Samstag, 13. April 2013

Diakonat - was ist das?

Anfang Juni werde ich die Diakonatsweihe empfangen, wenn unser Bischof einverstanden ist. Heutzutage sind Diakone recht selten und deshalb auch nicht so bekannt. Aus diesem Grund möchte ich in ein paar Abschnitten erklären, was ein Diakon ist, wie dieser Dienst in der Kirche entstanden ist und wie sich dieses Amt im Laufe der Kirchengeschichte entwickelt hat bis zur heutigen Form.

Zunächst einmal möchte ich der Frage nachgehen, wie das Diakonat entstanden ist. Dazu drehen wir das Rad der Zeit um rund 2'000 Jahre zurück und versetzen uns in die Zeit nach der Auferstehung von Jesus. Die Apostelgeschichte aus der Feder des Evangelisten Lukas berichtet uns, wie die Jünger Jesu nach der Auferstehung ihres Herrn und Meister die Frohe Botschaft verkündet haben. Vom Heiligen Geist angetrieben wollten sie in der ganzen Welt von der Auferstehung Jesus und dem Glauben an Gott Zeugnis geben. Da sie sich nicht gleichzeitig um alles kümmern konnten, wählten sie aus ihrer Mitte „sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ (Apg 6,3) als Helfer aus. Sie sollten sich in den Gemeinden in den Dienst der Nächstenliebe (caritas) stellen und den Armen und Kranken, den Witwen und Waisen und allen Notleidenden helfen. Daneben sollte sie bei der Feier des Abendmahles hilfreich zur Seite stehen und die Kommunion den abwesenden Brüdern und Schwestern bringen. Durch Gebet und Auflegen der Hände erhielten sie die offizielle Sendung zu ihrem Dienst.

In den folgenden Jahrhunderten tauchte erstmals der Begriff „Diakon“ auf. Diese Männer wurden dann immer mehr zu persönlichen Helfern der Bischöfe. Zu ihren Aufgaben gehörte der „Dienst am Nächsten“ (Bedürftige), der „Dienst am Tisch“ bei der Messfeier, den Dienst bei der Verkündigung des Glaubens und der Dienst bei der Verwaltung. Bewusst habe ich hier jeweils das Wort „Dienst“ gewählt, denn das griechische Wort „diakonos“ bedeutet „Diener, Helfer“. Später wurde der Dienst des Priesters (Presbyter) immer wichtiger und der Diakon war nicht mehr direkt dem Bischof unterstellt, sondern stand länger je mehr an der Seite des Priesters. So kam es, dass im Laufe der Zeit das eigenständige Amt des Diakons verloren ging und das Diakonat nur mehr eine „Durchgangsstufe“ für zukünftige Priester wurde. Es ist noch heute so, dass Priester vor ihrer Priesterweihe für mindestens 6 Monate als Diakon tätig sind (siehe Graphik).Erst beim Zweiten Vatikanischen Konzil vor rund 50 Jahren wurde das Diakonat als eigenständiges Amt wieder neu entdeckt und hervorgehoben. Seither gibt es zwei Arten von Diakonen: Jene, die auf dem Weg zum Priester sind und für eine gewisse Zeit dieses Amt als Diakon ausüben und die sogenannten „ständigen“ Diakone, die ihr Leben lang als Diakon tätig sind. Die letzteren können sogar heiraten und eine Familien gründen, falls sie vor der Diakonatsweihe heiraten.

Nach diesem geschichtlichen Überblick und der Unterscheidung der beiden Arten von Diakonen möchte ich nun darauf eingehen, was zu den Aufgaben des Diakons gehört. Man könnte den Diakon kurz und bündig als „Helfer für den täglichen Dienst“ bezeichnen. Im Gegensatz zu den Seelsorgehelfer/-innen und Pastoralassistent/-innen empfängt er eine kirchliche Weihe und kann auch gewisse Sakramente spenden. Im Katechismus der Katholischen Kirche finden wir bei der Nummer 1570:
„Aufgabe der Diakone ist es unter anderem, dem Bischof und den Priestern bei der Feier der göttlichen Geheimnisse, vor allem der Eucharistie, zu helfen, die heilige Kommunion zu spenden, der Eheschliessung zu assistieren und das Brautpaar zu segnen, das Evangelium zu verkünden und zu predigen, den Begräbnissen vorzustehen und sich den verschiedenen karitativen Diensten zu widmen."

Ein Diakon kann also während der Messfeier bereits einige liturgische Aufgaben übernehmen. In der Liturgie erkennt man die Diakone übrigens an der Stola, die von der linken Schulter zur rechten Hüfte verläuft oder an der feierlichen Dalmatik, einem liturgischen Gewand ähnlich dem Messgewand des Priesters. Zur speziellen Aufgabe der Diakone gehört auch heute der Dienst bei den Mitmenschen, damit der Glaube nicht nur mit Worten verkündet wird, sondern auch in Tat und Wahrheit gelebt wird und für die Menschen somit spürbar wird.

Schliessen möchte ich mit einem Auszug aus dem Weihegebet, welches der Bischof über den Kandidaten spricht:
„So bitten wir dich, Herr, unser Gott: Schau in Gnaden herab auf diesen deinen Diener. Nimm ihn als Diakon in den Dienst an deinem Altare. Sende auf ihn herab, o Herr, den Heiligen Geist. Seine siebenfältige Gnade möge ihn stärken, seinen Dienst getreu zu erfüllen.

Das Evangelium Christi durchdringe sein Leben. Selbstlose Liebe sei ihm eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und die Armen. Mit Würde und Bescheidenheit soll er allen begegnen.
In seinem Wirken sollen deine Weisungen aufleuchten; das Beispiel seines Lebens soll die Gemeinde auf den Weg der Nachfolge führen. So bezeugt er wahrhaft den Glauben und bleibt bis ans Ende fest in Christus verwurzelt.“

Der Weg zum Priestertum und ständigen Diakon.

Sonntag, 31. März 2013

Auch der beste Osterhasen wird vergehen...

Nun ist es wieder da, das lang ersehnte Osterfest. Nach den langen vierzig Tagen der Fastenzeit sind wir nun mitten in der österlichen Freudenzeit. Das Osternest wurde gefunden, die Ostereier gegessen und der Osterhase zumindest schon angeknabbert. In den Geschäften werden die letzten süssen Ostergeschenke bald schon zu Rabattpreisen angeboten und demnächst ganz verschwinden, bis zum nächsten Jahr. Damit wäre dieses Kapitel wieder einmal abgehakt für die nächsten rund 10 Monate – oder etwa doch nicht?
Im Christentum dauert die Osterzeit noch länger an. Ein Tag oder gar eine Woche reichen nicht, um dieses grosse Ereignis richtig zu erfassen und gebührend zu feiern. So feiert die Kirche sieben mal sieben plus einen Tag Ostern. Die Osterzeit endet damit mit dem Pfingstfest, auf griechisch „pentekoste“ („fünfzigster Tag“). Insgesamt dauert die Freude von Ostern also länger als die gesamte Fastenzeit! Und auch dies scheint noch nicht genug zu sein, denn jeden Sonntag während des ganzen Jahres wird die Auferstehung Jesu Christi gefeiert, jeweils wie ein kleines „Wochenostern“. Weshalb wird denn diesem Osterfest eine solch grosse Bedeutung zugemessen?
Das ist eine berechtigte Frage. Die Antwort dazu betrifft den Kern unseres christlichen Glaubens. Was wäre wohl passiert, wenn Jesus nicht von den Toten auferstanden wäre? Vermutlich wäre der christliche Glaube früher oder später sang- und klanglos von der Bildfläche verschwunden. Nun existiert das Christentum aber seit mehr als 2'000 Jahren und wird wohl nicht so schnell untergehen. Denn die Auferstehung von den Toten ist nicht bloss ein frommes Märchen, eine Legende oder Erzählung, sondern eine Realität, die alles übersteigt, was hier auf Erden existiert. Die Auferstehung ist gleichsam eine Türe zur Ewigkeit, ein direkter Zugang zu Gott selbst.
Wenn wir nun Ostern feiern, so geschieht dies in der Vorfreude auf das ewige Leben bei Gott. Ostern ist für mich, wie wenn man durch die leicht geöffnete Türe des Himmels einen Blick auf die ewige Glückseligkeit werfen kann – ein Glück, das auf dieser Welt nicht zu finden ist.
Dieses Wissen um das ewige Leben bei Gott, um das Wiedersehen mit unseren lieben verstorbenen Angehörigen, um ein Leben in einer Welt voller Liebe und Frieden vermag so viel Kraft und Mut zu schenken, dass Menschen bereit waren, ihr Leben als Märtyrer für diese Glaubensüberzeugungen zu opfern. Jetzt wird vielleicht auch verständlich, weshalb die Kirche diesem Osterfest so viel Gewicht verleiht.
Vor fast acht Jahren war ich bei einem religiösen Jugendfestival. Eines Abends wurde das Leben Jesu von Jugendlichen und jungen Erwachsenen als Musical aufgeführt. Das berührte mich ganz besonders. Nicht nur, weil sie ihre Aufgabe sehr gut verrichteten, sondern weil mir bewusst wurde: Alles, was uns hier präsentiert wird, ist mehr oder weniger vor 2'000 Jahren so geschehen. Das war für mich ein weiterer wichtiger Meilenstein in dem ereignisreichen Jahr 2005, als Gott mich durch viele kleinere und grössere Ereignisse länger je mehr zu sich hin zog, bis ich schliesslich mit ganzem Herzen ein freies und herzliches "Ja" zu meiner Berufung sagen konnte.
Die Osterhasen werden vergehen, die Osterdekorationen wieder verschwinden. Hoffentlich bleibt jedoch etwas von dieser grossartigen Erfahrung in unseren Herzen zurück, ein kleiner Einblick in die himmlische Welt, der uns im Alltag wieder neue Kraft und neuen Mut zu schenken vermag.
In diesem Sinne wünsche ich allen eine frohe und gesegnete Osterzeit!!

Donnerstag, 28. Februar 2013

Bildergalerie im Rückblick

Zur Abwechslung folgt diesmal nicht ein langer Text, sondern ein paar Bilder zu den bereits erschienenen Beiträgen...

Bruder-Klaus-Kapelle
Bruder-Klaus-Kapelle

In dieser Kapelle habe ich wohl die meisten meiner Ministranten-Dienste verrichtet. Sie spielte in meinen Gedanken aber auch eine grosse Rolle im Entscheidungsjahr vor dem Eintritt ins Priesterseminar. Auch die Tatsache, dass sie unserem "Nationalheiligen" gewidmet ist, scheint im Rückblick nicht ganz unbedeutend zu sein...

Cockpit
Cockpit des Airbus A320 von Easyjet.

So habe ich mir gegen Ende des Kollegiums meinen zukünftigen Arbeitsplatz vorgestellt. Wie früher bereits beschrieben, bereitete das Grounding der Swissair und das Ausscheiden aus der Fliegerischen Vorschulung meinen Träumen ein jähes Ende. Im Rückblick betrachtet, hat sich dieser Wink Gottes aber eher als Segen erwiesen.

Unifr-med
Departement Medizin der Uni Fribourg

In diesen Gebäuden habe ich fast drei Jahre als Medizinstudent verbraucht. Es war eine schöne Zeit, auch wenn's nicht immer ganz einfach und stressfrei war...

Christ-Roi
Christ-Roi in Fribourg

In dieser Kirche schliesslich habe ich den Wert der Eucharistiefeier neu entdeckt.
Weiter Fotos folgen mit den neuen Beiträgen...

Donnerstag, 31. Januar 2013

Von der Freude, den Glauben weiter zu schenken

Wir befinden uns mitten im Jahr des Glaubens. Es ist an der Zeit, über den eigenen Glauben nachzudenken, über unsere Beziehung zu Gott und den Mitmenschen. Richtig entfalten kann sich der Glauben jedoch erst in der Gemeinschaft, im Zusammenleben. Dann kann aus dem Glauben die Kirche entspringen.
Etwas vom Schönsten im Leben ist, wenn man einem Mitmenschen von seiner grossen Liebe erzählen kann; von etwas, was mir sehr wichtig ist. Und wenn das Gegenüber dann noch mit grossen Augen und Freude im Gesicht zurücklächelt, so ist das Glück perfekt.
Ja, den Glauben im Religionsunterricht an aufmerksame Primarschüler weiterzugeben, kann eine wunderbare Erfahrung sein. Manchmal ist es zwar nicht ganz so einfach, denn die jungen Christen stellen teilweise überraschende Fragen und fordern uns so auch immer wieder auf, über den eigenen Glauben nachzudenken und Rechenschaft zu geben. "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt." (1 Petr 3,15)
Von dieser Weitergabe des Glaubens lebt unsere Kirche. Denn seit tausenden von Jahren haben immer wieder Menschen durch ihr Leben und ihr Wort von Gott Zeugnis gegeben und so den Glauben lebendig erhalten. Deshalb ist der Glaube auch heute noch lebendig, wenn wir unser Herz für IHN öffnen. Möge Gott immer wieder Menschen berufen, von IHM Zeugnis zu geben - dort wo sie leben: in der Familie, in der Gesellschaft, der Politik, in Vereinen oder eben auch in der Kirche!

Montag, 31. Dezember 2012

Jahreswechsel

Das alte Jahr neigt sich seinem Ende zu, das neue steht bereits vor der Türe. Vieles ist im letzten Jahr geschehen. So konnte ich beispielsweise diesen Herbst nach sieben Jahren im Priesterseminar endlich mein Studium abschliessen. Damit ist die Ausbildung aber noch nicht zu Ende, denn nun beginnen sozusagen die Lehrjahre. So ist für mich dieser Jahreswechsel gleichsam wie ein Sinnbild für den Wechsel vom theoretischen Teil der Ausbildung zum praktischen hin.

Das will nicht heissen, dass wir während dem Studium nie in der Pastoral gewesen sind. Ganz im Gegenteil, denn auch während der Ausbildung an der Universität absolvieren wir verschieden Praktika, zum Beispiel in einer Pfarrei, im Religionsunterricht, in der Spitalseelsorge, in Altersheimen, in sozialen Bereichen usw. Zusammengerechnet kommen wir in den sechs Jahren Ausbildung im Seminar bereits auf fast ein halbes Jahr Praktika.

Standardausbildung

Nach dem Abschluss des Studiums beginnt dann das sogenannte Pastoraljahr. Im Laufe dieses Jahres werden die Seminaristen zum Diakon geweiht. Ein Diakon kann während der Messfeier bereits einige liturgische Aufgaben übernehmen, wie beispielsweise die Verkündigung des Evangeliums oder die Vorbereitung der Gaben am Altar. Er kann aber auch das Sakrament der Taufe und der Ehe spenden. Historisch gesehen ist dieser Dienst zur Apostolischen Zeit entstanden, wie wir in der Apostelgeschichte nachlesen können (vgl. Apg 6-8). Zur speziellen Aufgabe der Diakone gehört der Dienst bei den Mitmenschen. In der Liturgie erkennt man die Diakone übrigens an der Stola, die von der linken Schulter zur rechten Hüfte verläuft oder an der feierlichen Dalmatik.

Ungefähr ein halbes Jahr später findet dann die Priesterweihe statt. Mit der Priesterweihe ist nun die Ausbildung nicht zu Ende, sondern sie bekommt eine neue Dimension. Wer in Jesu Nachfolge eintritt, der muss bereit sein, ein Leben lang von IHM zu lernen...

Schliessen möchte ich diesen Beitrag mit einem Dankgebet zum Jahreswechsel:

Herr, ich danke Dir für alle Menschen,
denen ich auf meinem Lebensweg
begegnen durfte.

Menschen, die mich begleiteten.
Menschen, die mich trösteten.
Menschen, die mich besuchten.
Menschen, die mir halfen.
Menschen, die für mich Vorbild waren.
Menschen, die mir Freude schenkten.

Ich danke Dir aber auch
für alle Menschen,
denen ich helfen konnte.
Menschen,
die ich tröstete,
die ich besuchte,
denen ich Vorbild sein durfte.

Ich bitte Dich um Verzeihung,
für alles Schlechte,
das ich anderen Menschen angetan habe.
Ich bete für alle,
die ich beleidigt habe,
die ich enttäuscht habe,
die ich durch Worten und Taten
verletzt habe.

Herr, Du bist Mensch geworden,
Du bist unser Bruder.
Du kennst unsere Fehler und Schwächen,
Du wurdest als kleines Kind
in Bethlehem geboren
und hast gelebt wie wir,
in allem uns gleich
ausser der Sünde.

Du hast uns so sehr geliebt,
dass Du Dein Leben
für uns hingegeben hast
am Holze des Kreuzes.
Dein Vater hat Dich gerettet,
Dich in den Himmel aufgenommen
und Dir alles zu Füssen gelegt.

Hilf uns Menschen,
die wir noch hier auf Erden leben.
Sende uns Deinen Heiligen Geist,
der uns hilft.
Und stärke unseren Glauben,
damit wir uns stets
für Dich und Dein Reich einsetzen!

Sei bei uns allen
mit Deinem Segen,
sei überall,
wo Menschen in Liebe miteinander leben,
arbeiten oder beten.

AMEN.

Allen Leserinnen und Lesern ein frohes und gesegnetes neues Jahr!!!

Montag, 26. November 2012

Gottes Spuren in unserem Leben...

Vor einigen Tagen war ich gerade damit beschäftigt, einen Text für die Zeitschrift unseres Priesterseminars zu übersetzen. Da wurde mir wieder einmal so richtig bewusst, wie sehr unser Leben in Gottes Händen liegt, wenn wir das zulassen. Manchmal erscheint uns unser Leben wie eine Achterbahnfahrt, voller Tempo und mit unzähligen Wechseln zwischen Hochs und Tiefs; manchmal rauscht unser Leben im Eilzugtempo vorbei, und wir sind uns gar nicht bewusst, wie schnell sich alles ändert...

"Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben", sagt ein altes Sprichwort. Das ist mir beim Übersetzen dieses Textes wieder in den Sinn gekommen. Beim genannten Text handelt es um den Lebenslauf eines Mitseminaristen, der nun Anfang Dezember zum Diakon geweiht wird. Ich war so beeindruckt und gerührt, dass sich eine kleine Freudenträne löste. Es ist einfach wunderbar, wenn man an seinen Mitmenschen so deutlich das Handeln Gottes spürt und zugleich in ihnen die Bereitschaft erkennt, Gottes führende Hand zu ergreifen, um ihr Leben ganz in den Dienst Gottes und der Mitmenschen zu stellen.

Schön ist es, zusammen mit solchen Mitbrüdern den Weg zu Gott und den Menschen hin zu wagen. Sie sind für mich Bruder und Vorbild. Zugleich sind sie wie ein Spiegelbild, das mir sagt, dass auch ich auf diesem Weg bin, und Gott auch auf meinen krummen Linien gerade schreiben kann! Daran habe ich mich wieder erinnert, als ich vor ein paar Tagen auf Pilgerreise durch die Zentralschweiz war. Denn dort war für mich vor über sieben Jahren der entscheidende Moment auf meinem Berufungsweg, sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bis zu diesem Zeitpunkt verging damals aber noch einige Zeit.

Während dem oft sehr stressigen Medizinstudium wurde mir immer mehr klar, dass mir etwas fehlte. Neben dem täglichen Besuch der Messe, von dem ich hier vor ein paar Monaten bereits geschrieben habe, suchte ich ebenfalls nach Gebeten für den Alltag. Also begab ich mich in die theologische Buchhandlung und suchte dort nach Gebetsbüchern. Irgendwie bin ich dann auf das "Kleine Stundenbuch" gestossen und habe mir dieses Buch gekauft. Dies entspricht einer etwas "abgespeckten" Version des Breviergebets, das die Priester und Ordensleute, aber auch viele engagierte Laien täglich beten. Das war mir zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewusst. Aber ich hatte gefunden, wonach ich suchte: Ein Buch mit Gebeten für jeden Tag.

So versuchte ich in den folgenden Tag, mich in diesen Gebeten zurecht zu finden, was sich nicht immer als so einfach herausstellte. Da gab es Hymnen, Psalmen, Cantica, Antiphone, Orationen und vieles mehr. Und irgendwie schien das Gebet für den Samstag Abend zu fehlen, dafür gab es zwei für den Sonntag Abend?! Wer sich ein bisschen mit dem Brevier auskennt, wir sich beim Lesen dieser Zeilen ein Lächeln wohl nicht verkneifen können. Wer zuvor aber noch nie ein Brevier in den Händen gehabt hat und nun alleine versucht, sich zu orientieren, der kann mir vielleicht ein bisschen nachfühlen...

Irgendwie klappte es trotz regelmässigem Gebrauch nicht so richtig mit dem Brevier, bis ich eines Tages nach einer Wallfahrt nach Einsiedeln beim Hinausgehen einen Blick auf den Zeitschriftenständer warf. Dort erblickte ich ein kleines Büchlein mit dem Titel "Magnificat – Das Stundenbuch", das sofort meine Aufmerksamkeit zu wecken vermochte, denn ich kannte ja bereits das "Kleine Stundenbuch". Ich habe mir dieses Büchlein genauer angeschaut und wurde mir bewusst, dass dies genau das war, was ich immer gesucht hatte: Ein Gebetsbuch für jeden Tag, immer wieder mit neuen Texten, einfach zu beten und mit Erklärungen zu den Lesungen der Messfeier. Sofort habe ich mir dieses monatlich erscheinende Gebetsbuch abonniert und damit gebetet, bis ich später im Priesterseminar das "grosse" Stundenbuch benutzt habe.

So hat Gott in mir immer wieder das Bedürfnis nach ihm geweckt – und immer wieder Wege gezeigt, wie ich dieses Bedürfnis stillen konnte. Was gibt's schöneres, als ein liebender Gott, der auf solch' liebenswürdige und sanfte Art und Weise uns immer näher zu sich zieht, um uns eines Tages voll und ganz in seine liebenden Arme aufzunehmen?!

Dienstag, 30. Oktober 2012

Geborgenheit in Gottes Arm...

Unser Glaube ist etwas Wunderbares. Oft sind wir uns dessen wahrscheinlich gar nicht so richtig bewusst. Je mehr wir selber die Erfahrung machen können, wie wertvoll uns dieser Glaube ist und wie spürbar nahe uns Gott ist, desto schwerer ist es zu verstehen, dass unsere Mitmenschen sich gar nicht mehr um ihren Glauben kümmern oder uns Christen sogar auslachen.

Was der Glaube bewirken kann, haben wir letzten Sonntag im Evangelium gehört: "Geh! Dein Glaube hat dir geholfen." – woraufhin der blinde Bartimäus seine Augen öffnet und wieder sehen kann. An einer anderen Stelle wird uns berichtet, dass der Glaube sogar Berge versetzen kann. Ja, der Glaube kann wahrlich viel bewirken. Der Glaubende ist sich bewusst, dass Gott allmächtig ist, d.h. dass er alle Kraft im Himmel und auf Erden hat. Er weiss auch, dass Gott wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter für uns sorgt und dass er uns hilft, wenn wir ihn darum bitten.

Ein junger Familienvater spazierte einmal mit seinem vierjährigen Sohn am Strand entlang. Plötzlich blieb der Junge stehen, blickte zu seinem Vater empor, strahlte ihn an und sagte: "Papa, Armji näh." Und der Vater nahm ihn auf den Arm und trug ihn nach Hause. — Diese Direktheit des Kindes zu seinem Vater mag uns als Beispiel dienen, wie wir zu Gott beten können. Er ist unser aller Vater, wie Jesus uns dies gelehrt hat.

Vielleicht war es auch diese Erfahrung der Geborgenheit in Gottes Arm, die mich vor mehr als sieben Jahren dazu brachte, ins Priesterseminar einzutreten. Damals hatte ich gerade drei Jahren Medizinstudium in Fribourg absolviert, als Gott mich Schritt für Schritt näher zu sich herangezogen hat. Einige von euch mögen sich sicherlich noch daran erinnern: 2005 war das Gebetsjahr für geistliche Berufe. Mich faszinierte das Motto dieses Jahres: "Gott und den Menschen nahe – Priester sein im Volk Gottes." Diese Mittlerfunktion zwischen Gott und den Menschen war in meinen Augen die schönste Aufgabe, die man sich vorstellen kann. Auch heute noch bin ich davon überzeugt und freue mich ungemein, dass ich nun nach Abschluss des Studiums den letzten Schritt auf dem Weg zum Priestertum in Angriff nehmen kann.

Ich stelle mir vor, dass es eine unglaublich grossartige Erfahrung sein muss, wenn man als Priester "in persona Christi", das heisst an der Stelle von Christus zusammen mit den Gläubigen die Eucharistie feiern kann. Und wenn dann durch die Wandlungsworte des Priesters die Hostie zu Christi Leib und der Wein zu Christi Blut wird und der allmächtige und grosse Gott in der Hostie ganz klein wird und so jedem einzelnen bei der Kommunion ganz nahe ist, so gibt es doch nichts Schöneres auf dieser Welt! Oder wenn der Priester im Sakrament der Beichte in Christi Namen den Menschen von allen Sünden lossprechen kann, was gibt es da noch Grösseres? Deshalb freue ich mich so sehr auf diese Tätigkeit als Priester im Volk Gottes.

Hebr 5,1-6 erinnert uns daran, dass es Gott ist, der die Menschen in seine besondere Nachfolge als Priester beruft. Nicht wir selber sind es, sondern Gottes Gnade kommt unsere Entscheidung für diesen Weg zuvor. Deshalb bin ich überzeugt, dass Gott unser Gebet um neue Priester sicher auch erhören wird. Er ist es, der die Herzen der Menschen bewegen kann.

Ja, der Glaube kann wahrlich Grosses vollbringen, wie das der blinde Bartimäus erfahren hat. Dieses Vertrauen auf die Hilfe Gottes hat mich in den letzten sieben Jahren Studium durch manche stürmischen Zeiten sicher geleitet. Diesen Glauben an den einen wahren Gott, der für uns wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter sorgt, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern von ganzem Herzen.