„Die Freude des Evangeliums“, so lautete das Thema der Wallfahrt für Kirchliche Berufe vor ein paar Wochen. Ich hätte mir nie vorstellen können, dass dieses Buch – die Bibel – für mein Leben so wichtig werden könnte! Aber mal schön der Reihe nach...
Als kleines Kind habe ich gerne die Geschichten aus der Bibel gehört. Aber es waren eben irgendwie nur „Geschichten“. So wie man als Primarschüler auch nicht so recht realisiert, das alles, was wir im Geschichtsunterricht lernt, so auch passiert ist.
Einen besonderen Zugang zum Evangelium oder der Bibel ganz allgemein bekam ich dann erst an der Uni. Ich war als Medizinstudent in Fribourg und ging oft am Abend nach den Vorlesungen zur Messe. Da die Messe jedoch auf Französisch war, habe ich nicht immer alles verstanden. Ich habe deshalb nach einer Lösung gesucht und das Schott-Messbuch gefunden, bei dem alle Lesungen im Kirchenjahr aufgeführt sind. Die Texte sind sogar im Internet verfügbar. Und das Gute daran: Vor der Lesung und dem Evangelium steht jeweils eine erklärende Einleitung.
Schritt für Schritt begann ich immer mehr zu verstehen, was eigentlich mit den Geschichten und Gleichnissen gemeint war, was vielleicht auch „zwischen den Zeilen“ stand und mein Interesse war geweckt. Eigentlich müsste auf der Bibel stehen: "Zu Risiken und Nebenwirkungen fragen Sie Ihren Pfarrer oder Vikar", denn die Bibel kann das Leben ganz schön verändern!
Durch viele kleinere und grössere Ereignisse hat mich Gott dann Schritt für Schritt auf einen neuen Weg gebracht. Immer wieder kam mir der Gedanke, wie es wäre, wenn ich nun Priester wäre. Mir fehlte jedoch der Mut, um nach drei Jahren Medizinstudium noch einmal von ganz von vorne zu beginnen.
Ein wichtiger Moment war für mich, als ich im Sommer nach dem dritten Studienjahr beim Jugendfestival in Medjugorje war und bei einer Musical-Vorführung über das Leben von Jesus richtig realisiert, dass dies nicht nur eine Geschichte war, sondern wirklich passiert ist, dass Jesus wirklich gestorben und auferstanden war.
Als ich wieder in der Schweiz war und mich auf die Herbstprüfungen des Medizinstudiums vorbereiten sollte, wusste ich wirklich nicht, ob ich nun mit Medizin weiterfahren sollte oder einen Wechsel ins Priesterseminar wagen sollte. So machte ich eine Wallfahrt nach Flüeli-Ranft zu unserem Landespatron, dem Heiligen Bruder Klaus. Er war damals ein guter Ratgeber, er sollte auch mir nun helfen. Ich betete lange Zeit in der Ranftkapelle und wartete auf irgend ein Zeichen, das mir helfen würde, mich zu entscheiden. Nichts! Ich betete den Rosenkranz, schlug die Bibel auf und suchte nach einem Satz, der mir eine Antwort geben würde. Wieder nichts!
So machte ich mich irgendwann wieder auf den Weg nach Hause und wollte unterwegs in Luzern noch zur Messe gehen. Und als ich da in der Kirche war hörte, wie der Priester das Evangelium verkündete, da hörte ich die Worte aus dem Matthäus-Evangelium: „Und jeder, der um meines Namens willen Häuser oder Brüder, Schwestern, Vater, Mutter, Kinder oder Äcker verlassen hat, wird dafür das Hundertfache erhalten und das ewige Leben gewinnen.“ (Mt 19,29) Dieser Satz schlug bei mir ein wie ein Blitz und auf ein Schlag war für mich vollkommen klar, welchen Weg ich gehen sollte. Erst habe ich gemerkt, dass dies dasselbe Evangelium ist, das am Festtag des Hl. Bruder Klaus gelesen wird...
Ein Satz aus dem Evangelium hat damals vor neun Jahren mein ganzes Leben vollkommen umgestellt – und hat Freude in mein Leben gebracht! Denn es gibt nichts Schöneres, als wenn man als Priester den Mitmenschen von Gott und seiner Liebe zu uns erzählen kann und dabei voll und ganz überzeugt sein kann, dass dies nicht nur Geschichten sind, sondern Wirklichkeit! Jede Woche, wenn ich die Sonntagspredigt vorbereite, staune ich von neuem, wie aktuell dieses Evangelium auch heute nach zweitausend Jahren noch ist und wie es uns helfen kann, gut durch unser Leben zu kommen und den Weg zu Gott zu finden. Möge diese Freude über das Evangelium auf uns alle überspringen und helfen, unseren Weg mit Gott zu gehen.


