Mittwoch, 30. April 2014

Ein besonders gnadenreicher Tag...

Nun ist er also gekommen, der grosse der Tag der Heiligsprechung der beiden Päpste, Johannes XXIII und Johannes Paul II. Mir bedeutete dieser Tag viel, denn das Ende der irdischen Pilgerschaft von Johannes Paul II am 2. April 2005 um 21.37 Uhr war gleichsam der Beginn meiner Berufung, wie ich hier schon einmal beschrieben habe.

Neun Jahre später war ich nun endlich Priester, wie ich mir das schon so lange gewünscht hatte. Wie konnte ich diesen besonderen Tag der Heiligsprechung besser würdigen als dadurch, dass ich genau das tat, was ganz wesentlich zum Priesteramt gehört? So feierte ich am Vormittag in zwei verschiedenen Pfarreien mit den Gläubigen die Heilige Messe. Und am Nachmittag beschenkte mich der Heilige Papst, der den Barmherzigkeitssonntag eingeführt hatte, ganz besonders im Beichtstuhl. Es waren so ergreifende Momente.

Jedes Mal, wenn ich im Namen Gottes die Lossprechungsformel sprach, musste ich aufpassen, dass es mir nicht die Stimme verschlug. „Gott, der barmherzige Vater, hat durch den Tod und die Auferstehung seines Sohnes die Welt mit sich versöhnt und den Heiligen Geist gesandt zur Vergebung der Sünden.“ – Das war es, was ich eine Woche zuvor (zum ersten Mal als Priester mit den Gläubigen) an den drei Heiligen Tagen feiern konnte.

„Durch den Dienst der Kirche schenke er dir Verzeihung und Frieden. So spreche dich los von deinen Sünden im Namen des Vaters und des Sohnes und des Heiligen Geistes.“

Wenn ich daran dachte, dass Gott den Beichtenden nun wirklich all ihre Sünden verziehen hatte, die sie vor ihn gebracht hatten, und ihnen so wieder einen Neuanfang schenkte, so kamen mir fast die Freudentränen. Und oft spürte ich richtig, wie diese Personen dann erleichtert den Beichtstuhl verliessen. Welch’ grosses Geschenk! Es ist so schön, in solchen Momenten Werkzeug Gottes zu sein. Nicht, dass die Vergebung mein Werk wäre, aber ich darf dabei sein bei diesem wunderbaren Geschehen Gottes – der Offenbarung seiner Barmherzigkeit.

In solchen Momenten, in denen man ganz intensiv Gottes Wirken spürt, kann ich fast nicht glauben, dass man die Existenz Gottes noch bezweifeln kann. Für jene, die Gott in seine Nachfolge berufen hat, gibt keinen schöneren Beruf auf der Erde!

Montag, 31. März 2014

Selig die Demütigen...

Ich muss immer schmunzeln, wenn ich die Lesung von der Salbung Davids höre. Sie ist so erfrischend, auf eine feine Art so herrlich gesellschaftskritisch. Da stellen sich die Söhne des Betlehemiter Isai alle auf und warten darauf, dass Samuel einen von ihnen zum König salbt. Auch der Vater selbst wartet stolz darauf, wer von seinen Söhnen nun König werde. Und zu jedem von diesen stolzen Männern sagt Samuel, dass Gott nicht ihn erwählt hat. Er gibt ihnen sogar die Erklärung, weshalb Gott nicht sie erwählt hat, denn er sagt ihnen: „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“

Beim Lesen dieses Textes ist mir spontan die letzte Papstwahl in den Sinn gekommen. Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt: „Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus.“ Wie viele Kardinäle hätten sich vor rund einem Jahr wohl gerne als zukünftigen Papst gesehen – und gingen dann leer aus. Denn gewählt wurde schliesslich ein Mann, der bereits als Kardinal sehr einfach lebte und diesen einfachen Lebensstil nun als Papst fortsetzt.

Wie bei der Erwählung von David als König so vertrauen wir auch bei der Papstwahl darauf, dass im Hintergrund Gott selbst den Kardinälen durch das Wirken des Heiligen Geistes eingibt, wen sie als Papst wählen sollen.

Wir brauchen aber nicht bis nach Rom zu gehen, um ähnliche Beispiele wie in unserer Lesung zu finden. Denn es könnte gut sein, dass es uns hier in nicht allzu ferner Zukunft ähnlich ergehen wird. Die Medien präsentieren uns immer wieder ihre Spekulationen für die Bischofsernennung. Es würde mich aber nicht erstaunen, wenn schlussendlich ein ganz anderer Kandidat zum Bischof geweiht wird. Denn Gott lässt sich nicht von uns Menschen vorschreiben, wen er erwählen soll. Und wie wir in der Lesung gehört haben, so sieht Gott nicht auf das Äussere, sondern auf das Herz der Menschen.

Während dem Studium hatte ich manchmal auch mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich habe mich oft gefragt, weshalb Gott genau mich ausgewählt hatte, um ihm und den Mitmenschen als Priester zu dienen. Da hätte es doch viele andere Menschen gegeben, die viel besser geeignet gewesen wären als ich, die viel intelligenter, viel frommer, viel belastungsfähiger als ich sind. Und dennoch spürte ich ganz deutlich, dass Gott mich auf diesen Weg ins Priesterseminar geführt hat und auf diesem Weg auch weiterhin begleitet hat.

Damals hat sich Jesus die Jünger aus nicht aus dem Kreis der Bestgelehrtesten ausgewählt, sondern hat einfache Fischer in seine Nachfolge berufen. Es waren Menschen, wie die anderen auch. Die Bibel berichtet manchmal sogar, wie „menschlich“ sie sich benehmen, wenn sie darüber diskutieren, wer von ihnen nun der Grösste sei oder wie Petrus seinen Meister dreimal verleugnet. Trotzdem hält Jesus an ihnen fest und beruft Petrus sogar zum ersten Hirten seiner Kirche.

So wie die Jünger damals nicht perfekt waren, so sind es auch wir Priester heute nicht. Und dennoch hat Gott uns eine Aufgabe in seiner Kirche zugeteilt. Er ist sich bewusst, dass wir nicht perfekt sind. Trotzdem haben wir den Auftrag erhalten, Gott und den Menschen zu dienen. Vielleicht ist es ja sogar ein Geschenk, dass wir nicht perfekt sind. Denn so werden wir uns vielleicht auch eher bewusst, dass wir nicht die Herren, sondern die Diener der Menschen sind.

„Servus servorum Dei“ - „Diener der Diener Gottes“, das ist einer der Titel des Papstes. Ich hoffe, dass ich als Priester nie vergessen werde, wozu ich eigentlich da bin. „Gott und den Menschen nahe - Priester sein im Volk Gottes!"

Sonntag, 9. Februar 2014

Zur Erinnerung an die Priesterweihe und die Primiz

Es waren zwei unvergessliche Tage für mich, die Priesterweihe und die Primiz. Zugleich waren es auch sehr emotionale Momente. Ich glaube, dass ich nicht alles wirklich bis ins Letzte realisiert habe, was in diesen Augenblicken geschehen ist. Umso wertvoller war es für mich, diese Ereignisse noch einmal in aller Ruhe mit Hilfe des Filmes von Friedrich Burgener, alpdron.ch, Revue passieren zu lassen. Vielleicht möchte der eine oder andere diese speziellen Momente auch gerne anschauen. Deshalb ist nun dieser rund 54-minütige Film als DVD zum Preis von 20 SFr. bestellbar unter folgender Adresse:


DVD der Priesterweihe und Primiz

Der Trailer ist hier verfügbar:



Samstag, 25. Januar 2014

Erinnerungen an die Priesterweihe...

Nun sind es seit der Priesterweihe bereits rund sieben Wochen her. Ich habe schon einige Messen gefeiert. Doch die Erinnerung an die Priesterweihe ist immer noch sehr präsent in meinen Gedanken. Vor ein paar Tagen habe ich die ersten Videoaufnahmen erhalten und musste mit den Tränen kämpfen, als ich die Bilder zum ersten Mal gesehen habe.

Die Priesterweihe war für mich etwas so Berührendes, wie wenn Gott mit der Spitze seines Fingers mein tiefstes Inneres berührt hätte. Ich könnte diese Bilder tausendmal anschauen und in Gedanken die Weihe Revue passieren lassen. Dennoch könnte ich nie ganz erfassen, was in diesem Augenblick genau geschehen ist.

Und doch gibt es einen Weg, um immer tiefer zu verstehen, was Gott vollbracht hat: Ich habe das Gefühl, in jeder Messfeier ein kleines bisschen mehr zu begreifen, was er uns in der Priesterweihe und in jeder Messfeier schenkt. In vollem Umfang erfassen werden wir es dann wohl erst, wenn wir Gott eines Tages von Angesicht zu Angesicht schauen werden. Bis dahin können wir uns mit dem eucharistischen Mahl in bester Weise auf das ewige Gastmahl im Himmel vorbereiten!

Hier sind nun die Bilder der Priesterweihe zu finden. Die Fotos und ein Videobeitrag zur Primizfeier werden demnächst folgen...
Priesterweihe

Sonntag, 29. Dezember 2013

Die Herberge unseres Herzens

Es ist schon eine Zeit her, dass ich mich hier letztmals zu Wort gemeldet habe. Inzwischen war einiges los und ich kam nicht so sehr zum Schreiben. Nach der Priesterweihe und der Primiz am zweiten respektive dritten Adventssonntag habe ich am vierten Adventssonntag meine erste Stelle als Vikar angetreten. An Weihnachten habe ich zum ersten Mal in der Öffentlichkeit alleine - d.h. ohne Konzelebranten - die Messe gefeiert. Am Anfang ist es schon etwas ungewohnt. Vor allem, weil ich nun sozusagen in eine neue Rolle geschlüpft bin: Denn angefangen habe ich vor fast zwanzig Jahren als Messdiener. Später war ich als Lektor und Kommunionhelfer tätig und im letzten halben Jahr verrichtete ich meinen Dienst in der Liturgie als Diakon.

Gerade die Weihnachtsmesse war für mich ganz speziell und sehr eindrücklich. Wenn ich mir vorstelle, dass ich Jesus Christus, dessen Geburt wir an Weihnachten feiern, in jeder Messfeier in der Hand halten kann und den Gläubigen in der Kommunion austeilen darf, so ist das etwas grossartiges. Ich freute mich sehr, mit so vielen Gläubigen die Messe feiern zu dürfen.

Zugleich fühle ich mich aber oft auch etwas wehmütig an diesen grossen Festtagen. Denn viele dieser Gläubigen werde ich vermutlich im Laufe des Jahres nicht mehr sehr oft sehen. Ich erinnere mich dann häufig an den Bibelvers aus dem Buch der Offenbarung: "Ich stehe vor der Tür und klopfe an. Wer meine Stimme hört und die Tür öffnet, bei dem werde ich eintreten und wir werden Mahl halten, ich mit ihm und er mit mir." (Off 3,20) Das kleine Jesuskind in der Krippe wartet sozusagen vor der Türe unseres Herzens und möchte bei uns eintreten. Werden wir ihm öffnen, damit es einen Platz bekommen kann bei uns, in unseren Herzen, auch nach Weihnachten?

Ich hoffe, dass ich meinen Teil dazu beitragen kann, damit wir auch während dem Jahr die Türen geöffnet halten für Gott und die Mitmenschen. "Aprite le porte a Cristo" - dieses Motto, das ich für meine Primiz gewählt habe, möge auch noch im Laufe des neuen Jahres wie ein Echo in den Herzen der Gläubigen widerhallen.

In diesem Sinne wünsche ich allen Lesern von ganzem Herzen ein frohes und gesegnetes neues Jahr, gute Gesundheit, viel Glück und Freude und viele schöne Stunden und segensreiche Begegnungen!!


Montag, 9. Dezember 2013

Das erste Mal...

Lange habe ich mich darauf vorbereitet, nun gehört der grosse Tag der Priesterweihe bereits der Vergangenheit an. Für mich war es eine unglaublich tiefe und emotionale Erfahrung. Ich glaube, wenn mir nun auf der Strasse jemand begegnen würde und sagen würde, dass es gar keinen Gott gibt, so würde ich ihm vermutlich nur mit einem sanften Lächeln antworten: "Doch, ich bin ihm begegnet...!!"

Gestern in der Priesterweihe habe ich zum ersten Mal an der Seite des Bischofs am Altar die Wandlungsworte gesprochen. Nächsten Sonntag werde ich dann in meiner Heimatgemeinde die Primiz - das heisst die erste Messfeier, welcher ich als Hauptzelebrant vorsteht - feiern. Spezielle liturgische Vorgaben gibt es im Gegensatz zum Weihegottesdienst für die Primiz eigentlich nicht. Im Laufe der Jahre haben sich jedoch lokal verschieden Bräuche und Traditionen gebildet.

So beginnt die Feier meistens mit einem festlichen Kirchenzug vom Elternhaus zur Pfarrkirche oder zu dem Ort, wo die Messe gefeiert wird. Es folgte der Festgottesdienst, der im wahrsten Sinne des Wortes „Eucharistie“ sein soll, das heisst übersetzt „Danksagung“. Das gemeinsame eucharistische Mahl soll die Verbundenheit und Dankbarkeit zum Ausdruck bringen. Der Priester ist ja nicht Priester für sich selbst, sondern für seine Mitmenschen.

Üblicherweise predigt der Neupriester in der Primiz nicht selber, sondern überlässt diese Aufgabe einem Priester, der in seiner Berufungsgeschichte eine wichtige Rolle spielte oder der ihn während seiner Ausbildung begleitet hat.

Die Eucharistiefeier endet mit dem feierlichen Primizsegen, für den einige Gläubige einen weiten Weg auf sich genommen haben. Denn eine alte Volksweisheit sagt: „Eine Primiz ist es wert, dafür ein Paar Schuhsohlen durchzulaufen.“

Die Festlichkeiten im Anschluss der Eucharistiefeier finden ihren Abschluss am späteren Nachmittag in einer Dankesandacht, die oft in Form eines Abendgebets (Vesper) mit einer kurzen Anbetung und Spendung des eucharistisches Segens endet.

Samstag, 7. Dezember 2013

Priesterweihe

Ich kann es immer noch kaum glauben, dass ich morgen Sonntag zum Priester geweiht werde. Ich freue mich riesig darauf. Zugleich macht sich länger je mehr auch eine gewisse Nervosität breit. Werde ich den kommenden Anforderungen gerecht werden? Wie werde ich meine Aufgaben erfüllen können? Weshalb hat Gott genau mich ausgewählt, wenn er doch objektiv betrachtet so viele besser geeignete Leute zur Verfügung hätte?

Ich kann mir vorstellen, dass sich die Apostel damals ähnliche Fragen gestellt haben. Es wird wohl für uns Menschen immer ein Geheimnis bleiben, weshalb Jesus beispielsweise den einfachen Fischer Simon Petrus als Apostel ausgewählt hat. Und doch können wir darauf vertrauen, dass Jesus genau wusste, wen er sich ausgewählt hat. Das gibt auch mir Mut für die Zukunft. Denn Gott wird schon wissen, weshalb er mich in seine Nachfolge berufen hat.

So ist es mir eine Freude, euch alle morgen Sonntag, den 8. Dezember 2013 um 15.00 Uhr in der Kathedrale von Sitten ganz herzlich zur Priesterweihe und zum anschliessenden Apéro einzuladen!