Anfang Juni werde ich die Diakonatsweihe empfangen, wenn unser Bischof einverstanden ist. Heutzutage sind Diakone recht selten und deshalb auch nicht so bekannt. Aus diesem Grund möchte ich in ein paar Abschnitten erklären, was ein Diakon ist, wie dieser Dienst in der Kirche entstanden ist und wie sich dieses Amt im Laufe der Kirchengeschichte entwickelt hat bis zur heutigen Form.
Zunächst einmal möchte ich der Frage nachgehen, wie das Diakonat entstanden ist. Dazu drehen wir das Rad der Zeit um rund 2'000 Jahre zurück und versetzen uns in die Zeit nach der Auferstehung von Jesus. Die Apostelgeschichte aus der Feder des Evangelisten Lukas berichtet uns, wie die Jünger Jesu nach der Auferstehung ihres Herrn und Meister die Frohe Botschaft verkündet haben. Vom Heiligen Geist angetrieben wollten sie in der ganzen Welt von der Auferstehung Jesus und dem Glauben an Gott Zeugnis geben. Da sie sich nicht gleichzeitig um alles kümmern konnten, wählten sie aus ihrer Mitte „sieben Männer von gutem Ruf und voll Geist und Weisheit“ (Apg 6,3) als Helfer aus. Sie sollten sich in den Gemeinden in den Dienst der Nächstenliebe (caritas) stellen und den Armen und Kranken, den Witwen und Waisen und allen
Notleidenden helfen. Daneben sollte sie bei der Feier des Abendmahles hilfreich zur Seite stehen und die Kommunion den abwesenden Brüdern und Schwestern bringen. Durch Gebet und Auflegen der Hände erhielten sie die offizielle
Sendung zu ihrem Dienst.
In den folgenden Jahrhunderten tauchte erstmals der Begriff „Diakon“ auf. Diese Männer wurden dann immer mehr zu persönlichen Helfern der Bischöfe. Zu ihren Aufgaben gehörte der „Dienst am Nächsten“ (Bedürftige), der „Dienst am
Tisch“ bei der Messfeier, den Dienst bei der Verkündigung des Glaubens und der Dienst bei der Verwaltung. Bewusst habe ich hier jeweils das Wort „Dienst“ gewählt, denn das griechische Wort „diakonos“ bedeutet „Diener, Helfer“.
Später wurde der Dienst des Priesters (Presbyter) immer wichtiger und der Diakon war nicht mehr direkt dem Bischof unterstellt, sondern stand länger je mehr an der Seite des Priesters. So kam es, dass im Laufe der Zeit das eigenständige Amt des Diakons verloren ging und das Diakonat nur mehr eine „Durchgangsstufe“ für zukünftige Priester wurde. Es ist noch heute so, dass Priester vor ihrer Priesterweihe für mindestens 6 Monate als Diakon tätig sind (siehe Graphik).Erst beim Zweiten Vatikanischen Konzil vor rund 50 Jahren wurde das Diakonat als eigenständiges Amt wieder neu entdeckt und hervorgehoben. Seither gibt es zwei Arten von Diakonen: Jene, die auf dem Weg zum Priester sind und für eine gewisse Zeit dieses Amt als Diakon ausüben und die sogenannten „ständigen“ Diakone, die ihr Leben lang als Diakon tätig sind. Die letzteren können sogar heiraten und eine Familien gründen, falls sie vor der Diakonatsweihe heiraten.
Nach diesem geschichtlichen Überblick und der Unterscheidung der beiden Arten von Diakonen möchte ich nun darauf eingehen, was zu den Aufgaben des Diakons gehört. Man könnte den Diakon kurz und bündig als „Helfer für den täglichen Dienst“ bezeichnen. Im Gegensatz zu den Seelsorgehelfer/-innen und Pastoralassistent/-innen empfängt er eine kirchliche Weihe und kann auch gewisse Sakramente spenden. Im Katechismus der Katholischen Kirche finden wir bei der
Nummer 1570:
„Aufgabe der Diakone ist es unter anderem, dem Bischof und den Priestern bei der Feier der göttlichen Geheimnisse, vor allem der Eucharistie, zu helfen, die heilige Kommunion zu spenden, der Eheschliessung zu assistieren und das Brautpaar zu segnen, das Evangelium zu verkünden und zu predigen, den Begräbnissen vorzustehen und sich den verschiedenen karitativen Diensten zu widmen."
Ein Diakon kann also während der Messfeier bereits einige liturgische Aufgaben übernehmen. In der Liturgie erkennt man die Diakone übrigens an der Stola, die von der linken Schulter zur rechten Hüfte verläuft oder an der feierlichen Dalmatik, einem liturgischen Gewand ähnlich dem Messgewand des Priesters. Zur speziellen Aufgabe der Diakone gehört auch heute der Dienst bei den Mitmenschen, damit der Glaube nicht nur mit Worten verkündet wird, sondern auch in Tat und Wahrheit gelebt wird und für die Menschen somit spürbar wird.
Schliessen möchte ich mit einem Auszug aus dem Weihegebet, welches der Bischof über den Kandidaten spricht:
„So bitten wir dich, Herr, unser Gott: Schau in Gnaden herab auf diesen deinen Diener. Nimm ihn als Diakon in den Dienst an deinem Altare. Sende auf ihn herab, o Herr, den Heiligen Geist. Seine siebenfältige Gnade möge ihn stärken, seinen Dienst getreu zu erfüllen.
Das Evangelium Christi durchdringe sein Leben. Selbstlose Liebe sei ihm eigen, unermüdliche Sorge für die Kranken und die Armen. Mit Würde und Bescheidenheit soll er allen begegnen.

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