Es war vor ziemlich genau neun Jahren, gerade zu dieser Zeit irgendwann im August 2005. Ich war in Fribourg am Vorbereiten der grossen Jahresprüfungen vom zweiten Studienjahr des Medizinstudiums, welche ab dem 6. September begonnen hätten. Es kam mir vor, als wäre Sand im Getriebe. Die immer
grösser werdende Müdigkeit war nicht sehr hilfreich für die Vorbereitungszeit vor den Prüfungen. In
Gedanken war ich auch nicht voll bei der Sache, da ich nicht sicher war, ob ich
wirklich mit dem Medizinstudium weiter fahren sollte. Der Verstand meinte Ja, das Herz jedoch zweifelte an der Richtigkeit dieser Entscheidung. Der Mut zu einem Wechsel fehlte mir aber noch. Hätte ich klar (oder besser gesagt klarer) gespürt, dass es Zeit ist für den Wechsel, so hätte ich wohl nicht so lange gezögert. Das sollte sich aber bald ändern.
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| Obere und untere Ranftkapelle. |
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| In der oberen Ranftkapelle, in der ich mein Leben Revue passieren lassen konnte. |
Mit dem Bus und anschliessend mit dem Zug fuhr ich nach Luzern. Da ich am
Morgen noch keinen Gottesdienst besucht hatte, wollte ich dies nun in Luzern
nachholen. Denn ich fand es komisch, dass ich zuvor praktisch jeden Tag zur Messe gegangen war und gerade an diesem Tag, an dem ich eine Entscheidung so sehr herbeisehnte, noch keine Messe mitgefeiert hatte.
So stand ich etwas nach fünf Uhr in Luzern am Bahnhof und wusste nicht, wo an diesem Abend in Luzern eine Messe gefeiert wurde. Aus meiner Kindheit kannte ich die Jesuitenkirche an der Reuss. So begab ich mich zu dieser Kirche und fand hinten in der Kirche auch eine Tafel, auf welcher alle Gottesdienste in der Region aufgeführt waren. Da stand, dass um 18.15 Uhr (?) in der Kirche St. Leodegar ein Gottesdienst stattfinden werde. Ich hatte jedoch zu dem Zeitpunkt noch keine Ahnung, wo sich diese Kirche befand. Das war noch lange vor dem grossen Smartphone-Zeitalter, zumindest was mich betrifft. So spazierte ich gemächlich zurück zum Bahnhof und war auf der Suche nach einem Tourismus-Büro, um nach den Weg zu fragen.
Als ich wieder zum Luzerner Hafenbecken kam, da erklangen die Glocken einer Kirche. Es waren die Glocken von St. Leodegar! Dank dem Geläut dieser Glocken fand ich schliesslich den Weg in die Kirche St.
Leodegar, wo eine Messe gefeiert wurde. Und während dieser Messe sollte ich die
so lange ersehnte Antwort erhalten. Denn im Evangelium wurde eine Passage aus dem
Matthäus-Evangelium vorgelesen, in welcher Jesus seinen Jüngern auf die Frage
nach ihrem Lohn antwortet: „Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder
Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür
das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19,29)
Dieser Satz hat bei mir wie ein Blitz eingeschlagen. Nun war für mich auf einen Schlag alles klar, der Schleier hatte sich gelegt und die Antwort strahlte mir
wie die Sonne entgegen. Was hatte ich noch zu befürchten? Weshalb sollte ich
auch noch einen einzigen Augenblick zögern, das Medizinstudium abzubrechen und
einen neuen Weg zu wagen? Wenn Jesus damals seinen Jüngern diese Zusage machte, so galt sie sicher auch heute noch für alle, die IHM nachfolgen wollten.
Erst später wies mich ein Priester darauf hin, dass
dieses Evangelium auch am Gedenktag des Heiligen Bruder Klaus (am 25. September) gelesen wird. Da
hatte ich also meine Antwort. Bruder Klaus – ein guter Ratgeber, damals wie
heute!


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