Montag, 20. Oktober 2014

Die Freude des Evangeliums...

„Die Freude des Evangeliums“, so lautete das Thema der Wallfahrt für Kirchliche Berufe vor ein paar Wochen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass dieses Buch – die Bibel – für mein Leben so wichtig werden könnte! Aber mal schön der Reihe nach... 

Als kleines Kind habe ich gerne die Geschichten aus der Bibel gehört. Aber es waren eben irgendwie nur „Geschichten“. So wie man als Primarschüler auch nicht so recht realisiert, das alles, was wir im Geschichtsunterricht lernt, so auch passiert ist. 

Einen besonderen Zugang zum Evangelium oder der Bibel ganz allgemein bekam ich dann erst an der Uni. Ich war als Medizinstudent in Fribourg und ging oft am Abend nach den Vorlesungen zur Messe. Da die Messe jedoch auf Französisch war, habe ich nicht immer alles verstanden. Ich habe deshalb nach einer Lösung gesucht und das Schott-Messbuch gefunden, bei dem alle Lesungen im Kirchenjahr aufgeführt sind. Die Texte sind sogar im Internet verfügbar. Und das Gute daran: Vor der Lesung und dem Evangelium steht jeweils eine erklärende Einleitung. 

Schritt für Schritt begann ich immer mehr zu verstehen, was eigentlich mit den Geschichten und Gleichnissen gemeint war, was vielleicht auch „zwischen den Zeilen“ stand und mein Interesse war geweckt. Eigentlich müsste auf der Bibel stehen: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Pfarrer oder Vikar", denn die Bibel kann das Leben ganz schön verändern!

Durch viele kleinere und grössere Ereignisse hat mich Gott dann Schritt für Schritt auf einen neuen Weg gebracht. Immer wieder kam mir der Gedanke, wie es wäre, wenn ich nun Priester wäre. Mir fehlte jedoch der Mut, um nach drei Jahren Medizinstudium noch einmal von ganz von vorne zu beginnen. 

Ein wichtiger Moment war für mich, als ich im Sommer nach dem dritten Studienjahr beim Jugendfestival in Medjugorje war und bei einer Musical-Vorführung über das Leben von Jesus richtig realisiert, dass dies nicht nur eine Geschichte war, sondern wirklich passiert ist, dass Jesus wirklich gestorben und auferstanden war. 

Als ich wieder in der Schweiz war und mich auf die Herbstprüfungen des Medizinstudiums vorbereiten sollte, wusste ich wirklich nicht, ob ich nun mit Medizin weiterfahren sollte oder einen Wechsel ins Priesterseminar wagen sollte. So machte ich eine Wallfahrt nach Flüeli-Ranft zu unserem Landespatron, dem Heiligen Bruder Klaus. Er war damals ein guter Ratgeber, er sollte auch mir nun helfen. Ich betete lange Zeit in der Ranftkapelle und wartete auf irgend ein Zeichen, das mir helfen würde, mich zu entscheiden. Nichts! Ich betete den Rosenkranz, schlug die Bibel auf und suchte nach einem Satz, der mir eine Antwort geben würde. Wieder nichts! 

So machte ich mich irgendwann wieder auf den Weg nach Hause und wollte unterwegs in Luzern noch zur Messe gehen. Und als ich da in der Kirche war hörte, wie der Priester das Evangelium verkündete, da hörte ich die Worte aus dem Matthäus-Evangelium: „Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19,29) Dieser Satz schlug bei mir ein wie ein Blitz und auf ein Schlag war für mich vollkommen klar, welchen Weg ich gehen sollte. Erst habe ich gemerkt, dass dies dasselbe Evangelium ist, das am Festtag des Hl. Bruder Klaus gelesen wird...

Ein Satz aus dem Evangelium hat damals vor neun Jahren mein ganzes Leben vollkommen umgestellt – und hat Freude in mein Leben gebracht! Denn es gibt nichts Schöneres, als wenn man als Priester den Mitmenschen von Gott und seiner Liebe zu uns erzählen kann und dabei voll und ganz überzeugt sein kann, dass dies nicht nur Geschichten sind, sondern Wirklichkeit! Jede Woche, wenn ich die Sonntagspredigt vorbereite, staune ich von neuem, wie aktuell dieses Evangelium auch heute nach zweitausend Jahren noch ist und wie es uns helfen kann, gut durch unser Leben zu kommen und den Weg zu Gott zu finden. Möge diese Freude über das Evangelium auf uns alle überspringen und helfen, unseren Weg mit Gott zu gehen.

Donnerstag, 25. September 2014

Bruder Klaus, unser Landespatron...

Hier und hier habe ich schon über den Heiligen Bruder Klaus geschrieben. Er ist unser Landespatron, ein Friedensstifter und ein guter Ratgeber. Ich habe ja schon darüber geschrieben, wie wichtig er für meinen Berufungsweg war. Am Fest des Heiligen wollte ich ihm nun ein Gebet schreiben:


Lieber Bruder Klaus 

Vor mehr als neun Jahren hast Du auf mein Bitten gehört und hast mich auf den rechten Weg geführt. Man sagt von Dir, dass Du ein stiller, bescheidener Mann gewesen bist, der stets mit guten Ratschlägen seinen Mitmenschen geholfen hat. Zugleich brannte wohl Dein Herz vor Liebe zu Gott.

Als ich damals als einsamer Pilger zu Dir kam, um Rat zu erbitten, da hast Du mir geduldig zugehört. Und als ich schon dachte, mit leeren Händen von dannen ziehen zu müssen, hast Du mir auf Deine liebevolle und bescheidene Art dennoch einen Rat gegeben, der mich mitten ins Herz getroffen hat.

„Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19,29) Wie hätte ich bei diesen trostvollen Worten noch zögern können? 

Ich bin mir sicher, dass Du mich auch in den vergangenen Jahren durch Dein fürbittendes Gebet treu begleitet hast. Hab Dank dafür! Hilf mir, dass ich nach Deinem Beispiel und Vorbild immer mehr Gottes Willen mir zu eigen machen und mein Leben vertrauensvoll in seine Hände legen kann, wie Du es vorgelebt hast.

Hilf mir, mich von allen irdischen Dingen zu lösen, die mich daran hindern, mich ganz Gott hinzugeben. Und bitte Gott um seine Gnade, damit ich lerne, mich in Geduld zu üben und immer mehr auf ihn vertrauen und weniger auf mich selbst und meine eigenen Fähigkeiten.

Ein herzliches Dankeschön für alles, was Du mir bereits geholfen hast und für alle Gnaden, die Du für mich bereits bei Gott erbeten hast!


In lieber Verbundenheit

Samstag, 30. August 2014

Gott und den Menschen nahe...

... Priester sein im Volk Gottes! - Das war das Motto vom Gebetsjahr für Geistliche Berufe anno 2005, als ich mich entschied, ins Priesterseminar einzutreten. Wenn ich heute gefragt würde, was das Besondere am Priestersein ist, so würde ich vermutlich mit diesem Zitat antworten: Gott und den Menschen nahe zu sein!

Das gilt zwar nicht exklusiv für den Priesterberuf, jedoch in ganz besonderer Weise. Den Menschen nahe sein können alle, die das wollen. Auch viele soziale Berufe sind dazu prädestiniert. So ich denke da besonders auch an die Pflegeberufe und alle, die in irgendeiner Art und Weise im Dienst der Mitmenschen stehen.

Auch Gott nahe sein können nicht nur wir Priester. Denn viele Heilige waren ganz "gewöhnliche" Gläubige. Die Kirche könnte wohl ohne die Hilfe vieler Helfer nicht bestehen. Ich würde auch niemals behaupten, dass ich Gott näher bin, als jemand anders. Aber es ist dennoch eine so ganz besondere Erfahrung, wenn ich Jesus Christus in den Händen halten kann, ja wenn er durch die Feier der Eucharistie mitten unter uns gegenwärtig wird!

Bei meiner Arbeit werde ich mir jeden Tag bewusst, dass ich nicht Priester für mich selber bin. Ich bin es nicht, um ein Selbstdarsteller zu sein; ich bin es nicht um meine eigenen Bedürfnisse zu decken, sondern ich bin es im Auftrag Christi und der Kirche für die Menschen. Deshalb fühle ich mich auch irgendwie wie ein Bindeglied zwischen Gott und den Menschen. Nicht, dass Gott nicht direkt zu den Menschen sprechen könnte. Aber er tut es in besonderer Weise durch uns Priester, denn in uns möchte er den Menschen nahe sein, irgendwie "greifbar" sein.

Ich hoffe jeden Tag, dass ich immer mehr in diesen Auftrag hineinwachsen kann, damit ich wirklich zum Bindeglied zwischen Gott und den Menschen werden kann und nicht ein Hindernis in deren Beziehung darstelle. In diesem Sinne möchte ich mit dem Heiligen Franz von Assisi beten:

O Herr, mach mich zu einem Werkzeug deines Friedens, dass ich Liebe übe, wo man hasst; dass ich verzeihe, wo man beleidigt; dass ich verbinde, wo Streit ist; dass ich die Wahrheit sage, wo der Irrtum herrscht; dass ich den Glauben bringe, wo der Zweifel drückt; dass ich die Hoffnung wecke, wo Verzweiflung quält; dass ich Licht entzünde, wo die Finsternis regiert; dass ich Freude bringe, wo der Kummer wohnt.

Herr, lass mich trachten: nicht, dass ich getröstet werde, sondern dass ich tröste; nicht, dass ich verstanden werde, sondern dass ich verstehe; nicht, dass ich geliebt werde, sondern dass ich liebe.

Denn wer da hingibt, der empfängt; wer sich selbst vergisst, der findet; wer verzeiht, dem wird verziehen, und wer stirbt, der erwacht zum ewigen Leben.

Donnerstag, 31. Juli 2014

Bruder Klaus als guter Ratgeber...

Es war vor ziemlich genau neun Jahren, gerade zu dieser Zeit irgendwann im August 2005. Ich war in Fribourg am Vorbereiten der grossen Jahresprüfungen vom zweiten Studienjahr des Medizinstudiums, welche ab dem 6. September begonnen hätten. Es kam mir vor, als wäre Sand im Getriebe. Die immer grösser werdende Müdigkeit war nicht sehr hilfreich für die Vorbereitungszeit vor den Prüfungen. In Gedanken war ich auch nicht voll bei der Sache, da ich nicht sicher war, ob ich wirklich mit dem Medizinstudium weiter fahren sollte. Der Verstand meinte Ja, das Herz jedoch zweifelte an der Richtigkeit dieser Entscheidung. Der Mut zu einem Wechsel fehlte mir aber noch. Hätte ich klar (oder besser gesagt klarer) gespürt, dass es Zeit ist für den Wechsel, so hätte ich wohl nicht so lange gezögert. Das sollte sich aber bald ändern.

Obere und untere Ranftkapelle.
Immer wieder ertappte ich mich beim Lernen, dass ich mir vorstellte, selber Priester zu sein. In Gedanken stellte ich mir vor, dass ich in der Bruder-Klaus-Kapelle unserer Pfarrei, in der ich so viele Jahre als Messdiener tätig war, als Priester am Altar stehen würde. Irgendwie hatte ich aber auch etwas Angst oder besser gesagt Respekt vor dem Theologie-Studium. Mein Glaube war ein gelebter Glauben, ein Glaube des Herzens, des Gebetes. Ich fürchtete mich davor, diesen Glauben im Studium dem Intellekt auszusetzen, ihn zu diskutieren, in Frage zu stellen etc. Ich wusste nun wirklich nicht mehr, was ich tun sollte. Eine zielgerichtete Vorbereitung der anstehenden Prüfungen schien unter diesen Umständen nicht mehr so leicht möglich. Irgendwo in den Begleit-Dokumenten des Jahres für Geistliche Berufe las ich, dass eine Möglichkeit der Entscheidungsfindung eine Wallfahrt zu Bruder Klaus wäre. So machte ich mich am 16. August 2005 auf die Reise nach Sachseln.


In der oberen Ranftkapelle, in der ich mein
Leben Revue passieren lassen konnte.
In Flüeli Ranft angekommen blieb ich lange Zeit in der Kapelle. Ich liess mein ganzes Leben vor dem inneren Auge Revue passieren und erkannte länger je mehr, wie sehr mich Gott begleitet hatte und meinen Weg immer mehr auf sich ausgerichtet hat. Zwischendurch betete ich jeweils eine Zeile Rosenkranz. Immer wieder hoffte, ja suchte ich richtiggehend nach einem Zeichen, das Gott mir als Antwort auf meine drängende Frage geben würde. Ich lauschte ganz intensiv, ob ich nicht eine Stimme hören würde. Nichts! Ich schlug mehrmals die Bibel an einer x-beliebigen Stelle auf, in der Hoffnung auf einen klärenden Satz. Wieder nichts! Ich las im Gästebuch und suchte insgeheim nach einem Hinweis Gottes. Immer noch nichts. Schliesslich habe ich, wenn ich mich recht entsinne, ein paar Zeilen in das Buch geschrieben. Nach einiger Zeit machte ich mich wieder auf den Weg, ohne eine konkrete Antwort gefunden zu haben. Schritt für Schritt stieg ich den steilen Weg hinauf nach Flüeli und dachte noch, dass man im Leben besser voran kommt, wenn man langsam und in kleinen Schritten vorwärts geht.

Mit dem Bus und anschliessend mit dem Zug fuhr ich nach Luzern. Da ich am Morgen noch keinen Gottesdienst besucht hatte, wollte ich dies nun in Luzern nachholen. Denn ich fand es komisch, dass ich zuvor praktisch jeden Tag zur Messe gegangen war und gerade an diesem Tag, an dem ich eine Entscheidung so sehr herbeisehnte, noch keine Messe mitgefeiert hatte.

So stand ich etwas nach fünf Uhr in Luzern am Bahnhof und wusste nicht, wo an diesem Abend in Luzern eine Messe gefeiert wurde. Aus meiner Kindheit kannte ich die Jesuitenkirche an der Reuss. So begab ich mich zu dieser Kirche und fand hinten in der Kirche auch eine Tafel, auf welcher alle Gottesdienste in der Region aufgeführt waren. Da stand, dass um 18.15 Uhr (?) in der Kirche St. Leodegar ein Gottesdienst stattfinden werde. Ich hatte jedoch zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wo sich diese Kirche befand. Das war noch lange vor dem grossen Smartphone-Zeitalter, zumindest was mich betrifft. So spazierte ich gemächlich zurück zum Bahnhof und war auf der Suche nach einem Tourismus-Büro, um nach den Weg zu fragen.

Als ich wieder zum Luzerner Hafenbecken kam, da erklangen die Glocken einer Kirche. Es waren die Glocken von St. Leodegar! Dank dem Geläut dieser Glocken fand ich schliesslich den Weg in die Kirche St. Leodegar, wo eine Messe gefeiert wurde. Und während dieser Messe sollte ich die so lange ersehnte Antwort erhalten. Denn im Evangelium wurde eine Passage aus dem Matthäus-Evangelium vorgelesen, in welcher Jesus seinen Jüngern auf die Frage nach ihrem Lohn antwortet: „Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19,29) 

Dieser Satz hat bei mir wie ein Blitz eingeschlagen. Nun war für mich auf einen Schlag alles klar, der Schleier hatte sich gelegt und die Antwort strahlte mir wie die Sonne entgegen. Was hatte ich noch zu befürchten? Weshalb sollte ich auch noch einen einzigen Augenblick zögern, das Medizinstudium abzubrechen und einen neuen Weg zu wagen? Wenn Jesus damals seinen Jüngern diese Zusage machte, so galt sie sicher auch heute noch für alle, die IHM nachfolgen wollten.

Erst später wies mich ein Priester darauf hin, dass dieses Evangelium auch am Gedenktag des Heiligen Bruder Klaus (am 25. September) gelesen wird. Da hatte ich also meine Antwort. Bruder Klaus – ein guter Ratgeber, damals wie heute!

Montag, 30. Juni 2014

Der Mensch denkt...

... Und schon wieder ist ein Monat vorbei! Es mag wohl dem einen oder anderen aufgefallen sein, dass meistens gegen Ende Monat ein neuer Post erscheint. Eigentlich nehme ich mir immer vor, schon früher zu schreiben oder auch mehr als ein Post pro Monat. Aber meistens kommt es anders, als man denkt. Man könnte auch sagen: "Der Mensch denkt, und Gott lenkt!"

Dieses Zitat passt eigentlich wunderbar zum heutigen Thema, über das ich schreiben wollte. Denn wie oft hat sich das bei mir damals bewahrheitet! Schon damals, als ich zunächst Pilot werden wollte - und auf einmal fand ich mich als Medizinstudent wieder. Und dann wollte ich Arzt werden - und plötzlich war ich im Priesterseminar. Eigentlich schon komisch, wenn ich das so im Rückblick betrachte. Aber im Nachhinein hatte ich nie das Gefühl, dass Gott mir vorschreiben wollte, welchen Weg ich gehen sollte. Aber es hat sich einfach immer so gefügt.

Übrigens ging das auch später im selben Stil weiter. Anfangs Studium sagte ich immer, dass ich nie ein Auslandjahr machen möchte. Es hat mich dann ins Institut Catholique de Paris verschlagen - und plötzlich war ich noch ein zweites Jahr in Paris, obwohl ich ja eigentlich gar kein Jahr im Ausland sein wollte. Und es war sehr gut so.

Auch am Ende des Studiums erging es mir ähnlich. Es brauchte zwar einige Geduld, bis alles im Reinen war, aber schliesslich kam es trotz einiger Hindernisse viel besser, als ich selber das hätte planen können. Das Pastoraljahr im Tal mit den zwei "ss" und zwei "aa" im Namen war für mich eine echte Bereicherung und eine wunderbare Erfahrung.

Und nun in meiner ersten Stelle als Vikar ergeht es mir nicht anders. Oft mache ich Pläne, bereite etwas vor - und dann kommt es trotzdem anders, aber immer auf eine positive Art und Weise! Und die Lehre aus der Geschichte? Bei Gott gibt es immer eine (positive) Überraschung. Oder etwas theologischer ausgedrückt: Wer sein Leben vertrauensvoll in Gottes Hände legt, den wird er nicht enttäuschen! Auch wenn nicht immer alles so verläuft, wie man sich das selber vorstellt, so kommt es doch immer besser, als wenn man selber planen würde.

Diese Erkenntnis kann auch eine gewisse Gelassenheit bewirken. Ich muss nicht immer alles alleine machen. Denn so wäre ich bald einmal überfordert. Wenn ich aber weiss, dass da jemand "im Hintergrund" da ist, der meinen Weg lenkt, der er gut mit mir meint und mein Leben zu einem guten Ende führt, so kann ich viel gelassener meinen Weg gehen und brauche nicht ständig Angst zu haben, dass ich etwas falsch mache oder etwas verpassen würde.

Der Mensch denkt, und Gott lenkt. Gott lenkt unseren Weg zu einem guten Ende hin. Aber ganz ohne "Denken" funktioniert es dann auch wieder nicht ;-)

Samstag, 31. Mai 2014

Wind kannst Du nicht sehen...

„1. Wind kannst Du nicht sehen;
ihn spürt nur das Ohr
flüstern oder brausen wie ein mächt’ger Chor.

2. Geist kannst du nicht sehen;
doch hör, wie er spricht,
tief im Herzen Worte voller Trost und Licht.

3. Wind kannst du nicht sehen;
aber, was er tut:
Felder wogen, Wellen wandern in der Flut.“
(KG 231)

Wind kann man nicht sehen, aber die Auswirkungen des Windes, so wie im Gewitter in der Nacht von Donnerstag auf Freitag. Wind kann man nur „sehen“ wenn beispielsweise die Bäume schwanken, oder wenn man den Wind im Gesicht spürt.

So ist es auch mit dem Heiligen Geist. Ich habe in meinem Leben oft das Wirken des Heiligen Geistes gespürt, besonders bei den Prüfungen an der Universität. Es ist praktisch immer alles gut gegangen. Mit gutem Gewissen und ganz ehrlich kann ich aber dazu sagen, dass dies oft zu einem grossen Teil nicht mein eigener Verdienst gewesen ist.

Einmal lag ich in der Woche vor den Prüfungen vier Tage mit Grippe im Bett und konnte nur sehr wenig vorbereiten. Am Tag vor der Prüfung entstand noch ein organisatorisches Problem; Da verlor ich nochmals wertvolle Vorbereitunszeit. Doch irgendwie war mein Vertrauen auf Gottes liebende Hilfe dadurch noch gewachsen.

In den mündlichen Prüfungen spürte ich dann ganz intensiv das Wirken des Heiligen Geistes. In der ersten Prüfung zog ich aus 6 Fragekarten genau jene, die ich am besten vorbereitet hatte. In der zweiten Prüfung liess mich der Professor zum Teil gar nicht aussprechen und stellte recht hektisch immer wieder neue Fragen. Ich war ganz erstaunt, wie schnell ich sprechen konnte. Obwohl ich gar noch nicht wusste, was ich sagen wollte, fiel mir nach ein paar allgemeinen Einleitungssätzen jeweils genau das ein, was der Professor hören wollte. Im Lukasevangelium steht der schöne Satz: „Denn der Heilige Geist wird euch in der gleichen Stunde eingeben, was ihr sagen müsst.“ (Lk 12,12) Genauso ist es mir ergangen.

In der dritten Prüfung hätte ich ein Buch von ca. 180 Seiten lesen sollen, was mir zeitlich nicht reichte. Ich hatte nur ein paar Seiten Zusammenfassung von einem Kollegen und die Hälfte der Kapitel gelesen. Bei der Prüfung hätte ich eigentlich 7 min über die Vorlesung und 7 min über das Buch reden sollen. Über das Buch hätte ich aber maximal 2 min sprechen können, da ich ja nur die Hälfte gelesen hatte. Der Professor stelle aber dann bis kurz vor Schluss der Prüfung nur Fragen zur Vorlesung, nicht aber zum Buch. Ich weiss heute noch nicht, ob er den zweiten Teil der Prüfung einfach vergessen hatte oder ob da zünftig der Heilige Geist am Werk war. Ich denke, es war wohl der Heilige Geist ;-) Auch bei den weiteren Prüfungen ging es immer wieder ähnlich wie bei diesen hier.

So hat Gott mir immer wieder gezeigt, dass ich nicht auf mich alleine vertrauen muss. Ich war Gott für seine Hilfe von ganzem Herzen dankbar, denn sonst würde ich wohl jetzt nicht als Priester vor euch stehen. Durch so viele Ereignisse zeigte Gott mir, dass er mich auf diesem Weg haben wollte und dass er mich begleitete. Was gibt es da Schöneres, als freudig diesen Weg weiter zu gehen, auch wenn es nicht immer einfach ist.

Eine meiner Lieblingsstellen aus der Bibel ist ein Zitat des Apostel Paulus in seinem Brief an die Römer. Er schreibt über allerlei Nöte, wie Verfolgung, Hunger und Tod. Dazu sagt er: „Doch all das überwinden wir durch den, der uns geliebt hat. Denn ich bin gewiss: Weder Tod noch Leben, weder Engel noch Mächte, weder Gegenwärtiges noch Zukünftiges, weder Gewalten der Höhe oder Tiefe noch irgendeine andere Kreatur können uns scheiden von der Liebe Gottes, die in Christus Jesus ist, unserem Herrn.“ (Röm 8,37-39)

Wenn ich heute jemanden antreffen würde, er zu mir sagen würden: „Spinnst Du eigentlich, heute noch Priester zu werden?! Es gibt doch gar keinen Gott!“ So würde ich ihn in vermutlich nur liebevoll anlächen und sagen: „Doch, es gibt einen Gott; ich bin ihm schon begegnet.“ Denn nach allem, was ich in meinem Leben bisher erlebt habe, kann ich nicht anders, als an Gott zu glauben. Nicht an irgendein fernes Geschöpf weit weg im Himmel, sondern an den lebendigen Gott, der Himmel, Erde und Menschen erschaffen hat, uns durch den Tod und Auferstehung seines Sohnes erlöst hat und der uns den Heiligen Geist als Beistand schenkt. Gott ist da – bitte verdrängt ihn nicht aus eurem Leben! Lass ihm zumindest einen kleinen Platz übrig! Dann kann der Heilige Geist auch in euch wirken.

In diesem Sinne wünsche ich euch eine gute Vorbereitung auf das Pfingstfest, an dem wir auf besondere Weise die Aussendung des Heiligen Geistes feiern.

Mittwoch, 30. April 2014

Ein besonders gnadenreicher Tag...

Nun ist er also gekommen, der grosse der Tag der Heiligsprechung der beiden Päpste, Johannes XXIII und Johannes Paul II. Mir bedeutete dieser Tag viel, denn das Ende der irdischen Pilgerschaft von Johannes Paul II am 2. April 2005 um 21.37 Uhr war gleichsam der Beginn meiner Berufung, wie ich hier schon einmal beschrieben habe.

Neun Jahre später war ich nun endlich Priester, wie ich mir das schon so lange gewünscht hatte. Wie konnte ich diesen besonderen Tag der Heiligsprechung besser würdigen als dadurch, dass ich genau das tat, was ganz wesentlich zum Priesteramt gehört? So feierte ich am Vormittag in zwei verschiedenen Pfarreien mit den Gläubigen die Heilige Messe. Und am Nachmittag beschenkte mich der Heilige Papst, der den Barmherzigkeitssonntag eingeführt hatte, ganz besonders im Beichtstuhl. Es waren so ergreifende Momente.

Jedes Mal, wenn ich im Namen Gottes die Lossprechungsformel sprach, musste ich aufpassen, dass es mir nicht die Stimme verschlug. „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden.“ – Das war es, was ich eine Woche zuvor (zum ersten Mal als Priester mit den Gläubigen) an den drei Heiligen Tagen feiern konnte.

„Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Wenn ich daran dachte, dass Gott den Beichtenden nun wirklich all ihre Sünden verziehen hatte, die sie vor ihn gebracht hatten, und ihnen so wieder einen Neuanfang schenkte, so kamen mir fast die Freudentränen. Und oft spürte ich richtig, wie diese Personen dann erleichtert den Beichtstuhl verliessen. Welch’ grosses Geschenk! Es ist so schön, in solchen Momenten Werkzeug Gottes zu sein. Nicht, dass die Vergebung mein Werk wäre, aber ich darf dabei sein bei diesem wunderbaren Geschehen Gottes – der Offenbarung seiner Barmherzigkeit.

In solchen Momenten, in denen man ganz intensiv Gottes Wirken spürt, kann ich fast nicht glauben, dass man die Existenz Gottes noch bezweifeln kann. Für jene, die Gott in seine Nachfolge berufen hat, gibt keinen schöneren Beruf auf der Erde!