Donnerstag, 28. Februar 2013

Bildergalerie im Rückblick

Zur Abwechslung folgt diesmal nicht ein langer Text, sondern ein paar Bilder zu den bereits erschienenen Beiträgen...

Bruder-Klaus-Kapelle
Bruder-Klaus-Kapelle

In dieser Kapelle habe ich wohl die meisten meiner Ministranten-Dienste verrichtet. Sie spielte in meinen Gedanken aber auch eine grosse Rolle im Entscheidungsjahr vor dem Eintritt ins Priesterseminar. Auch die Tatsache, dass sie unserem "Nationalheiligen" gewidmet ist, scheint im Rückblick nicht ganz unbedeutend zu sein...

Cockpit
Cockpit des Airbus A320 von Easyjet.

So habe ich mir gegen Ende des Kollegiums meinen zukünftigen Arbeitsplatz vorgestellt. Wie früher bereits beschrieben, bereitete das Grounding der Swissair und das Ausscheiden aus der Fliegerischen Vorschulung meinen Träumen ein jähes Ende. Im Rückblick betrachtet, hat sich dieser Wink Gottes aber eher als Segen erwiesen.

Unifr-med
Departement Medizin der Uni Fribourg

In diesen Gebäuden habe ich fast drei Jahre als Medizinstudent verbraucht. Es war eine schöne Zeit, auch wenn's nicht immer ganz einfach und stressfrei war...

Christ-Roi
Christ-Roi in Fribourg

In dieser Kirche schliesslich habe ich den Wert der Eucharistiefeier neu entdeckt.
Weiter Fotos folgen mit den neuen Beiträgen...

Donnerstag, 31. Januar 2013

Von der Freude, den Glauben weiter zu schenken

Wir befinden uns mitten im Jahr des Glaubens. Es ist an der Zeit, über den eigenen Glauben nachzudenken, über unsere Beziehung zu Gott und den Mitmenschen. Richtig entfalten kann sich der Glauben jedoch erst in der Gemeinschaft, im Zusammenleben. Dann kann aus dem Glauben die Kirche entspringen.
Etwas vom Schönsten im Leben ist, wenn man einem Mitmenschen von seiner grossen Liebe erzählen kann; von etwas, was mir sehr wichtig ist. Und wenn das Gegenüber dann noch mit grossen Augen und Freude im Gesicht zurücklächelt, so ist das Glück perfekt.
Ja, den Glauben im Religionsunterricht an aufmerksame Primarschüler weiterzugeben, kann eine wunderbare Erfahrung sein. Manchmal ist es zwar nicht ganz so einfach, denn die jungen Christen stellen teilweise überraschende Fragen und fordern uns so auch immer wieder auf, über den eigenen Glauben nachzudenken und Rechenschaft zu geben. "Seid stets bereit, jedem Rede und Antwort zu stehen, der nach der Hoffnung fragt, die euch erfüllt." (1 Petr 3,15)
Von dieser Weitergabe des Glaubens lebt unsere Kirche. Denn seit tausenden von Jahren haben immer wieder Menschen durch ihr Leben und ihr Wort von Gott Zeugnis gegeben und so den Glauben lebendig erhalten. Deshalb ist der Glaube auch heute noch lebendig, wenn wir unser Herz für IHN öffnen. Möge Gott immer wieder Menschen berufen, von IHM Zeugnis zu geben - dort wo sie leben: in der Familie, in der Gesellschaft, der Politik, in Vereinen oder eben auch in der Kirche!

Montag, 31. Dezember 2012

Jahreswechsel

Das alte Jahr neigt sich seinem Ende zu, das neue steht bereits vor der Türe. Vieles ist im letzten Jahr geschehen. So konnte ich beispielsweise diesen Herbst nach sieben Jahren im Priesterseminar endlich mein Studium abschliessen. Damit ist die Ausbildung aber noch nicht zu Ende, denn nun beginnen sozusagen die Lehrjahre. So ist für mich dieser Jahreswechsel gleichsam wie ein Sinnbild für den Wechsel vom theoretischen Teil der Ausbildung zum praktischen hin.

Das will nicht heissen, dass wir während dem Studium nie in der Pastoral gewesen sind. Ganz im Gegenteil, denn auch während der Ausbildung an der Universität absolvieren wir verschieden Praktika, zum Beispiel in einer Pfarrei, im Religionsunterricht, in der Spitalseelsorge, in Altersheimen, in sozialen Bereichen usw. Zusammengerechnet kommen wir in den sechs Jahren Ausbildung im Seminar bereits auf fast ein halbes Jahr Praktika.

Standardausbildung

Nach dem Abschluss des Studiums beginnt dann das sogenannte Pastoraljahr. Im Laufe dieses Jahres werden die Seminaristen zum Diakon geweiht. Ein Diakon kann während der Messfeier bereits einige liturgische Aufgaben übernehmen, wie beispielsweise die Verkündigung des Evangeliums oder die Vorbereitung der Gaben am Altar. Er kann aber auch das Sakrament der Taufe und der Ehe spenden. Historisch gesehen ist dieser Dienst zur Apostolischen Zeit entstanden, wie wir in der Apostelgeschichte nachlesen können (vgl. Apg 6-8). Zur speziellen Aufgabe der Diakone gehört der Dienst bei den Mitmenschen. In der Liturgie erkennt man die Diakone übrigens an der Stola, die von der linken Schulter zur rechten Hüfte verläuft oder an der feierlichen Dalmatik.

Ungefähr ein halbes Jahr später findet dann die Priesterweihe statt. Mit der Priesterweihe ist nun die Ausbildung nicht zu Ende, sondern sie bekommt eine neue Dimension. Wer in Jesu Nachfolge eintritt, der muss bereit sein, ein Leben lang von IHM zu lernen...

Schliessen möchte ich diesen Beitrag mit einem Dankgebet zum Jahreswechsel:

Herr, ich danke Dir für alle Menschen,
denen ich auf meinem Lebensweg
begegnen durfte.

Menschen, die mich begleiteten.
Menschen, die mich trösteten.
Menschen, die mich besuchten.
Menschen, die mir halfen.
Menschen, die für mich Vorbild waren.
Menschen, die mir Freude schenkten.

Ich danke Dir aber auch
für alle Menschen,
denen ich helfen konnte.
Menschen,
die ich tröstete,
die ich besuchte,
denen ich Vorbild sein durfte.

Ich bitte Dich um Verzeihung,
für alles Schlechte,
das ich anderen Menschen angetan habe.
Ich bete für alle,
die ich beleidigt habe,
die ich enttäuscht habe,
die ich durch Worten und Taten
verletzt habe.

Herr, Du bist Mensch geworden,
Du bist unser Bruder.
Du kennst unsere Fehler und Schwächen,
Du wurdest als kleines Kind
in Bethlehem geboren
und hast gelebt wie wir,
in allem uns gleich
ausser der Sünde.

Du hast uns so sehr geliebt,
dass Du Dein Leben
für uns hingegeben hast
am Holze des Kreuzes.
Dein Vater hat Dich gerettet,
Dich in den Himmel aufgenommen
und Dir alles zu Füssen gelegt.

Hilf uns Menschen,
die wir noch hier auf Erden leben.
Sende uns Deinen Heiligen Geist,
der uns hilft.
Und stärke unseren Glauben,
damit wir uns stets
für Dich und Dein Reich einsetzen!

Sei bei uns allen
mit Deinem Segen,
sei überall,
wo Menschen in Liebe miteinander leben,
arbeiten oder beten.

AMEN.

Allen Leserinnen und Lesern ein frohes und gesegnetes neues Jahr!!!

Montag, 26. November 2012

Gottes Spuren in unserem Leben...

Vor einigen Tagen war ich gerade damit beschäftigt, einen Text für die Zeitschrift unseres Priesterseminars zu übersetzen. Da wurde mir wieder einmal so richtig bewusst, wie sehr unser Leben in Gottes Händen liegt, wenn wir das zulassen. Manchmal erscheint uns unser Leben wie eine Achterbahnfahrt, voller Tempo und mit unzähligen Wechseln zwischen Hochs und Tiefs; manchmal rauscht unser Leben im Eilzugtempo vorbei, und wir sind uns gar nicht bewusst, wie schnell sich alles ändert...

"Gott kann auch auf krummen Linien gerade schreiben", sagt ein altes Sprichwort. Das ist mir beim Übersetzen dieses Textes wieder in den Sinn gekommen. Beim genannten Text handelt es um den Lebenslauf eines Mitseminaristen, der nun Anfang Dezember zum Diakon geweiht wird. Ich war so beeindruckt und gerührt, dass sich eine kleine Freudenträne löste. Es ist einfach wunderbar, wenn man an seinen Mitmenschen so deutlich das Handeln Gottes spürt und zugleich in ihnen die Bereitschaft erkennt, Gottes führende Hand zu ergreifen, um ihr Leben ganz in den Dienst Gottes und der Mitmenschen zu stellen.

Schön ist es, zusammen mit solchen Mitbrüdern den Weg zu Gott und den Menschen hin zu wagen. Sie sind für mich Bruder und Vorbild. Zugleich sind sie wie ein Spiegelbild, das mir sagt, dass auch ich auf diesem Weg bin, und Gott auch auf meinen krummen Linien gerade schreiben kann! Daran habe ich mich wieder erinnert, als ich vor ein paar Tagen auf Pilgerreise durch die Zentralschweiz war. Denn dort war für mich vor über sieben Jahren der entscheidende Moment auf meinem Berufungsweg, sozusagen der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen brachte. Bis zu diesem Zeitpunkt verging damals aber noch einige Zeit.

Während dem oft sehr stressigen Medizinstudium wurde mir immer mehr klar, dass mir etwas fehlte. Neben dem täglichen Besuch der Messe, von dem ich hier vor ein paar Monaten bereits geschrieben habe, suchte ich ebenfalls nach Gebeten für den Alltag. Also begab ich mich in die theologische Buchhandlung und suchte dort nach Gebetsbüchern. Irgendwie bin ich dann auf das "Kleine Stundenbuch" gestossen und habe mir dieses Buch gekauft. Dies entspricht einer etwas "abgespeckten" Version des Breviergebets, das die Priester und Ordensleute, aber auch viele engagierte Laien täglich beten. Das war mir zu dem Zeitpunkt jedoch noch nicht bewusst. Aber ich hatte gefunden, wonach ich suchte: Ein Buch mit Gebeten für jeden Tag.

So versuchte ich in den folgenden Tag, mich in diesen Gebeten zurecht zu finden, was sich nicht immer als so einfach herausstellte. Da gab es Hymnen, Psalmen, Cantica, Antiphone, Orationen und vieles mehr. Und irgendwie schien das Gebet für den Samstag Abend zu fehlen, dafür gab es zwei für den Sonntag Abend?! Wer sich ein bisschen mit dem Brevier auskennt, wir sich beim Lesen dieser Zeilen ein Lächeln wohl nicht verkneifen können. Wer zuvor aber noch nie ein Brevier in den Händen gehabt hat und nun alleine versucht, sich zu orientieren, der kann mir vielleicht ein bisschen nachfühlen...

Irgendwie klappte es trotz regelmässigem Gebrauch nicht so richtig mit dem Brevier, bis ich eines Tages nach einer Wallfahrt nach Einsiedeln beim Hinausgehen einen Blick auf den Zeitschriftenständer warf. Dort erblickte ich ein kleines Büchlein mit dem Titel "Magnificat – Das Stundenbuch", das sofort meine Aufmerksamkeit zu wecken vermochte, denn ich kannte ja bereits das "Kleine Stundenbuch". Ich habe mir dieses Büchlein genauer angeschaut und wurde mir bewusst, dass dies genau das war, was ich immer gesucht hatte: Ein Gebetsbuch für jeden Tag, immer wieder mit neuen Texten, einfach zu beten und mit Erklärungen zu den Lesungen der Messfeier. Sofort habe ich mir dieses monatlich erscheinende Gebetsbuch abonniert und damit gebetet, bis ich später im Priesterseminar das "grosse" Stundenbuch benutzt habe.

So hat Gott in mir immer wieder das Bedürfnis nach ihm geweckt – und immer wieder Wege gezeigt, wie ich dieses Bedürfnis stillen konnte. Was gibt's schöneres, als ein liebender Gott, der auf solch' liebenswürdige und sanfte Art und Weise uns immer näher zu sich zieht, um uns eines Tages voll und ganz in seine liebenden Arme aufzunehmen?!

Dienstag, 30. Oktober 2012

Geborgenheit in Gottes Arm...

Unser Glaube ist etwas Wunderbares. Oft sind wir uns dessen wahrscheinlich gar nicht so richtig bewusst. Je mehr wir selber die Erfahrung machen können, wie wertvoll uns dieser Glaube ist und wie spürbar nahe uns Gott ist, desto schwerer ist es zu verstehen, dass unsere Mitmenschen sich gar nicht mehr um ihren Glauben kümmern oder uns Christen sogar auslachen.

Was der Glaube bewirken kann, haben wir letzten Sonntag im Evangelium gehört: "Geh! Dein Glaube hat dir geholfen." – woraufhin der blinde Bartimäus seine Augen öffnet und wieder sehen kann. An einer anderen Stelle wird uns berichtet, dass der Glaube sogar Berge versetzen kann. Ja, der Glaube kann wahrlich viel bewirken. Der Glaubende ist sich bewusst, dass Gott allmächtig ist, d.h. dass er alle Kraft im Himmel und auf Erden hat. Er weiss auch, dass Gott wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter für uns sorgt und dass er uns hilft, wenn wir ihn darum bitten.

Ein junger Familienvater spazierte einmal mit seinem vierjährigen Sohn am Strand entlang. Plötzlich blieb der Junge stehen, blickte zu seinem Vater empor, strahlte ihn an und sagte: "Papa, Armji näh." Und der Vater nahm ihn auf den Arm und trug ihn nach Hause. — Diese Direktheit des Kindes zu seinem Vater mag uns als Beispiel dienen, wie wir zu Gott beten können. Er ist unser aller Vater, wie Jesus uns dies gelehrt hat.

Vielleicht war es auch diese Erfahrung der Geborgenheit in Gottes Arm, die mich vor mehr als sieben Jahren dazu brachte, ins Priesterseminar einzutreten. Damals hatte ich gerade drei Jahren Medizinstudium in Fribourg absolviert, als Gott mich Schritt für Schritt näher zu sich herangezogen hat. Einige von euch mögen sich sicherlich noch daran erinnern: 2005 war das Gebetsjahr für geistliche Berufe. Mich faszinierte das Motto dieses Jahres: "Gott und den Menschen nahe – Priester sein im Volk Gottes." Diese Mittlerfunktion zwischen Gott und den Menschen war in meinen Augen die schönste Aufgabe, die man sich vorstellen kann. Auch heute noch bin ich davon überzeugt und freue mich ungemein, dass ich nun nach Abschluss des Studiums den letzten Schritt auf dem Weg zum Priestertum in Angriff nehmen kann.

Ich stelle mir vor, dass es eine unglaublich grossartige Erfahrung sein muss, wenn man als Priester "in persona Christi", das heisst an der Stelle von Christus zusammen mit den Gläubigen die Eucharistie feiern kann. Und wenn dann durch die Wandlungsworte des Priesters die Hostie zu Christi Leib und der Wein zu Christi Blut wird und der allmächtige und grosse Gott in der Hostie ganz klein wird und so jedem einzelnen bei der Kommunion ganz nahe ist, so gibt es doch nichts Schöneres auf dieser Welt! Oder wenn der Priester im Sakrament der Beichte in Christi Namen den Menschen von allen Sünden lossprechen kann, was gibt es da noch Grösseres? Deshalb freue ich mich so sehr auf diese Tätigkeit als Priester im Volk Gottes.

Hebr 5,1-6 erinnert uns daran, dass es Gott ist, der die Menschen in seine besondere Nachfolge als Priester beruft. Nicht wir selber sind es, sondern Gottes Gnade kommt unsere Entscheidung für diesen Weg zuvor. Deshalb bin ich überzeugt, dass Gott unser Gebet um neue Priester sicher auch erhören wird. Er ist es, der die Herzen der Menschen bewegen kann.

Ja, der Glaube kann wahrlich Grosses vollbringen, wie das der blinde Bartimäus erfahren hat. Dieses Vertrauen auf die Hilfe Gottes hat mich in den letzten sieben Jahren Studium durch manche stürmischen Zeiten sicher geleitet. Diesen Glauben an den einen wahren Gott, der für uns wie ein liebender Vater oder eine liebende Mutter sorgt, wünsche ich allen Leserinnen und Lesern von ganzem Herzen.

Montag, 24. September 2012

Bruder Klaus, unser Landespatron

Jedes Jahr am 25. September feiern wir unseren Landespatron, den Heiligen Bruder Klaus (1417-187). Wer kennt nicht sein berühmtes Gebet, das in wenigen Zeilen alles Wesentliche zum Ausdruck verbringen mag:

Mein Herr und mein Gott,
nimm alles von mir,
was mich hindert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
gib alles mir,
was mich fördert zu dir.

Mein Herr und mein Gott,
nimm mich mir
und gib mich ganz zu eigen dir.

Genauso schlicht wie diese Zeilen, war auch das Leben des Heiligen. Dabei war er stets für andere da, war ein guter Ratgeber und sogar Friedensstifter. Er hat sich so sehr aufs Wesentliche, auf Gott konzentriert, dass er sogar von der Heiligen Kommunion leben konnte und keine weiteren Nahrungsmittel mehr zu sich nahm. „Gott allein genügt“ – ähnlich, wie ich hier schon über die Heilige Theresa von Avila geschrieben habe.

Dieser heilige Mann, hat mein Leben mehr geprägt, als ich mir früher bewusst war. In meiner Heimatpfarrei gibt es eine Bruder-Klaus-Kapelle, in der wir zu meiner Primarschulzeit jede Woche die Schulmesse feiern konnten. Aber auch später noch durfte ich dort in den letzten rund 20 Jahren als Ministrant unzählige Male den Dienst am Altar verrichten.

So hat der Heilige Bruder Klaus wohl indirekt auch im Jahr vor meinem Wechsel vom Medizin- zum Theologiestudium viel zu dieser Entscheidung beigetragen. Denn in diesem Jahr – es war mittlerweile vor ziemlich genau acht Jahren – stellte ich mir in Gedanken während den Vorlesungen oft vor, wie ich selber als Priester in dieser Kapelle die Messe feiern würde. Als Messdiener kannte ich ja die Perspektive vom Altar aus sehr gut. Als Ministrantenleiter hatte ich auch einige Zeit lang mit den jungen Ministranten ihren Dienst eingeübt und dabei die Rolle des Priesters eingenommen. Ich traute mich jedoch nie, die Worte oder Gesten des Priesters zu verwenden, und beschränkte mich immer auf die „Regieanweisungen“ für die angehenden Messdiener.

Bruder-Klaus-Kapelle

Ich mag diesen liturgischen Raum sehr gerne. Vor allem seit der Kirchenrennovation Ende der Neunziger Jahre mit der verbesserten Beleuchtung hat die Kapelle nochmals an Charme gewonnen. Zugegeben, sie wirkt zwar im Gegensatz zu anderen „klassischen“ Kapellen etwas modern, ist aber dennoch meiner Ansicht nach ein sehr angenehmer Kirchenraum, der sogar über eine kleine Empore verfügt. Eigentlich ist es auch in gewissem Sinn eine Marien-Kapelle, denn die grossen farbigen Kirchenfenster hinter dem Chorraum zeigen Bruder Klaus, wie er mit Maria den Rosenkranz betet. In den beiden schmalen Teilen zu beiden Seiten des Hauptfensters sind die vier Marien-Wallfahrtsorte Lourdes, Fatima, La Salette und Paris dargestellt. An all diesen Orten war ich übrigens schon einmal. Denn auch Maria spielte in meiner Berufungsgeschichte eine besondere Rolle. Darüber, und wie Bruder Klaus auch bei mir ein guter Ratgeber war und sozusagen das letzte entscheidende Puzzle-Teilchen für meine Entscheidung lieferte, werde ich in einem späteren Beitrag berichte.

Wer Informationen zum Heiligen Bruder Klaus und dem Wallfahrtsort Flüeli Ranft sucht, findet unter http://www.bruderklaus.com/ viele hilfreiche Hinweise.

Montag, 27. August 2012

Hab‘ keine Angst, mit Gott zu sprechen

Rund einen Monat ist es nun her, dass ich den letzten Beitrag verfasst habe. Seither habe ich wieder sehr viel geschrieben – aber leider nicht für diesen Blog, sondern für meine letzten schriftlichen Arbeiten. Ja, das Studium neigt sich langsam dem Ende zu wie die Sonne, die immer tiefer ins geliebte Rhonetal sinkt, bis sie irgendwann hinter den Bergen verschwunden ist. Die goldenen Strahlen berühren sanft die Berge und Täler, die Weinberge und die Dörfer, bis dann irgendwann der Moment kommt und nur noch die Bergspitzen rötlich schimmern. Wer kann in solch‘ besinnlichen Augenblicken nicht an unseren Schöpfer denken und ihm von Herzen danken für alles, was er uns geschenkt hat?

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Ist es in solchen Situationen nicht naheliegend, dass wir zu Gott reden? Na ja, vielleicht nicht unbedingt mit ausgesprochenen Worten, aber zumindest innerlich. Und wie würden wir wohl erschrecken oder zumindest sehr erstaunt sein, wenn wir plötzlich seine Stimme hören könnten! Aber eigentlich, so absurd ist der Gedanke doch gar nicht. Wir Christen glauben ja fest daran, dass Gott uns hört, wenn wir zu ihm beten. Weshalb sollte er also nicht eines Tages antworten?

Auch wenn ich selber die Stimme Gottes so direkt noch nicht gehört habe, so bin ich dennoch überzeugt, dass Gott jeden Tag zu uns spricht. Genauso wie wir oft innerlich mit Gott reden, so antwortet er eben auch direkt in unser Herz. Deshalb hat der selige Papst Johannes Paul II in einer Ansprache zu Beginn seines Pontifikats am 22. Oktober 1978 gesagt: „Habt keine Angst! Öffnet, ja reisst die Tore weit auf für Christus!“ Manchmal droht die Stimme Gottes wie ein leises Säuseln eben im Lärm unserer Zeit unterzugehen...

Weshalb ist es nun also so wichtig, Gott unser Herz zu öffnen, damit er zu uns sprechen kann? Hören wir dazu die Wort des seligen Papstes Johannes Paul II in seiner Ansprache:

„Heute weiss der Mensch oft nicht, was er in seinem Innern, in der Tiefe seiner Seele, seines Herzens trägt. Er ist deshalb oft im Ungewissen über den Sinn seines Lebens auf dieser Erde. Er ist vom Zweifel befallen, der dann in Verzweiflung umschlägt. Erlaubt also – ich bitte euch und flehe euch in Demut und Vertrauen an –, erlaubt Christus, zum Menschen zu sprechen! Nur er hat Worte des Lebens, ja, des ewigen Lebens!“

Als ich noch im Medizinstudium war, habe ich eines Tages angefangen, persönliche Gebete aufzuschreiben. Meistens waren es spontane Gebete. Eben etwas, das ich Gott in dem Moment sagen wollte. Im Laufe der Jahre habe ich diese Gebete gesammelt. Und irgendwann kam mir dann die Idee, diese Gebete in einem Buch zu sammeln und zu veröffentlichen, was ich dann im Frühjahr 2009 auch getan habe. Die Gebete wollen dazu ermuntern, selbst mit einfachen Worten zu Gott zu sprechen.

Zum Abschluss und in gewissem Sinn auch als Rückblick auf die vergangenen Jahre möchte ich hier nun das letzte Gebet veröffentlichen, dass ich geschrieben habe:

Mein Vater, siehe, ich komme um Deinen Willen zu tun.
Ich weiss zwar noch nicht genau, was mich alles erwartet.
Aber eines bin ich mir sicher: dass Du immer bei mir bleiben wirst.
Deshalb nehme ich diesen Weg in Angriff und gehe mutig voraus,
in eine Zukunft, die ich nicht kenne.

Du aber, Herr, kennst alle meine Wege.
Du kanntest mich bereits, als ich noch nicht geschaffen war.
Was werde ich alles erleben auf meinem Weg?
Welche Hindernisse und Probleme werde ich antreffen?
Ich weiss es nicht.

Aber ich verspüre ein solch grosses Verlangen,
diesen Weg zu gehen,
dass ich nicht anders kann,
als vertrauensvoll einen Fuss vor den anderen zu setzen
und immer weiter voran zu gehen.

Je mehr ich über meine Berufung nachdenken,
desto mehr rede ich mir ein,
dass dies alles doch nicht wahr sein kann.
Warum ich? Weshalb hast Du einen solch schwachen,
hilflosen Menschen in Deine Nachfolge berufen?

Das wird wohl immer Dein Geheimnis bleiben,
bis ich Dich einst schauen werde
von Angesicht zu Angesicht.
Dann werde ich erkennen,
weshalb Du mich berufen hast.

Bis dahin traue ich Deiner Liebe,
die niemals trügt,
die so unendlich gross ist,
dass ich einfach nicht anders konnte,
als Deinem Ruf zu folgen.

Danke, Herr, Amen.