben. Wenn wir schon auf Erden den Himmel besitzen würden, wer möchte denn dann noch in den Himmel kommen? J Dies soll aber auch nicht ein blosses Vertrösten auf das Jenseits sein, denn wir leben im "Hier und Jetzt". Deshalb schenkt Gott uns auch die Kraft in diesem Leben, um unseren Weg weiter zu gehen, wenn wir auf ihn vertrauen. "Seid gewiss: Ich bin bei euch alle Tage bis zum Ende der Welt." (Mt 28,20)

Der ehrwürdige Bruder Meinrad Eugster, ein Mönch des Klosters Einsiedeln, pflegte seine Mitbrüder mit folgendem Zitat zu ermutigen: "Oh habt nur Geduld, es geht alles vorüber, nur die Ewigkeit nicht." Die wenigsten wissen, dass dieser einfache Bruder, dessen Seligsprechungsprozess seit Jahren in Gang ist, meinem Leben ebenfalls eine entscheidende Wendung gab...

So bleibt mir für den Moment nur noch dieser eine Wunsch: "Für jetzt bleiben Glaube, Hoffnung, Liebe, diese drei; doch am grössten unter ihnen ist die Liebe." (1 Kor 13,13) Mögen diese drei unser Leben stets prägen und für andere so zum Zeichen werden für jenes Grössere, dass viele vergeblich in der Welt suchen und nicht finden.

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