Ich muss immer schmunzeln, wenn ich die Lesung von der Salbung Davids höre. Sie ist so erfrischend, auf eine feine Art so herrlich gesellschaftskritisch. Da stellen sich die Söhne des Betlehemiter Isai alle auf und warten darauf, dass Samuel einen von ihnen zum König salbt. Auch der Vater selbst wartet stolz darauf, wer von seinen Söhnen nun König werde. Und zu jedem von diesen stolzen Männern sagt Samuel, dass Gott nicht ihn erwählt hat. Er gibt ihnen sogar die Erklärung, weshalb Gott nicht sie erwählt hat, denn er sagt ihnen: „Gott sieht nämlich nicht auf das, worauf der Mensch sieht. Der Mensch sieht, was vor den Augen ist, der Herr aber sieht das Herz.“
Beim Lesen dieses Textes ist mir spontan die letzte Papstwahl in den Sinn gekommen. Es gibt ein altes Sprichwort, das besagt: „Wer als Papst ins Konklave geht, kommt als Kardinal wieder heraus.“ Wie viele Kardinäle hätten sich vor rund einem Jahr wohl gerne als zukünftigen Papst gesehen – und gingen dann leer aus. Denn gewählt wurde schliesslich ein Mann, der bereits als Kardinal sehr einfach lebte und diesen einfachen Lebensstil nun als Papst fortsetzt.
Wie bei der Erwählung von David als König so vertrauen wir auch bei der Papstwahl darauf, dass im Hintergrund Gott selbst den Kardinälen durch das Wirken des Heiligen Geistes eingibt, wen sie als Papst wählen sollen.
Wir brauchen aber nicht bis nach Rom zu gehen, um ähnliche Beispiele wie in unserer Lesung zu finden. Denn es könnte gut sein, dass es uns hier in nicht allzu ferner Zukunft ähnlich ergehen wird. Die Medien präsentieren uns immer wieder ihre Spekulationen für die Bischofsernennung. Es würde mich aber nicht erstaunen, wenn schlussendlich ein ganz anderer Kandidat zum Bischof geweiht wird. Denn Gott lässt sich nicht von uns Menschen vorschreiben, wen er erwählen soll. Und wie wir in der Lesung gehört haben, so sieht Gott nicht auf das Äussere, sondern auf das Herz der Menschen.
Während dem Studium hatte ich manchmal auch mit vielerlei Schwierigkeiten zu kämpfen. Ich habe mich oft gefragt, weshalb Gott genau mich ausgewählt hatte, um ihm und den Mitmenschen als Priester zu dienen. Da hätte es doch viele andere Menschen gegeben, die viel besser geeignet gewesen wären als ich, die viel intelligenter, viel frommer, viel belastungsfähiger als ich sind. Und dennoch spürte ich ganz deutlich, dass Gott mich auf diesen Weg ins Priesterseminar geführt hat und auf diesem Weg auch weiterhin begleitet hat.
Damals hat sich Jesus die Jünger aus nicht aus dem Kreis der Bestgelehrtesten ausgewählt, sondern hat einfache Fischer in seine Nachfolge berufen. Es waren Menschen, wie die anderen auch. Die Bibel berichtet manchmal sogar, wie „menschlich“ sie sich benehmen, wenn sie darüber diskutieren, wer von ihnen nun der Grösste sei oder wie Petrus seinen Meister dreimal verleugnet. Trotzdem hält Jesus an ihnen fest und beruft Petrus sogar zum ersten Hirten seiner Kirche.
So wie die Jünger damals nicht perfekt waren, so sind es auch wir Priester heute nicht. Und dennoch hat Gott uns eine Aufgabe in seiner Kirche zugeteilt. Er ist sich bewusst, dass wir nicht perfekt sind. Trotzdem haben wir den Auftrag erhalten, Gott und den Menschen zu dienen. Vielleicht ist es ja sogar ein Geschenk, dass wir nicht perfekt sind. Denn so werden wir uns vielleicht auch eher bewusst, dass wir nicht die Herren, sondern die Diener der Menschen sind.
„Servus servorum Dei“ - „Diener der Diener Gottes“, das ist einer der Titel des Papstes. Ich hoffe, dass ich als Priester nie vergessen werde, wozu ich eigentlich da bin. „Gott und den Menschen nahe - Priester sein im Volk Gottes!"
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