Montag, 27. August 2012

Hab‘ keine Angst, mit Gott zu sprechen

Rund einen Monat ist es nun her, dass ich den letzten Beitrag verfasst habe. Seither habe ich wieder sehr viel geschrieben – aber leider nicht für diesen Blog, sondern für meine letzten schriftlichen Arbeiten. Ja, das Studium neigt sich langsam dem Ende zu wie die Sonne, die immer tiefer ins geliebte Rhonetal sinkt, bis sie irgendwann hinter den Bergen verschwunden ist. Die goldenen Strahlen berühren sanft die Berge und Täler, die Weinberge und die Dörfer, bis dann irgendwann der Moment kommt und nur noch die Bergspitzen rötlich schimmern. Wer kann in solch‘ besinnlichen Augenblicken nicht an unseren Schöpfer denken und ihm von Herzen danken für alles, was er uns geschenkt hat?

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Ist es in solchen Situationen nicht naheliegend, dass wir zu Gott reden? Na ja, vielleicht nicht unbedingt mit ausgesprochenen Worten, aber zumindest innerlich. Und wie würden wir wohl erschrecken oder zumindest sehr erstaunt sein, wenn wir plötzlich seine Stimme hören könnten! Aber eigentlich, so absurd ist der Gedanke doch gar nicht. Wir Christen glauben ja fest daran, dass Gott uns hört, wenn wir zu ihm beten. Weshalb sollte er also nicht eines Tages antworten?

Auch wenn ich selber die Stimme Gottes so direkt noch nicht gehört habe, so bin ich dennoch überzeugt, dass Gott jeden Tag zu uns spricht. Genauso wie wir oft innerlich mit Gott reden, so antwortet er eben auch direkt in unser Herz. Deshalb hat der selige Papst Johannes Paul II in einer Ansprache zu Beginn seines Pontifikats am 22. Oktober 1978 gesagt: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus!“ Manchmal droht die Stimme Gottes wie ein leises Säuseln eben im Lärm unserer Zeit unterzugehen...

Weshalb ist es nun also so wichtig, Gott unser Herz zu öffnen, damit er zu uns sprechen kann? Hören wir dazu die Wort des seligen Papstes Johannes Paul II in seiner Ansprache:

„Heute weiss der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also – ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an –, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens, ja, des ewigen Lebens!“

Als ich noch im Medizinstudium war, habe ich eines Tages angefangen, persönliche Gebete aufzuschreiben. Meistens waren es spontane Gebete. Eben etwas, das ich Gott in dem Moment sagen wollte. Im Laufe der Jahre habe ich diese Gebete gesammelt. Und irgendwann kam mir dann die Idee, diese Gebete in einem Buch zu sammeln und zu veröffentlichen, was ich dann im Frühjahr 2009 auch getan habe. Die Gebete wollen dazu ermuntern, selbst mit einfachen Worten zu Gott zu sprechen.

Zum Abschluss und in gewissem Sinn auch als Rückblick auf die vergangenen Jahre möchte ich hier nun das letzte Gebet veröffentlichen, dass ich geschrieben habe:

Mein Vater, siehe, ich komme um Deinen Willen zu tun.
Ich weiss zwar noch nicht genau, was mich alles erwartet.
Aber eines bin ich mir sicher: dass Du immer bei mir bleiben wirst.
Deshalb nehme ich diesen Weg in Angriff und gehe mutig voraus,
in eine Zukunft, die ich nicht kenne.

Du aber, Herr, kennst alle meine Wege.
Du kanntest mich bereits, als ich noch nicht geschaffen war.
Was werde ich alles erleben auf meinem Weg?
Welche Hindernisse und Probleme werde ich antreffen?
Ich weiss es nicht.

Aber ich verspüre ein solch grosses Verlangen,
diesen Weg zu gehen,
dass ich nicht anders kann,
als vertrauensvoll einen Fuss vor den anderen zu setzen
und immer weiter voran zu gehen.

Je mehr ich über meine Berufung nachdenken,
desto mehr rede ich mir ein,
dass dies alles doch nicht wahr sein kann.
Warum ich? Weshalb hast Du einen solch schwachen,
hilflosen Menschen in Deine Nachfolge berufen?

Das wird wohl immer Dein Geheimnis bleiben,
bis ich Dich einst schauen werde
von Angesicht zu Angesicht.
Dann werde ich erkennen,
weshalb Du mich berufen hast.

Bis dahin traue ich Deiner Liebe,
die niemals trügt,
die so unendlich gross ist,
dass ich einfach nicht anders konnte,
als Deinem Ruf zu folgen.

Danke, Herr, Amen.

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