Mittwoch, 27. November 2013

Die Priesterweihe rückt schnell näher...

So lange habe ich auf diesen Augenblick gewartet und nun rückt er in greifbare Nähe. Momentan realisiere ich noch nicht richtig, wie nahe ich diesem grossen Moment in meinem Leben bin, da so vieles noch zu erledigen ist. Vielleicht ist es ganz gut, ein bisschen abgelenkt zu werden, sonst wäre ich vermutlich schon ein bisschen nervöser.
Letzthin wurde ich von meinem "Chef" angefragt, ob ich nicht einen kurzen Artikel über die Priesterweihe für unser Pfarrblatt schreiben könnte. Ich habe gerne zugesagt, denn so konnte ich mich ein wenig in die Liturgie der Priesterweihe vertiefen und nochmal so richtig vor Augen führen, was da alles auf mich zukommt. Ehrlich gesagt wurde mir schon ein bisschen mulmig dabei. Vermutlich werde ich nach der Priesterweihe eine gewisse Zeit brauchen, um wirklich zu erkennen, was in diesen rund zwei Stunden geschehen sein wird... Hier nun der Text über die Priesterweihe, den ich euch nicht vorenthalten möchte:
 
Im Leben eines Priesters ist die Priesterweihe sicher eines der wichtigsten Ereignisse, wenn nicht sogar das wichtigste. Denn durch den Empfang dieses Sakramentes kann er künftig „in persona Christi“, das heisst an Stelle von Jesus handeln und die Sakramente spenden.
Die Priesterweihe beginnt mit dem feierlichen Einzug in die Kathedrale. Der Weihekandidat geht jedoch nicht in den Chorraum, sondern bleibt vorerst in der ersten Bankreihe bei seinen Angehörigen. Zu Beginn der Messfeier wird er aufgerufen und bekundet mit seinem „hier bin ich“ oder „ich bin bereit“ seine innerliche Bereitschaft, die Weihe zu empfangen. Der Direktor des Priesterseminars stellt anschliessend in kurzen Zügen den Weihekandidaten vor und bitte den Bischof um die Spendung der Priesterweihe.
Die Messfeier nimmt ihren gewohnten Lauf mit den Lesungen, dem Evangelium und der Predigt. Nun folgt der eigentliche Weiheritus. Der Weihekandidat verspricht dem Bischof, seine zukünftige Aufgabe mit viel Umsicht, Ehrfurcht und Treue zur Botschaft zu verrichten und sich um alle Bedürftigen zu kümmern, in enger Verbundenheit und in Gehorsam mit dem Bischof und einer tiefen innigen Beziehung zu Christus.
Nun legt sich der Weihekandidat ausgestreckt auf den Boden, während die versammelte Gemeinde in der Allerheiligenlitanei für ihn um Gottes Gnade und Segen bittet. Er bezeugt damit seine eigene Schwäche und Demut und bejaht die Kraft Gottes, die auf ihn herabkommt.
Nach alter biblischer Tradition legt ihm der Bischof und anschliessend alle anwesenden Priester die Hände auf, woraufhin der Bischof das eigentliche Weihegebet spricht. Die Einkleidung mit dem Messgewand ist das äusserliche Zeichen, dass der Weihekandidat nun in die Schar der Priester aufgenommen wurde. Die Salbung der Hände mit Chrisamöl ist verbunden mit der Bitte um Stärkung für den Dienst am Volk und dem Auftrag, heilsam an ihm zu handeln. Die Überreichung von Kelch und Hostienschale ist zugleich Auftrag, mit und für das Volk die Eucharistie zu feiern. Die brüderliche Umarmung durch den Bischof und den Friedensgruss bilden den Abschluss der eigentlichen Weiheliturgie.
In der nun folgenden Eucharistiefeier spricht der Neupriester nun zum ersten Mal an der Seite des Bischofs die Wandlungsworte. Im Anschluss an die Messfeier wendet er sich den Menschen zu und schenkt ihnen im feierlichen Segen weiter, was er selbst durch Gottes Gnade empfangen hat.
Am Sonntag nach der Priesterweihe steht der Neupriester zum ersten Mal als Hauptzelebrant der Eucharistiefeier vor. Mehr dazu aber das nächste Mal...

Mittwoch, 30. Oktober 2013

Priesterweihe und Primiz

Langsam rücken die wichtigsten Ereignisse meiner Berufungsgeschichte immer näher. Als ich vor acht Jahren ins Priesterseminar eingetreten bin, da habe ich mich ganz stark auf die Priesterweihe konzentriert. Im Laufe der Jahre habe ich gemerkt, dass eigentlich der Weg das Ziel ist. Es gibt nicht ein Leben vor der Priesterweihe und ein Leben danach. Sondern alles was geschehen ist und danach noch geschehen wird, ist mein Weg mit Gott und den Mitmenschen.

„Gott und den Menschen nah – Priester im Volk Gottes“: Das war das Motto des Gebetsjahres für Geistliche Berufe im Jahr 2005. Genau dieser Satz hat mich angesprochen und hat meinem Leben eine neue Richtung gewiesen. „Gott und den Menschen nahe sein“, das galt es in der Ausbildung zu lernen und in den verschiedenen Praktika und im Pastoraljahr zu vertiefen. Nun rückt der zweite Teil dieses Satzes ins Zentrum: „Priester sein im Volk Gottes“. Die Priesterweihe tritt nicht plötzlich und unverhofft in mein Leben ein, um alles zu verändert. Sie ist vielmehr einer der wichtigsten Meilensteine auf meinem Leben mit Gott. Sie ist gleichsam wie eine Bestätigung Gottes, dass nun die Zeit reif ist, in seinem Namen zu wirken. Denn schliesslich ist ER es, der durch den Priester den Menschen nahe sein will. Wenn der Priester die Messe feiert, Sakramente spendet oder den Menschen in Freud und Leid zur Seite steht, so ist es Gott, der bei den Menschen sein will.

Für mich ist die Priesterweihe wie eine bestandene Matura- oder Diplomprüfung, wie der Schritt hinaus ins Leben mit Gott. Es heisst Abschied nehmen von liebgewonnen Menschen, von einer vertrauten Umgebung, um mit Gottes Hilfe den Weg zu den Menschen weiter zu gehen und eine Art Werkzeug in Gottes Hand zu werden.

Schliesslich wird auch die Primiz eine Art Meilenstein in meinem Leben sein. Denn es ist das erste Mal, dass ich selber der Messfeier vorstehen werde und mit den Mitbrüdern im Herrn und allen versammelten Gläubigen die Eucharistie feiern werde. Es muss etwas unglaublich Grosses sein, wenn durch das Gebet und die Worte der Kirche aus Brot und Wein Leib und Blut Christi werden und Christus so mitten unter den Gläubigen gegenwärtig wird.

Ich freue mich sehr auf die bevorstehende Priesterweihe und die Primizmesse. Zugleich möchte ich mich ganz herzlich bei allen bedanken, die mich auf irgend einer Weise auf meinem Weg begleitet und getragen haben, durch aufmunternde Worte, durch freundliche Begegnungen, durch ihre Hilfe und Unterstützung oder durch ihr Gebet. Die Erinnerungen an dieses Pastoraljahr werden mir in bester Erinnerung bleiben und mir sicherlich in manch schweren Stunden wieder Kraft und Mut schenken!

Sonntag, 29. September 2013

Freie Entscheidung...

Vor rund 11 Jahren habe ich mir zum ersten Mal ernsthaft überlegt, ins Priesterseminar einzutreten. Damals war ich gerade im Maturajahr des Kollegiums. Mir fehlte jedoch der Mut, den letzten entscheidenden Schritt zu wagen und meinem Leben eine neue Ausrichtung zu geben. Ich habe immer darauf gewartet, dass Gott mir ein spezielles Zeichen gibt, dass er mich im Priesterseminar haben möchte. Doch dieses Zeichen kam nicht und Gott schien zu schweigen. Damals habe ich das so interpretiert, dass ich nicht diesen Weg gehen sollte. Denn sonst hätte Gott mir doch sicher das lang ersehnte Zeichen geschenkt – oder etwas nicht?!

Meine Ansicht hat sich im Laufe der Zeit geändert. Im Rückblick habe ich erkannt, dass es ganz gut war, zuerst einen anderen Weg zu beginnen. Für mich war die Zeit einfach noch nicht reif. Die Entscheidung zum Priester wäre aufgrund eines Zeichens geschehen und nicht aus einer tiefen inneren Überzeugung heraus. Genau das wollte Gott vermutlich nicht. Ich bin mir sicher, dass es meine freie Entscheidung sein sollte. Gott wollte mir die Freiheit lassen, um mich bewusst für IHN zu entscheiden und auf SEINE Liebe zu antworten.

Elf Jahre später stehe ich nun kurz vor der Priesterweihe. Heute kann ich mit voller Überzeugung sagen, dass es gut war, so wie es gekommen ist. Gott hat mir nicht eine Entscheidung aufgedrängt, sondern mich Schritt für Schritt zu sich hingeführt.

Freitag, 30. August 2013

Die Zusammengehörigkeit...

Letzthin fand wieder einmal die alljährliche Jugendgebetsnacht statt. Es fanden sich rund 60-80 Jugendliche ein, um gemeinsam den Abend zu verbringen. Dabei sollte für jeden etwas dabei sein: Katechese, Meinungsaustausch, Meditation, Gebet, Spass, Anbetung, Beichtgelegenheit, Messfeier und gemütliches Beisammensein. Auch wenn auf die gesamten Jugendlichen der Region bezogen nicht viele anwesend waren, so kam doch eine recht ansehnliche Gruppe zusammen. So stand auch die Freude über jeden einzelnen, der da war, im Vordergrund und nicht die Trauer über alle, die den Weg nicht auf sich genommen hatten.

Viele haben das Gefühl, dass sie den Glauben für sich alleine leben können - nur sie und Gott allein. Die persönliche Beziehung zu Gott gehört grundlegend zum Glauben dazu. Wer aber dort stehen bleibt und nicht den Kontakt zu anderen Christen sucht, dem fehlt ein wesentlicher Aspekt des Glaubens. Der ganze Glaube ist auf Gemeinschaft hin ausgelegt. So ist es auch ein wunderbares Gefühl, sich mit anderen Gläubigen zu treffen und gemeinsam den Glauben zu leben und zu feiern. Die Feier ist ebenfalls ein wichtiger Aspekt. Wer schon einmal versucht hat, einen Geburtstag alleine zu feiern, der weiss, dass dies nicht so richtig gelingen kann. Genauso ist es mit dem Glauben.

Das habe ich vor acht Jahren auch gespürt, als ich in den Sommerferien in einem Jugendfestival war. Dort sind mehrere Tausend Jugendliche aus ganz Europa und einigen Ländern der anderen Kontinente zusammen gekommen, um diese Gemeinschaft der Gläubigen zu leben. Ganz besonders berührt hat mich damals eine Anbetung im Freien unter dem Sternenhimmel. Obwohl tausende Jugendliche versammelt waren, herrschte eine erstaunliche Ruhe. Ich empfand ein warmes, wohliges Gefühl und habe mir gewünscht, dass dieser Moment nie zu Ende sein möge. Fast hätte ich alles um mich herum vergessen. Es war, als würde die Welt einen Moment innehalten.

Auf der Heimreise war ich zwar immer noch überzeugt, die Jahresprüfungen im Herbst in Angriff zu nehmen und Medizin weiter zu studieren. Aber unbewusst hatte ich von Gott wieder so ein Mosaiksteinchen erhalten, das im Rückblick betrachtet einen anderen Sinn bekam...

Mittwoch, 31. Juli 2013

Mosaiksteinchen...

Seit rund anderthalb Monate bin ich nun schon Diakon. Länger je mehr bin ich davon überzeugt, dass Seelsorger der schönster Beruf der Welt ist! "Gott und den Menschen nahe - Priester im Volk Gottes" war damals das Motto des Gebetsjahres für geistliche Berufe, das mich heute noch genauso fasziniert wie vor acht Jahren.
Im Studium und nun auch im Praktikum bin ich aber auch immer wieder an meine Grenzen gestossen. Letzthin überbrachte ich zum ersten Mal eine Todesnachricht. Mein Spiritual im Priesterseminar pflegte immer zu sagen: "Die Grenze des Menschen ist das Einbruchstor Gottes." Gerade in diesen Situationen der Überforderung, des Erkennens der eigenen Grenzen wird immer wieder Gottes Hilfe deutlich spürbar. Paulus hat es folgendermassen ausgedrückt: "Wenn ich schwach bin, dann bin ich stark." (2 Kor 12,10)
Das ist eine Erfahrung, die viele Gläubige am eigenen Leib erfahren durften. Denn wo immer sie in Bedrängnis waren, da wandten sie sich im Gebet an Gott und fanden Erhörung. Und je mehr wir diese Erfahrung im Alltag machen dürfen, desto mehr können wir auf Gott vertrauen und merken irgendwann, dass unser ganzes Leben in Gottes Händen liegt. Er kennt uns und er liebt uns. Und: Er ist immer bei uns, auch wenn es uns nicht immer gut geht und wenn nicht immer alles gelingt. Manchmal verstehen wir erst im Nachhinein, weshalb das so war und nicht anders, warum unser Gebet scheinbar nicht erhört worden ist.
Je älter ich werde, desto mehr verstehe ich mein Leben als eine Art Mosaik. In der Jugend lagen viele kleine, bunte Steine vor mir. Aber ich wusste noch nicht, was daraus einmal werden sollte. Manche Steine mochte ich gern, andere weniger. Schritt für Schritt ist aus diesen Steinen ein Bild geworden. Dieses Bild ist noch lange nicht fertig, aber dennoch lässt sich bereits viel erkennen. Und ich bin Gott für jeden einzelnen dieser Steine dankbar, denn jeder von ihnen - ob schön oder nicht, ob angenehm oder nicht - gehört zu meinem Leben. Und wenn wir Gott unsere Leben anvertrauen und bereit sind, ihm die Führung zu überlassen, so schafft er gleichsam wie ein Künstler bei jedem von uns aus diesen Steinchen ein wunderbares Bild!

Freitag, 28. Juni 2013

Dankbarkeit

Nun sind seit meiner Diakonatsweihe bereits drei Wochen vergangen. Noch immer bin ich in Gedanken oft bei der Weihe. Für mich war es ein sehr packendes und rührendes Ereignis, das nicht ohne die eine oder andere Träne der Freue vorüberging. Die Anspannung und Nervosität hat sich nun in grosse Freude gewandelt.

Von ganzem Herzen möchte ich allen danken, die in irgend einer Art und Weise zur Vorbereitung und Gestaltung dieser Messfeier beigetragen haben und auch allen, die so zahlreich erschienen sind! Danken möchte ich aber auch jenen, die mich auf meinem bisherigen Weg begleitet haben, im Studium, bei der Ausbildung, im Seminar, in meinen bisherigen Praktikumsmonaten oder durch ihr Gebet und Wohlwollen. Es tut gut, wenn man sich getragen und geborgen weiss durch so viele Menschen!

Ich freue mich, dass ich nun die nächsten Monate bis zur Priesterweihe vom 8. Dezember weiterhin in meiner Praktikumspfarrei tätig sein kann und hoffe, dass wir miteinander in Freude auf dem Weg zu Gott weitergehen können. Denn "die Freude an Gott ist unsere Stärke" ! (Neh 8,10)

Donnerstag, 30. Mai 2013

Fronleichnam

Wieder einmal neigt sich ein Fronleichnams-Festtag seinem Ende zu. Für mich ist dies immer ein sehr schöner und eindrucksvoller Tag. Schon damals habe ich als Messdiener immer gerne an diesem Festgottesdienst und der Prozession teilgenommen. Ich finde es sehr schön, dass wir Gott an diesem Tag in Form seiner eucharistischen Gegenwart in der Hostie mit allen Ehren durch unser Dorf und somit in unseren Alltag hinaus geleiten können.
Vor ein paar Jahren - genau genommen im Frühjahr 2005 - war ich ebenfalls an einer Fronleichnamsprozession beteiligt. Ich trug die Fahne des Patrons unserer Ministranten, die Fahne des Hl. Josef. Und da stand ich nun beim zweiten Altar auf unser Prozessionsroute und las den Spruch, der dort zu lesen war: "Gott und den Menschen nah - Priester im Volk Gottes!" Ich fühlte mich tief im Herzen getroffen, denn es war genau das, was sich in mir unbewusst als Wunsch immer mehr ausbreitete. Dieses Motto zum Gebetsjahr für geistliche Berufe vereinte in einem Beruf die beiden Wünsche, die ich in mir trug. Den Menschen nahe sein konnte ich auch im Medizinstudium und später als Arzt. Durch den Dienst am Mitmenschen wäre ich sicherlich auch Gott nicht fern, aber mein Herz verlangte nach mehr Nähe zu Gott.
Ich war ganz in Gedanken versunken vor dem Altar und hätte fast die vielen Menschen rund um mich vergessen. Als sich die Prozession wieder in Bewegung setzte, sagte ich mir, dass ich bis zum Ende des Gebetsjahres im Herbst 2005 noch genug Zeit hätte, um über einen Wechsel nachzudenken. Irgendwie hatte ich aber das Gefühl, durch dieses Gebetsjahr ganz persönlich angesprochen zu sein.
Gott geht manchmal ganz kreative Wege, um uns anzusprechen. Wer erwartet, einen Brief von Gott zu erhalten, würde im besten Fall belächelt werden. Und trotzdem gibt es immer wieder Ereignisse im Leben, wo man sich direkt von Gott angesprochen fühlt. Ich war gespannt, was er wohl noch mehr für mich bereit hielt...